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LarpWiki: Bericht LarhgoXI

Kommentar 2003: Ja, lang lang ist es her.. Mein erster Larhgo... würde ich aus heutiger Sicht vielleicht anders schreiben, aber das ist das Original. -Prokura

Larhgo 11

Versuch eines Resümees:

Sylvester 31.12.98 - 3.1.99 Museumsdorf Oerlinghausen

Nun gut, da hatte ich mich also überreden lassen, mal wieder ein anderes Spiel auszuprobieren. Die Ausgangssituation für mich sehr ungewohnt, da ich auf dem ganzen Spiel nur eine einzige Person „näher“ kannte und noch eine weitere so ein bißchen. Immerhin lernte ich während der Anreise noch zwei weitere Mitspieler kennen. 4 von 120... besser als nichts. Außerdem kannte ich das Land , die Welt und die Sitten nur aus Erzählungen. Das sollte mich aber nicht abschrecken. Schließlich hatte ich als lange im Ausland verschollene, große Schwester des Königs natürlich eine ideale Startposition: ich darf überall dabei sein, muß aber nicht wirklich was tun und es ist o.k., wenn ich mich nicht auskenne. D.h. Ich konnte mich verpissen, wenn’s zu diffizil oder langweilig wurde, wurde aber auch von den interessanten oder wichtigen Sitzungen nicht ausgeschlossen.

Kaum angekommen wurde meine Bezugsperson, der König auch schon von allen Seiten mit allen möglichen Problemen bestürmt. Das wichtigste war wohl: es soll dir an den Kragen gehen!

Ein potentieller Usurpator („ich will König werden anstelle des Königs“) hatte eine Gesetzeslücke ausfindig gemacht und wollte den König verklagen. Nun, eine ernsthafte Sache, da in diesem Land wohl sehr viel Wert auf die Gesetze gelegt wird. Diese Angelegenheit sollte dann auch hauptsächlich das weitere Spiel der „Königsclique“ bestimmen. Ansonsten wurden noch diverse Vorfälle mit Untoten und/oder Werwölfen berichtet (es war natürlich gerade zufällig Vollmond)

Dann konnten wir endlich auch den „offiziellen Einmarsch“ des Königs abhalten. Ich wurde den Leuten vorgestellt und man nannte mich „eure königliche Majestät“ das gefiel! Konnte sich aber leider nicht durchsetzen. Schade, hätte mir gefallen können. Aber da der König hierzulande schon nicht mal ein echter Adeliger ist, sondern „nur“ ein gewählter, konnte ich das als mehr oder weniger tumbe Bauerntochter wohl auch nicht wirklich erwarten. Nuja, wir marschierten also mit Getrommel und Getröte auf den Dorfplatz ein, der König hielt eine kurze Ansprache, und dann wollten wir uns auch schon verdrücken. Es fiel noch eine seltsame Gestalt mit Ritterhelm auf, aber dazu gleich. Das Volk jubelte verhalten, das übliche wohl.

Wieder in der königlichen Unterkunft angekommen wurde erst mal Kriegsrat gehalten, wegen dieser unleidigen Anklage Geschichte. Mein kleiner Bruder hatte in den ersten Tagen seiner Amtszeit wohl ein wenig Mist gebaut. Dann tauchte auch noch diese Gestalt von eben auf, die sich als Ex-Götterbote herausstellte. Sachen gibt’s! Er hatte ein persönliches Problem, über das ich diskreter Weise lieber schweige. Leider mußte auch die Lösung desselben hinter dem zu erwartenden Prozeß anstehen, obwohl das bestimmt eine nette Geschichte hätte werden können...*grins*

Für den Abend standen dann diverse Neujahrs Feierlichkeiten an. Zuerst ein Wettstreit diverser Feuerspektakulisten, und dann um Mitternacht das große Spektakel. Also ging es dann schon ziemlich bald in den Wald zu einem Hügel (etwa 1000km weit weg) wo dann nach längerer Wartezeit auch endlich mal die erste Gruppe loslegte. Es waren Traumhändler, die ein wenig Lichter abbrannten und damit (so war mein Eindruck) einen Feuerelementar in einen knackigen jungen Mann beschworen, der anschließend ziemlich beeindruckend mit Fackeln wirbelte. Dabei gefiel mir natürlich besonders, daß er das trotz der Kälte mit bloßem Oberkörper tat. Das Auge guckt ja bekanntlich mit.... das mußte auch die etwas reservierte Reichsritterin zugeben, die ansonsten nur Augen für den König hatte. (Sie ist ja schließlich seine Leibwächterin.)

Am Ende gab es dann noch etwas Zoff mit dem Elementar, der konnte aber behoben werden und er verpißte sich wieder. Was da nun genau dahinter steckte entzieht sich meiner Kenntnis.

Jedenfalls tauchte kurz darauf aus heiterem Himmel (oder Wald) ein Dämon namens Ketchup (oder so ähnlich) auf, den außer mir alle zu kennen scheinen. Der König wurde jedenfalls in die hinteren Reihen gezerrt und deshalb hab ich nicht genau mitgekriegt, was der Dämon wollte. Aber wer weiß schon, was Dämonen wollen. Jedenfalls scheint er öfters mal Larhgotische Bürger in ihren Träumen heimzusuchen und ist somit wohl eine bekannte Größe. Die zweite Spektakel Gruppe war die des Ersten Reichsritters Argon und legte eine recht gut koordinierte Fackelschwing / Kampfsimulations Show hin.

Da die Traumtänzer außer Konkurrenz angetreten waren, und es keine weiteren Wettstreiter gab, wurde diese Gruppe zum Sieger erklärt, und es sollte nun zum Neujahrshügel gezogen werden.

Dieser war noch ungefähr 1000km weiter aber es war ja zum Glück Vollmond und ich habe gute Stiefel.

Kurz davor angekommen hieß es erst mal nicht weiter gehen, und zwei Verrückte Magier mit seehr langen spitzen Hüten faselten etwas von Achtung Aufladung blabla, der Hügel würde gleich losgehen... aber da es immerhin was zu trinken gab warteten wir geduldig auf den Jahreswechsel. Punkt zwölf entlud sich dann auch der Berg in einem feinen Feuerwerk mit viel bunt und Aaaah und Oooh und es gab Sekt, Met und Küsse, wie es sich gehört. Die meisten bewunderten noch eine ganze Weile die Feuerwerke der Umgebung, die engeren Königsleute machten sich aber auf den Heimweg, um ein wenig von der Masse weg zu kommen.

Nachts war dann noch ein bißchen Radau glaube ich... irgendwelche Werwesen oder so... aber nichts bedeutsames.

An diesem ersten Tag viel mir schon auf, daß es in Larhgo ziemlich klare feste Strukturen zu geben scheint, der König, sein hoher Rat, das Konzil, Reichsritter, Knappen, Wachen... und alles ziemlich ernsthaft bei der Sache.. ungewöhnlich meinen Erfahrungen nach. Mein Geschwisterliches Gekabbel mit dem König sorgte da doch tatsächlich für einige Überraschung... den ruft wohl sonst auch niemand „kleiner Kalli“...

Am zweiten Tag spitzte sich dann die Lage langsam zu. Einzelne Anklagepunkte sickerten durch, es wurde die Geschichte bekannt, wo dieses ganze untote Gezücht samt Dämonen herkommt. Das war wohl irgendwelche dubiosen Durchreisenden (N. und B.) zu verdanken, die sie netter weise im Schlepptau hatten. Außerdem hatten auch wohl diese seltsamen Traumhändler irgendwelche Finger im dämonischen Spiel, das war aber alles natürlich sehr undurchsichtig.

Außerdem galt es noch eine diplomatische Delegation aus dem Nachbar Land zu betreuen, die am Vortag aufgrund diverser Mißverständnisse wohl ziemlich abgekanzelt wurde. Heikel, da es sich hier wohl um die aller erste Kontaktaufnahme handelte. Glücklicherweise waren mittlerweile auch der Kanzler und ein weiterer Berater des Königs angereist, die sich mit der Sache beschäftigten. Der magische Berater Nogaras wurde auf diese Dämonen Geschichte angesetzt, es wurden Brieftauben zu nicht anwesenden wichtigen Rats- und Konzilsmitgliedern ausgesandt und ich war erneut verblüfft über die vorhandenen Strukturen und deren relativ reibungsloses ineinander greifen. Jedenfalls kam ich in den Genuß, auch so etwas wie eine diplomatische Mission mitmachen zu dürfen. Der Usurpator „Hauptmann Ascor“ hatte nämlich zum Tee eingeladen, und da durfte ich als Tischdame des hohen Ratsmitgliedes Astralus mitgehen. Alle anderen hatten Wichtigeres zu tun. Ich schlug ja die ganze Zeit vor, den Knilch einfach abzumurksen, bot an, das in die Wege zu leiten, aber anscheinend tut man das nicht in Larhgo. Pfff, jedenfalls wollte in diesem Punkt keiner auf mich hören Oft genug angeboten hatte ich’s.

Nun gut diese Mission verlief leider nicht sonderlich ergiebig. Entweder war dieser Kerl von meinem Blickfangamulett (es hängt in einem SEHR tiefen Ausschnitt) zu abgelenkt oder er wollte eh nur mal raus finden, ob jemand seine Einladung annimmt. Viel ergründen konnten wir nicht, außer daß seine Truppe wohl nicht gerade in aller bestem Zustand ist. Dann mußten wir uns aber schon wider verkrümeln, weil diese Diplomaten aus dem Nachbarland eine Audienz beim König hatten, und das wollten wir natürlich auch nicht verpassen, vor allem da auch Kulturaustausch in Form eines Puppenspiels „unserer“-seits und einer professionellen Gesangsdarbietung ihrerseits anstand.

Das Treffen verlief denn auch ziemlich gut für beide Seiten, man merkte zwar den kulturellen Unterschied zwischen dem elfischen Lioness und dem menschlichen Larhgo, aber das ist ja nun auch keine Kulturnation. Jedenfalls hatten die Elfen ziemlich gute Manieren. Es wurde die uralte Tradition des Larhgotischen Würstchen Essens begründet und so etwas wie Bündnisabsichten erklärt. Was will man von der Diplomatie mehr erwarten?

Das Puppenspiel war übrigens großartig! Es hieß „Ich will König werden anstelle des Königs“ welch Zufall und kam beim Publikum extrem gut an. Da konnte der König auch noch mit lachen, obwohl ich merkte, daß im die ganze Geschichte doch ziemlich auf den Magen schlug. Jedenfalls mußte man ihn die ganze Zeit fast zum Essen zwingen, den ärmsten kleinen...

In dieser Nacht häufte sich dann das Dämonen Aufkommen doch immens. Sie wurden geradezu lästig. Es gab richtig Alarm, einige Verletzte und das ganze zog sich tatsächlich so lange hin, daß sich selbst das ganze Elitepack in Rüstung warf incl. König (trotz der vehementen Proteste seiner Leibwächterin). Immerhin erwischten wir auf dem Weg , bei unseren neuen Verbündeten nach dem rechten zu sehen, noch zwei dieser miesen dämonischen Gestalten, und ich konnte immerhin auch mal wieder in einen ungedeckten Rücken dreschen. Mein Lieblingsschlag, gutes Stellungsspiel ist ja sooo wichtig!

Nun, die Nacht konnte befriedet werden, aber es wurde doch klar, daß es sich um ein ernsthafteres Problem handeln mußte. Die beiden Verursacher N und B zogen zwar noch ein dubioses Ritual ab, daß diesem Übel entgegen wirken sollte, aber mir erschien das doch sehr zweifelhaft. Sollten sich die Dämonen doch die beiden schnappen und Ruh ist, aber auf mich hörte ja wieder keiner....

Am nächsten Tag war Gerichtstag Das ist wohl auch so eine Tradition, daß hier jeder jedem was kann. So standen denn neben dem „Königsprozeß“ auch noch diverse kleinere an, bei denen es um verweigertes Freibier, Landbetrug, Schwarzmagie und Speziezismus ging. Das Hohe Rats Mitglied Astralus und eine Gräfin Dingenskirchen fertigten diese minder schweren Fälle ab, über den König sollten seine Reichsritter richten.

Gerade zur rechten Zeit trafen dann auch noch die per Taube angeforderten Rats-und Konzilsmitglieder ein um ihrem König beizustehen. Das nenn ich treu!

Den Hergang des Prozesses will ich uns ersparen. Das war keine feine Angelegenheit. Der Ankläger rhetorisch nicht wirklich brilliant, aber sehr hartnäckig, die Verteidigung rührend ehrlich, die Zeugen bemüht, aber die Fakten in einem Punkt eindeutig. Das Eingreifen eines (noch nicht Ex-) Götterboten verschlimmerte die Sache nur noch, obwohl er eigentlich wohl dem König hatte helfen wollen, aber man hatte den Eindruck er wüßte wohl auch nicht so recht, wie.

Jedenfalls kam es irgendwann zu einem Schuldspruch und die gesamte Reichselite war wild am diskutieren, wie denn jetzt mit dem König zu verfahren wäre, während dieser ganz alleine hinter seinem Tisch saß, den Kopf auf den Armen liegend und mein Schwesterherz vor Mitleid blutete. Dieser miese Ascor stand irgendwo gemein grinsend im Hintergrund, aber den krieg ich noch, lan machst du nisch meine Bruder an, isch schwör!

Zum Glück muß man als Schwester ja keinen Anstand wahren und so durfte ich den kleinen wenigstens ein bißchen trösten. (Ich sah dem ein oder anderen Elitemitglied an, daß sie das wohl auch gerne getan hätten)

Jedenfalls trat plötzlich der Oberpriester Beon vor, erzählte etwas wie „Ja, du hast Scheiße gebaut, aber du bleibst unser König“, kniete nieder und schwor im Treue. Das taten dann nacheinander alle Anwesenden (incl. mir, aber er bleibt DOCH der kleine) was ich doch ziemlich ergreifend fand. WOW, aber tauschen hätte ich mit ihm nicht wollen. Na, Ende gut, alles gut, das war überstanden, und Ascor plötzlich verschwunden. Wahrscheinlich werden irgendwelche Götter da noch mal bestätigen, daß er auch ihr Favorit ist, bei dem dortigen Götterboten Aufkommen sollte das aber kein Problem sein.

So richtig Feierstimmung wollte irgendwie nicht aufkommen, dafür war die ganze Geschichte wohl allen doch zu sehr an die Nieren gegangen. So wurde denn noch lange über die Versäumnisse der Vergangenheit und die Aufgaben der Zukunft diskutiert und beschlossen ab jetzt noch härter mit allem Bösen, Dunklen, Dämonischem und Schwarzmagischen umzugehen.

Deshalb war es auch unumgänglich noch diese Nacht etwas gegen die Umtriebe dieser beiden Dämonenanlocker und diese Traumheinis zu unternehmen. Also warfen sich alle noch mal in Rüstung und machten sich auf zum Zelt der Ersteren. Dort fand man leider nur einen der beiden vor, N, der sich aber in Widersprüche verstrickte, den König dreist anlog und auf der Stelle erschlagen wurde. Sein Zelt wurde verbrannt und wir zogen weiter zum Quartier der Traumhändler, das wir aber verlassen vorfanden. Wir wollten es gerade näher untersuchen (nach schwarzmagischen Beweisen oder so) Als eine bis dato mir völlig unbekannte Gruppe auftauchte und uns daran hindern wollte. Es gab ein wenig Händel, ich spare mir auch hier die unerfreulichen Einzelheiten, auszurichten war sowieso nichts und so machten wir uns auf ins Bett.

Da wir alle notorische Langschläfer sind, verpaßten wir es, die Sache am nächsten Tag zu klären. Schade, da ist noch ein Hühnchen zu rupfen!

Tja, was bleibt mir abschließend zu sagen? Hier wird anders gespielt. Dieses Land ist sehr ausgefeilt in all seinen Strukturen, und alle scheinen da auch sehr dahinter zu stehen. Alle ziehen an dem einen Strang“ Das Beste fürs Land“ Gut, ich habe ja fast ausschließlich die Führungsebene mitgekriegt, die noch dazu eine ernste Krise zu bewältigen hatte, aber tendenziell scheint das doch für das gesamte Spiel zu gelten. Nicht unangenehm, nur ungewohnt!

Ich denke die Prise Humor, die wir mit unserem Geschwisterdings rein gebracht haben, hat das ganze ein wenig auflockern können, was bestimmt nicht geschadet hat. Ich habe mich aber ziemlich zurückgehalten. „Normal“ würde da viel mehr gehen.

Regel freies Spielen: Hat man kaum was von gemerkt. Paßte schon, ich hatte aber auch kaum Szenen, in denen es etwas regeltechnisches zu beachten gegeben hätte. Insofern alles ganz normal bis auf...

... da wäre ich wieder bei meinem Lieblingsthema: Diese Dragonsys Halbgötter Kacke! Diese Charaktere sind mit einem gescheiten Spielsystem einfach nicht vereinbar. Ein mächtiger Dilettanten, Larhgo oder selbst Phönix Magier ist dagegen einfach nur ne Wurst, und dadurch wird es für beide Seiten Scheiße. Wer legt sich schon mit Supermann an? Das macht einfach keinen Sinn und wo ist denn der Reiz, wenn man unantastbar ist? Also wenn es nach mir geht, liebe Spielleitungen, muß man solche Charaktere einfach gnadenlos streichen! Paßt nicht, geht nicht. Dann bastelt halt einen neuen Charakter, ist doch auch mal wieder ganz nett! Traut euch!

Aber wenn sie dann auch noch in ihrer Unantastbarkeit bescheißen, weil ist ja Regel frei, ist das noch viel bekackter! Azagir! Und Regel frei kann meiner Meinung nach nu mal einfach nicht heißen, DSler spielen nach Dragon Sys und dazu gehört auch gefälligst, daß sie gar nix ausspielen müssen! Also ganz klassisch Thema verfehlt! Setzen Sechs! So! genug gehetzt!

Essen war übrigens klasse!

Das Museumsdorf ist hübsch, die Häuser sehr stimmig, das Waldgelände auch groß genug.


Bericht von Prokura


Kategorie/Spielbericht