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LarpWiki: Land Der Toten

LarpMeinung: Aus dem Land der toten Charaktere!

Ich dachte, ich berichte mal aus Welten, in denen der Charaktertod und das Töten von Charakteren quasi zu Alltag gehört, und werde im Verlauf behaupten, daß man in diesen Welten TROTZDEM oder gerade deswegen großen Spaß am Liverollenspiel haben kann. Ich beziehe mich in meinen Erfahrungsberichten hauptsächlich auch Spieler der Dilettanten und der Phönix Charta, aber auch z.B. auf 2 Giftstaub Endzeit Spiele, in deren Natur der permanent präsente Charaktertod noch tiefer verankert ist.

Also, als die Dilettanten anfingen, Liverollenspiele zu veranstalten, müssen diese noch einen ziemlichen „Gotcha“ Charakter gehabt haben... prinzipiell gab und gibt es keine Monster-NSC sondern reine PvP Spiel „Meucheln“ war eine 2.Stufenfähigkeit und ziemlich weit verbreitet, es waren die frühen 90er und das ausarbeiten eines Charakters noch nicht oberste Priorität. So waren auch die Quoten an toten Charakteren in frühen Dilettantenzeiten sehr hoch. Trotzdem hatten die Leute ihren Spaß und sind dabei geblieben. Aber im Laufe der Zeit kam wohl doch auch der Wunsch auf, die wildesten Gemetzelorgien zu begrenzen, und mittlerweile ist das Meucheln eine seltene 3. Stufenfähigkeit, und insgesamt ist man nicht mehr ganz so schnell mit dem Töten. Fakt ist aber: Wer den Regeln entsprechend getötet wird, ist und bleibt erst mal tot. Man muß bei uns keinen Todesstoß ansagen, es „passiert“ einfach, indem man „auf null“ gebracht wird und dann noch einen Schlag abbekommt. Es gibt zwar auch Regelgerechte Wiederbelebungen, aber diese sind ebenso schwer und selten wie das Meucheln und 4 Freunde des Toten müssen permanente LP opfern. Vorteil ist, sowohl Opfer als auch Täter wissen, woran sie sind. Auf Dilettantenspielen wird immer noch verhältnismäßig viel gestorben, mehr als bei anderen Spielen, aber die Diskussionen um Tode halten sich in erfreulich niedrigen Grenzen. Die meisten Spieler, die bei den Dilettanten liverollenspielerisch sozialisiert wurden, bleiben dabei, daß dies die beste Art ist LARP zu betreiben. Meiner persönlichen Erfahrung nach gibt es extrem wenig Schummler und Rauswinder. Und wider Erwarten gibt es auch im Dilettantenkontinuum sehr alte Charaktere, die seit Jahren bespielt werden, aber die durchschnittliche Lebenserwartung dürfte deutlich niedriger liegen. Ich bin bisher spätestens beim 2. Spiel mit dem selben Char. umgekommen, aber viele habe ich auch einfach gar kein 2. Mal gespielt.

Mitte der 90er entstand im hohen Norden die Kampagne Phönixcharta aus Leuten, die sowohl viel bei den Dilettanten, aber auch bei Alive und anderen Veranstaltern aktiv waren. Im Phönix System ist auch kein angesagter Todesstoß nötig. Ähnlich wie bei den Dilettanten „passiert“ der Charaktertod einfach. Meucheln ist eine hochstufige Fähigkeit, die aber spezialisierte Anfängercharaktere erlernen können. Außerdem gibt es auch Mittel und Wege, sich dagegen zu schützen. Hier gehört der Charaktertod auch zum Alltag, aber das Klima ist nicht ganz so tödlich wie bei den Dillis. Hier gibt es auch öfter mal Monster oder NSC zu töten, prinzipiell ist aber PvP eine anerkannte Spielweise, die Basis für die innerweltlichen Konflikte zwischen Gut und Böse bildet. In der Phönixwelt ist die Todeswahrscheinlichkeit nicht ganz so hoch und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb habe ich hier öfter Diskussionen erlebt, ob und warum man denn jetzt nicht tot sein kann will sollte. Ich persönlich bin auf Phönixspielen noch nicht gestorben, habe aber auch noch keinen Char. öfter als 2 x gespielt.

Bei den sehr neuen Giftstaub Endzeitspielen ist die Lage ein bißchen anders. In dieser verstrahlten Lebensfeindlichen Welt entsteht die Bedrohung eher von außen. Hier sind NSC Mutanten und versteckte Tretmienen die Gefahren, die einem Spieler nach dem Leben trachten. Diese tun aber nicht nur so, und lassen sich von Spielerhelden abschlachten, sondern es geht auch entsprechend zur Sache. PvP ist prinzipiell auch akzeptiert, findet aber eher in gemäßigtem Rahmen statt, weil man aufeinander angewiesen ist. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit, nicht zu überleben recht hoch. Es gibt auch hier keinen Todesstoß, aber ein Kopf oder Torsotreffer mit einer Strahlenkanone ist einfach ein sicheres Todesurteil ohne Diskussion. Dementsprechend hab ich bisher auch keine größeren Diskussionen erlebt, nur manchmal erbarmte sich die SL und erklärte schon totgeglaubte nur für extrem schwer verwundete. Bisher stießen die beiden Spiele auf große Begeisterung und jeder will weiter spielen, trotz der permanenten Paranoia.

Drei ganz unterschiedliche Ansätze, drei verschiedene Welten und Regelwerke. Aber ich denke, was ihnen gemeinsam ist, könnte sein, daß in allen dreien auch ein Anfängercharakter gute Chancen hat, im Spiel etwas zu bewirken. Die Spiele sind erstens so angelegt, daß nicht nur Meister eines Fachs etwas bewirken können, sondern auch neue Leute wichtig sein können. Bei Phönix und Giftstaub sind die Regelwerke sehr freundlich zu Startcharakteren. Anhand fieser Nachteile kann man einen Charakter erschaffen, der individuell ausgeprägt ist, und schon einiges kann. Bei den Dilettanten kann fast niemand sehr viel, weil das Aufsteigen sehr schwierig ist, d.h. bei einem frühen Charaktertod verliert man nicht gleich den „Anschluß“. Natürlich ist es in allen drei Systemen immer auch um die Geschichte und Kontakte etc. schade, die ein Charakter mit ins Grab nimmt, aber die Erfahrung zeigt, daß auf allen dreien der Tod eines Charakters eben von vornherein Teil der wahrscheinlichen Entwicklung ist. Und wenn er einen nicht ereilt ist die Freude um so größer!

Ich persönlich ziehe diese Spiele vor. Ich hatte oft auf „anderen“ Spielen den hämischen Gedanken, daß der Superheld, der hier gerade den dicken Max macht, auf einem Dilli, Phönix oder Giftstaub ( auch WWL) Spiel ganz schnell ganz schön dumm aus der Wäsche schauen würde, und ihn auf „diesem“ Spiel nur die ungeschriebene Regel des „Spielerchar. tun anderen Spielerchar. nicht weh“ Regel schützt. Das mag an meiner persönlichen Einstellung liegen, daß ich blöde Angeber nicht mag. ;-) geniale Blender aber sehr bewundere... aber so ist es nunmal, und zum Glück gibt es ja genügend Leute, die meine Vorliebe aus welchen Gründen auch immer teilen. Ich denke, über Geschmack kann man nicht streiten. Wenn ich auf „die andere Sorte“ Spiel gehe, dann richte ich mich danach, aber im Endeffekt merke ich halt immer wieder, daß mir Spiele mit klaren Todeseintrittsregeln lieber sind. Was da jetzt Ursache, und was Wirkung ist, hab ich noch nicht genau analysiert. Das wäre dann Anlaß für einen 2. Schrieb!

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