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Larpmeinung: ErkennbareGewandung

...oder warum man die bespielte Rolle schon an der Klamotte erkennen sollte.

Über die Frage, ob eine Gewandung eine gute oder eine schlechte ist, lässt sich sicher streiten. Ein wichtiges Kriterium ist meiner Meinung nach, dass eine Gewandung etwas über die Rolle des bespielten Charakters aussagt. Eng damit verbunden ist die Bedienung von Klischees, denn was mein Mitspieler nicht kennt, kann er nicht erkennen.

Von vielen Spielern wird ja die Meinung vertreten, dass man mit guter Gewandung nicht nur den anderen ein schöneres Ambiente bietet, sondern auch selbst einen Nutzen hat, weil man aktiver angespielt und öfter am Geschehen beteiligt wird. Im Negativen wird daraus manchmal auch die Aussage, dass man mit einer "schlechten" Klamotte ignoriert und ausgeschlossen wird. Die Frage ist jetzt: Tun das nur böse Gewandungsnazis, die ihre Mitspieler auf diese Weise dafür maßregeln wollen, dass sie nicht ihren Kleidungsrichtlinien entsprechen?

Bei mir ist das sicherlich eine teilweise bewusste, zu großen Teilen aber auch unbewusste Entscheidung. Nehmen wir mal ein typisches Beispiel, den "Abenteurer" in Kettenhemd, schwarzer Lederhose, schwarzem Schnürhemd, Bundeswehrstiefeln und zwei Schwertern mit Tape-umwickelten Spitzen im Gürtel. Normalerweise denke ich mir bei so einer Gestalt höchstens "Wie fade.", aber nicht "Nein, was für eine doofe Gewandung! Den bestrafe ich jetzt mit Nicht-Anspielen!".

Viel wichtiger ist aber die andere, positive Seite: Wenn ich jemanden in einer interessanten, aussagekräftigen Gewandung sehe, dann macht mich das automatisch neugieriger auf seinen Charakter und dementsprechend motivierter, ihn anzuspielen. Wenn jemandes Kleidung so schön oder kreativ ist, dass ich näher hinschaue, hat derjenige automatisch schon mal meine Aufmerksamkeit gewonnen.

Warum muss nun eine Gewandung nicht nur "interessant", sondern auch zur Darstellung passend sein? Für viele Charaktere wäre es ja vielleicht sinnvoller, sich zu tarnen oder möglichst unauffällig zu erscheinen. Nun suche ich ja im Spiel oft nach bestimmten Arten von Charakteren, bei denen es Bezugspunkte zu meinem eigenen gibt so dass ich einen Aufhänger für ein Gespräch finde. Zum Beispiel suche ich wenn ich einen Alchemistencharakter spiele immer erstmal andere Alchemisten und Gelehrte. Oft geht es auch darum jemanden zu finden bei dem ich Hilfe für bestimmte Aufgaben bekommen kann, z.B. einen Magier, Handwerker oder Söldner für Geleitschutz.

Egal was es ist, hier suche ich ganz klar anhand von bestimmten Kriterien, jeden Anwesenden etwa zu fragen ob er Alchemist ist wäre sehr lästig und würde anderen Spielern schnell auf den Geist gehen. Wenn jedoch ein zerstreut wirkender Herr in langer, aber fleckiger Robe, mit dicken Brillengläsern, tintenfleckigen Fingern, einem seltsamen Hut und angesengten Augenbrauen vor Ort ist und in einer großen Tasche wühlt, aus der zerknitterte Schriftrollen und Fläschchen mit undefinierbaren Ingredienzien ragen, dann habe ich nicht nur gute Chancen sofort bei meiner Suche fündig zu werden, sondern ich habe auch gleich viele Ansätze, wie ich mit ihm ins Gespräch kommen kann. Das reicht von "Entschuldigung, sind das richtig frische Molchaugen?" über "Könntet ihr mir wohl einen Federkiel borgen?" bis hin zu "Was ist denn mit euren Augenbrauen passiert?".

  • [Ich kann es nur bestätigen. Wie oft ist es mir mit meinem spitzen, breitkrempigen Hut, der ausladenden Robe und dem großen, langen Stab passiert, das sich jemand an mich ranschlich und fragte: Ich seid doch ein Magier, Oder? Ich pflege darauf zu antworten: Nein, ein verkleideter Paladin. Warum fragt ihr? -- Frank Bitzer]

Jetzt mag der Herr am Nebentisch mit den zwei Schwertern tatsächlich ein Großmeister der Alchemie sein, der nicht nur sämtliche Rezepte auf dem Charakterbogen stehen hat sondern auch in seinem unscheinbaren Zelt eine formidable Hexenküche unterhält und mir einen halbstündigen mitreißenden Vortrag über das Pökeln von Amphibienaugen halten kann. Das bekomme ich aber leider nicht mit, da ich einfach nicht auf die Idee komme, ihn dahingehend anzuspielen.

Im Vergleich dazu noch deutlich unangenehmer wird es für mich dann, wenn mir Spiel angeboten wird, das aber einfach nicht zum Auftreten des Charakters passen will. Denn dann beginne ich oft, aus dem Spiel zu geraten und mich zu fragen: "Gehört die Diskrepanz zur Rolle, und kann ich darauf eingehen, oder stoße ich damit den Spieler vor den Kopf?". Denn wenn sich der Herr mit den zwei Schwertern, der jetzt schon zweimal als Beispiel herhalten musste, mir plötzlich als König von Vitriolingen vorstellt, der meinen Charakter als Hofalchemist anstellen will, dann wäre die naheliegende Antwort: "Wie bitte, ihr wollt König sein? Entschuldigt, aber das nehme ich euch nicht ab.".

--ChristianSpalthoff, 31.01.2007


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