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LarpWiki: Rauchen Im LARP

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„Rauchen kann tödlich sein“

Man stelle sich Folgendes vor:

Ein großes, leicht zugiges Turmzimmer innerhalb einer geradezu uneinnehmbaren Feste, die durch einen dreifachen Ringwall geschützt ist, deren wuchtige Tore versetzt sind, um es einem Feind so schwer als möglich zu machen, bis in das Innerste zu gelangen, die dicken Steinquaderwände mit erlesenen Wandteppichen verhangen; die Öffnungen, um das strahlende Licht der Sonne einzulassen, gar mit buntem Glas verziert, was den Wind weitestgehend draußen hält; in der Mitte ein gewaltiger Eichenbohlentisch, dekoriert mit Mehrarmigen Leuchtern aus kunstvoll verformten Schmiedeeisen, auf denen dicke Wachskerzen gemächlich vor sich hintropfen und auf maßgefertigten Stühlen, die mit Samt gepolstert und mit Gold beschlagen sind, eine Reihe von hochrangigen, in prunkvollste Gewänder aus edelsten Stoffen und Fellen gekleidete Kämpen; Heerführer und Staatsmänner (nun gut, das ein oder andere Weiblein hat sich auch eingeschlichen). Hier und da schimmert unter der filmreifen Gewandung gar ein wenig Rüstung hervor, die jeden echten Rittersmann aus dem 13. Jahrhundert nachgerade vor Neid erblassen ließe.

Der Grund dieses gemütlichen Beisammenseins ist mindestens ebenso edel und den Göttern wohlgefälli, wie die Anwesenden selbst (auch wenn mancher, der sich nicht von solch hohem Stande zählen darf, dies doch etwas anders sehen mag…): es droht ein auf keinem Wege zu vermeidender Krieg mit dem bis dato ach so treuen und hilfsbereiten Nachbarn, mit dessen Hilfe man vor kurzem noch gemeinsam einen dritten Nachbarn in offener Feldschlacht und mit großzügig entlohnter Hilfe einiger dunkelelfischer Assassinen niederrang, um das arme unterdrückte Volk aus den Klauen eines Tyrannen zu befreien, auf das es nunmehr die doppelte Steuerlast trage, wenn auch auf gerecht zwei Lehnsherren verteilt.

Undank ist der Welt Lohn und man hat ja alle anderen Mittel der höfischen Politik –Erpressung, Drohung, Attentate und gefälschte Urkunden- schon zu Rate gezogen wie auch einem ausgiebigen Praxistest unterzogen, doch Ach, oh Weh – die andere Seite wollte es partout nicht einsehen, im Unrecht zu sein.

Also sitzt man sich hier nun im warmen, behaglichen Raume, das pralle Hinterteil wund, und harrt der Worte des designierten Obersten Heerführers, des glorreichen Generals, welcher die Ehre haben soll, das Blut der Gegner wie auch der eigenen Kämpen fleißig auf dem Feld der Ehre zu vergießen. Doch leider muß man darauf noch etwas warten, denn dieser nestelt gerade mit Tabaksbeutel, Papier und spitzer Zunge, um dann endlich die Ansprache mit der krummen, aber ambientetauglichen Fluppe im Mundwinkel zu beginnen, auch wenn ihn kaum jemand in der Runde verstehen kann, da er die Lippen nicht weit genug auseinander bekommt, weil der Glimmstengel sonst unweigerlich den Gesetzen der Schwerkraft folgen würde …

Oder man denke an den Newbie, den Ersttags-LARPer, der aus Versehen einem mächtigen Erzmagier gegenübersteht und nun verzweifelt in den mangelhaften Regelkenntnissen, die sich in seinen Gehirnwindungen vergraben haben, danach sucht, ob er jetzt etwa damit rechnen muß, den bereits angedeuteten Feuerball wirklich in Live-Action zu sehen und spüren zu bekommen; dank Phantasie schon das Bild der ausgespuckten Kippe, die sich ihm raketengleich nähert, dabei einen kometenhaften Funkenflug hinter sich herziehen …

In dieser Hinsicht unterscheiden sich tolerante LARPer kaum von ebenso toleranten Mittelalter-Leuten, vielleicht mal abgesehen vom Pompf bzw. Schaukampfschwert, wenn es darum geht, auf soziale Weise miteinander zu interagieren und dem anderen die eigene Position in dieser Streitfrage deutlich klar zu machen.

’türlich macht sich ein hübsches Pfeifchen –auch wenn es nicht die überteuerte HdR-Replica ist- recht gut im Mund von Gelehrten und Hochadel, aber auch von Bauern, Waldläufern oder Zwergen und auch das Zelebrieren des Selbst-Drehens ist eine Kunst, die mancher wahrlich effektvoll vorzuführen vermag. Ebenso sicher weiß wohl jeder Raucher, daß man die Pappschachtel mit diesen neuerdings netten Aufdrucken –mein Favorit ist im Titel ja angegeben; es fehlt eigentlich nur noch das entsprechend präparierte Brandeisen für Neugeborene: “Leben ist tödlich!“- auch recht schmuck und praktikabel in einem Lederbeutelchen unterbringen kann oder daß die Zigarettenpapierchen so einfach zu handhaben sind, daß man damit problemlos den Filter (das braune Ding am Ende, welches man tunlichst nicht mitrauchen sollte) tarnen kann …

Warum sich also aufregen, wenn der Wächter in tiefster Nacht das plastikblaue Einwegfeuerzeug zückt und so freundlicherweise den NSC den Weg zum Lager weist? Warum über einen diplomatischen Abgesandten in der improvisierten Thronhalle lachen, der, während er das gerade auswendig Gelernte hastig und stammelnd herunterrattert, sich zur Beruhigung der Nerven schnell noch ein Kippchen gönnt – unter den wachsamen Augen des Königs …

Sind die bösen Raucher etwa die schlimmeren Unholde? Unfähig, ihrem selbstauferlegten Hobby nachzugehen, ohne sich aus den Klauen ihrer Sucht zu winden? Vielleicht sollte man ja in Zukunft die Cons aufteilen – in „Raucher-„ und „Nichtraucher-Cons“, idealerweise noch Unterkategorien einführen, etwa: „Gelegenheitsraucher“, „Einstiegsraucher“, „Abgewöhnraucher“ und „Exraucher“ …

Zumindest auf einem Con mit „Profirauchern“ könnte man viel Geld für eine Nebelmaschine sparen, was natürlich anderen Dingen zugute käme, etwa dem Essen oder der Ausrüstung der NSC. Oder auch in einer Ermäßigung des Conpreises, da ja teures Leihequipment wegfällt …

Selbstverständlich müßten die potentiellen Teilnehmer im Vorfeld ihre Tauglichkeit unter Beweis stellen; ein Gelegenheitsraucher sollte nach drei Con-Tagen immer noch zwei von drei Zigaretten ungeraucht besitzen, ein Profiraucher ist verpflichtet, wenigstens eine halbe Stange pro Tag zu inhalieren. Natürlich nicht zu vergessen, der LARP-Raucher-Grund-Test: anzünden des Rauchkrautes im Papiermantel mittels Feuerstein, Stahl und Zunder! In unter 30 Sekunden, versteht sich, denn die anstürmenden Ork-NSC-Horden können ja nicht ewig warten, bis die SC-Barbaren-Raucher endlich soweit sind … Völlig klar, daß oben erwähnte Einwegkunstoffeuerzeuge nichts auf einem LARP verloren haben, das wäre ja so, als würde man hinnehmen, daß ein wackerer Streiter mit dem LARP-Pompf fuchtelt, anstatt diesen wie ein ordentliches Schwert zu führen, nicht?

Deshalb: trennt endgültig Raucher von Nichtrauchern! Danach dann: Männlein von Weiblein! Elfen von Zwergen und als krönenden Abschluß schließlich SC von NSC. Womit dann eigentlich alle Probleme beseitigt sein müßten, abgesehen von der SL – aber das ist ein anderes Thema …

Gehabt euch Wohl,

Einhard


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