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LarpWiki: Religionen/Die heilige Clara/Heiligengeschichten zur Heiligen Clara

Heiligengeschichten zur Heiligen Clara

Die nachfolgenden Geschichten betonen jeweils bestimmte Aspekte der Heiligen Clara. Dabei wird sie von ihren Anhängern für so vieles verehrt, dass sie als Universalheilige gelten kann.

Es ist ausdrücklich erwünscht, weitere Geschichten zu ergänzen, soweit diese als "claritisch" gelten können, also irgendwie zum Pilgerlager und zur Heiligen Clara passend sind.

Zur vorliegenden Geschichtensammlung haben viele Pilgerlagerspieler beigetragen, deren Namen nicht immer ausdrücklich bekannt und deshalb hier vielleicht nicht genannt ist. Sollte also eine deiner Geschichten hier auftauchen, ohne dass du sie selbst hier eingestellt habt, ergänz bitte deinen Namen bei den Autoren am Ende der Seite. Falls du gegen eine Verwendung bist, gib bitte Bescheid, z.B. auf der Diskussionsseite.

Grundlagen für alle Pilger

Grundlegende Geschichten und Überlieferungen zur Heiligen Clara sind auf der Homepage des Pilgerlagers hinterlegt und sollten dort eingesehen werden: Pilgerlager - Theologisch-geschichtlicher Exkurs

Ehre der Heiligen - Sie gibt uns Kraft!

Heilig ist sie. Wunder wirkt sie. Ihre Pilger schützt sie. Durch Clara erreicht auch die einfachsten Menschen die göttliche Gnade. Sie ist unsere Brücke zu höherer Gerechtigkeit. Sie ist die gnädige Maid, die die Rufe der Bittsteller vor den Toren der göttlichen Burg hört und das Flehen in ihrem Herzen bewegt vor den himmlischen Hofstaat bringt.

Wer sich unter die Verehrer Santa Claras stellt, dem ist Hilfe gewiss. Wer sich an die Reliquien Santa Claras wendet, dem ist Heil gewiss. Wer den Segen Santa Claras an solch heiligen Ort empfängt, dem ist Schutz mehr als gewiss.

In dieser Gewissheit führen wir nun Verehrung, Reliquien und Segen zusammen, denn es sind schwere Zeiten für friedliebende Pilger. Damit die friedliebenden nicht wehrlos sind und auch im Kampf stets gewiss sind zu wessen Ehren und nach wessen Vorbild sie ach so schwere Taten vollbringen.

Der Heilige Kelch

Es geschah, dass über das Land eine große Dürre kam von 333 Tagen. Die Äcker wurden trocken und rissig, die Bäche versanken in staubigem Boden und sogar die Brunnen versiegten. Die Menschen litten großen Hunger und noch größeren Durst, und so begab es sich, dass die junge Maid Clara, gepeinigt von der Qual, die all diese Menschen litten, zur Kirche trat und um den Messwein bat, damit die Leute trinken konnten. Doch der heilige Messwein wurde ihr verwehrt, denn es gab nur noch einen einzigen, hölzernen Kelch voll.

Clara jedoch gab nicht auf, und so verweilte sie den ganzen Tag und die ganze Nacht vor dem Tor der Kirche, versunken in fromme Gebete. Als es langsam zum nächsten Tag dämmerte und die Maid zum Frühgebet anhob, da nahm sie einen Schimmer an der Westseite der kleinen Dorfkirche wahr und folgte ihm. Das Leuchten führte sie zu einem kleinen Fenster in einer Hütte neben der Kirche, und dort sah sie einen gülden schimmernden Kelch. Und in dem Kelch leuchtete silbrig klar feines Wasser, das schönste, das Clara jemals gesehen hatte, und so nahm sie den Kelch und trug ihn unter Lobpreisungen ins Dorf.

Sie war kaum aus dem Schatten getreten, da hörte sie eine alte Frau wimmern und flehen. Ihr Mann, der krank und schwach war, lag mit rissigen Lippen und trockener Haut zu ihren Füßen und sie schluchzte, denn sie wusste, er würde vor Durst sterben.

Die Maid lief mit dem Kelch zu ihnen und setzte den kühlen Rand des Kelches an die Lippen des Alten und ließ ihn trinken.

Als er den Kelch geleert hatte erhob sie sich, froh und gerührt, dass sie das Leben dieses Mannes bewahrt hatte, auch wenn es vielleicht nicht lange so bleiben würde.

Sie erhob den Kelch zur Sonne, um zu danken und als sie ihn wieder senkte, ward er durch wundersame Weise erneut gefüllt. Voller Glück reichte sie den Kelch an das alte Weib, damit auch sie ihren Durst stillen konnte.

Und es geschah erneut das Wunder, dass sich der Kelch wieder füllte, und die junge Maid stimmte einen Lobgesang an und die alten Eheleute stimmten frohlockend ein. Sie zogen durch das Dorf, und ein jeder konnte an dem Kelch seinen Durst stillen, ob Mann ob Weib, ob alt ob jung, ob krank oder gesund.

Als alle getrunken hatten, zog Clara weiter in das nächste Dorf und ließ einen jeden so viel trinken, wie er konnte. Sie zog singend und betend von Ort zu Ort, bis im ganzen Land niemand mehr Durst litt.

Dann kehrte sie zurück in ihr Dorf, ging zur Kirche, trat vor zum Priester und brachte ihm den Kelch, den sie unrechtlich genommen hatte, unter reuigen Tränen.

Sie bat um Buße und der Priester, gerührt von ihrer Demut und berauscht von dem Wunder, dass die junge Kelchträgerin so selbstlos vollbracht hatte, fragte sie, wann sie von dem Wasser getrunken habe. Sie antwortete ihm, dass sie jeden Tropfen verschenkt habe und nicht einmal den Kelch an die eigenen Lippen gehoben hatte.

So sprach der Priester zu ihr, dass ihre Buße darin bestünde, selbst zu trinken.

Clara tat wie ihr geheißen und trank aus dem güldenen Becher, der sich immer wieder füllte, bis ihr Durst gestillt war. Sie gab ihn zurück an den Priester und der Glanz verlosch, der Kelch ward wieder aus Holz, und das Wasser wurde wieder zu dem Messwein. Der Priester stellte ihn zurück auf den Altar, wo er zuvor gestanden hatte.

Er hob das am Boden kniende Mädchen auf und hieß sie, die Dorfbevölkerung zur Messe zu rufen, und frohen Schrittes trat sie hinaus, doch sie kam nicht weit, denn vor der Kirche hatten sich Gesandte aus dem ganzen Land versammelt, die der Maid ihren Dank aussprechen wollten.

Clara jedoch sprach zu jedem: "Danket nicht mir, richtet euren Blick gen Himmel und ein jeder bete und danke auf seine Weise jenen, die das Wunder durch mich gewirkt haben."

So wandte sich die junge Maid zielstrebig um und ging von dannen, denn sie wusste, dass es noch mehr gab, was sie in der Welt Gutes tun konnte, noch mehr Menschen, die ihrer Hilfe bedürftig waren, und noch mehr Fremde, die sie in Einigkeit zusammenführen wollte. Rein war ihr Herz, federnd ihr Schritt, klar ihr Gesang und so hörte man noch vieles über die Mildtaten der heiligen Clara.

Hoffnung

Zu rezitieren oder zur Inspiration einer Predigt am blauen Pilgerschrein (Aspekte: Himmel, Hoffnung).

Zu Lebzeiten der Heiligen gab es da einen Mann, der da alles verloren hatte was ihm lieb und teuer war. Seine Söhne starben in einem Krieg fern der Heimat. Seine Tochter nahm die Schwindsucht und seine Frau starb in Gram und Hunger. Der Glaube dieses Mannes schien auf ewig verloren. Er fristete sein Dasein in stiller Wanderschaft und lebte von dem was er erbetteln konnte. Seine Welt war dunkel geworden und alles was er sah, waren Schatten und Zwietracht.

Doch so kam es eines Tages, dass die heilige Clara auf ihrer Wanderschaft diesen Mann still und voller Trauer im Schatten sitzen sah. Sie ging zu ihm und half ihm auf und sprach. "Ich sehe, dass sein Herz voll von Gram, doch ist dein Leben nicht zu Ende und bleibt ein göttliches Geschenk. Sieh hin. Die Menschen werden dich brauchen das zu überwinden, was deren schwerste Prüfung ist."

Und mit einem Mal sah der Mann zum blauen Himmel über ihm. Und er erblickte die Hoffnung hinter all den Wolken der Trauer. Denn ein Leben erfüllt immer einen Zweck. So kam es, dass er fortan festen Schrittes, aufrecht seiner Wege ging und den Menschen das Wort der Hoffnung brachte. Das Leben zu schätzen und nicht auf zu geben, selbst in dunkelster Zeit, ist die Bestimmung, die uns allen gegeben ist.

Die aufgehende Sonne

Zu rezitieren oder zur Inspiration einer Predigt am gelben Pilgerschrein (Aspekte: Sonne, Gnade).

Eines Tages, als die heilige Clara bei einem Hospital einkehrte um dort ihre Dienste anzubieten, sah sie dort eine junge Frau in schrecklicher Pein auf dem Krankenbette. So sehr die Feldscher und Heilkundigen versuchten, der Frau zu helfen, so waren sie doch alle der Meinung, dass die junge Frau die Nacht nicht überstehen würde. Die Heilige aber, setzte sich zur Seite der gepeinigten Frau und sprach mit ihr. Sie hielt ihre Hand und wusch ihre Wunden aufs Neue. Stunde über Stunde sprach sie zur jungen Frau und sie beteten gemeinsam um einen neuen Tag.

Die Kraft der jungen Frau, schien weiter und weiter zu schwinden, doch die Heilige blieb an ihrer Seite und gab ihr Trost in dieser dunklen Stunde. Zeit um Zeit verging und schließlich brach der Tag an, und die heilige ließ, die junge Frau nach draußen tragen, damit sie die Sonne noch einmal mehr sehen konnte. Im Licht der aufgehenden Sonne erstarkte die junge Frau aufs Neue. Voller Dankbarkeit trat sie vor die heilige und warf sich vor ihr nieder. Doch die heilige sprach. "Dein starker Wille war es, der dein Siechtum bezwang. Ich gab dir nur Trost und Zeit. Mehr brauchtest du nicht."

Selbst wenn wir alles Dunkel der Welt vor uns sehen und glauben, dass da kein Ausweg mehr ist, so wird doch irgendwann ein neuer Tag kommen. Ein Tag an dem die Sonne umso heller scheinen wird im Lichte des Glaubens und der Wahrheit die ihm inne wohnt.

Im Schoß der Erde

Zu rezitieren oder zur Inspiration einer Predigt am braunen Pilgerschrein (Aspekte: Erde, Bodenständigkeit).

Als die Heilige Clara im Land der Freifrau von Schönau wanderte und den Bedürftigen half, berichteten ihr die Menschen von der schönen Erscheinung ihrer Herrin. Die Edeldame schien ein erhabener Glanz zu umgeben, überhaupt liebe sie die Schönheit und die schönen Dinge. Doch die schöne Herrin hatte sich schon lange in ihr kleines Schloss zurückgezogen und zeigte sich den einfachen Menschen nicht. Viele fürchteten, ihre Herrin wolle sie vergessen und trauerten.

Die Heilige Clara machte sich auf, der Freifrau von der Trauer der Menschen zu berichten. Doch auf offenem Land überraschte sie ein böses Unwetter. Während sie gebeugt gegen den Wind ankämpfte, wurde es finster wie die Nacht, und Sturm und Regen peitschten auf das Land.

Da drang über das Tosen Pferdewiehern und der Hilferuf einer Frau an ihre Ohren. Ohne die Gefahr zu achten, mühte sich die tapfere Maid in die Richtung. In der aufgeweichten Erde neben dem Weg fand sie ohmächtig eine Frau. Betend warf sich Clara über die Unbekannte, um sie mit ihrem Körper gegen den Sturm zu schützen. Und während sie betete, riss neben ihr die Erde auf und der Eingang einer Höhle wurde sichtbar. Dort hinein zog Clara die Hilflose.

Im sanften Licht ihrer Kerze wusch sie die Fremde und versorgte die nur oberflächlichen Wunden. An den edlen Gewändern und ihrer Schönheit erkannte sie, dass es die Freifrau von Schönau sein musste. Schließlich erwachte die Edeldame. "Wo bin ich" fragte sie mit leiser Stimme. "Und wer bist du, mein Kind?" "Ich bin Clara, eine Reisende in Eurem Land, edle Dame", antwortete die Heilige Clara, "Ihr seid in Sicherheit im Schoß der Erde. Betet und dankt mit mir. Denn euer Land selbst hat uns in höchster Not einen sicheren Ort zum Schutz vor diesem Sturm geöffnet."

Große Ehrfurcht ergriff die Edeldame. Sie fiel auf die Knie und legte ihre Hände auf die Erde, die zu ihrem Beschützer geworden war. Aus tiefster Seele kam ihr Dankgebet, und ihr Herz öffnete sich.

"Zu lange habe ich mich vor meinem Land und den Menschen verborgen", bekannte sie der Heiligen Clara, "Aber nun hast du mir gezeigt, wohin ich gehöre."

"Den wahren Weg", gab die Heilige zurück, "hat Euch Euer Herz gezeigt. Folgt ihm, ehret Eure Wurzeln, und Euer Herz wird fröhlich sein. Und ihr werdet den Menschen, die Euch ehren, diese Freude tausendfach schenken."

Rein wie ein Licht in der Nacht

Zu rezitieren oder zur Inspiration einer Predigt am weißen Pilgerschrein (Aspekte: Reinheit, Keuschheit).

Auf ihrer Wanderschaft stieß die Heilige Clara zu einer Gruppe Frauen, die im Tross eines Heeres reisten und sich den Männern gegen Geld hingaben. Viele waren geschwächt von Hunger und Krankheit, denn lange schon befanden sie sich auf dem Kriegszug, und sie hatten allen Mut verloren.

"Dieser Feldzug geht zu Ende", sagte die Wortführerin zur Heiligen Clara, "Fast alle Männer sind erschlagen oder verwundet. Im Morgengrauen wird uns das feindliche Heer angreifen und wir werden alle sterben oder schlimmer. Wenn du klug bist, geh weg. Sonst wirst du wie eine von uns."

"Ich bin eine von euch", erwiderte die Heilige Clara, "Denn nichts macht mich größer oder besser als euch."

Doch die anderen Frauen schüttelten die Köpfe und wollten sich abwenden.

"Was ihr gestern wart", sprach die Heilige Clara weiter, "Das ist nicht wichtig. Entscheidet euch heute, das Licht im Dunkel zu sein, und ihr werdet mit der Reinheit eures Willens die Nacht vertreiben, die euch und alle verschlingen will."

Und sie nahm ein kleines Licht, entzündete damit ein anderes und gab es der Frau, die neben ihr stand. Dann entzündete sie ein weiteres Licht, und gab es einer anderen Frau. Und da jede Frau ihr Licht wieder an eine andere weitergab, war der vormals düstere Platz bald hell erleuchtet.

Da spürten die Frauen den reinen Funken in ihren Herzen. Sie zogen durch das Heerlager, versorgten die Verwundeten, trösteten die Hoffnungslosen und schlossen den Verstorbenen die Augen. Heller und strahlender wurde der Schein, den sie verbreiteten. Als der Morgen nahte, zog die Heilige Clara mit ihnen in Richtung des feindlichen Heeres. Ihr Vertrauen nährte die Lichter, die sie trugen, und ließ sie gleißend hell erscheinen, als graute bereits der Morgen. Die Kriegsknechte ihres Heeres, obwohl schwach und verwundet, schöpften Mut und folgten ihnen.

Als die feindlichen Soldaten dies sahen, wurden ihre Herzen schwach. Sie sahen, dass ein großer Segen auf dem Heer ruhen musste, das ihnen entgegen zog. Da reckten die Heilige Clara und die Frauen um sie ihre Lichter zum Himmel empor. Grell fiel der Schein in die Augen der Feinde und trieb sie davon. Die Kriegsknechte hinter den Frauen brachen in jubelndes Kampfgeschrei aus und stürzten auf die feindliche Armee los. Niemand wollte ihnen standhalten, und so errangen sie den Sieg.

Ein reines Herz hat die Kraft, auch in tiefer Dunkelheit Hoffnung zu spenden. Reinheit und Keuschheit der Heiligen sind uns Ansporn, ihr auf dem rechten Weg zu folgen.

Triumph der Unschuld

Zu rezitieren oder zur Inspiration einer Predigt am roten Pilgerschrein (Aspekte: Rechtschaffenheit, Richterschluss).

Auf ihren Wegen traf die Heilige Clara auf einen Mann, der von großer Trauer übermannt dunklen Gedanken nachhing. Es war ein Ratsherr der nahe liegenden Stadt. Traurig bekannte er der Heiligen, dass er am morgigen Tag als Richter einen seiner besten Freunde zum Tode würde verurteilen müssen. Er glaube an dessen Unschuld, doch gäbe es Beweise, dass sein Freund einen reichen Kaufmann erstochen und beraubt haben solle.

"Glaubst du fest, dass dein Freund unschuldig ist", sagte die Heilige Clara, "so bete mit mir und vertraue, und seine Unschuld wird sich zeigen." Da kniete der Ratsherr mit ihr nieder und sie beteten. Ruhe überkam ihn und eine große Klarheit zog in seine Gedanken ein.

"Es gibt einen Menschen", begann er, "der wahren Grund zu dieser Bluttat hatte. Doch kein Beweis ward gegen ihn gefunden. Ich will ihn sprechen, und gestehen soll er sein Verbrechen."

Mit der Heiligen Clara ging er in die Stadt, geradewegs zum prachtvollen Haus eines Patriziers, und verlangte den Sohn des Hausherrn zu sprechen. "Dem Spiel und dem Trunk verfallen ist der junge Tunichtgut", raunte er der Heiligen zu, während sie in einem wohnlichen Gemach warteten. "Vielen Leuten und auch dem Ermordeten schuldete er Geld."

Doch kein Wort der Bestätigung konnte der Ratsherr dem jungen Mann entlocken, als dieser kam. Spöttisch wich jener allen Fragen aus. Immer ärgerlicher drang der Ratsherr auf ihn ein, doch immer kühler stritt der Jüngling alles ab.

Die Heilige Clara spürte, wie gerechte Empörung in ihr aufwallte. Etwas abseits beim Kamin kniete sie nieder, um betend Kraft und Ruhe zu finden. Doch als sie sich wieder erhob, strauchelte sie und stieß dabei einen Stapel Brennholz neben dem Kamin um.

In diesem Augenblick ward der Jüngling schreckensbleich und begann zu zittern. Und wirklich fand der Ratsherr unter dem Holzlager ein Versteck im Boden, und darin die prall gefüllte Geldkatze des Ermordeten und ein Messer, an dem noch das Blut klebte.

Da gestand der Jüngling die Bluttat. Der Ratsherr befreite sofort seinen Freund aus den Kerkermauern. Die ganze Stadt lobte und pries die Heilige Clara. Keine böse Tat kann vor ihr bestehen, Unschuldige schützt sie, und den Rechtschaffenen verhilft sie zu ihrem Recht.

Der verschollene Jäger

Zu rezitieren oder zur Inspiration einer Predigt am schwarzen Pilgerschrein (Aspekte: das Unbekannte, die Trauer).

In einem finsteren Waldstück traf die Heilige Clara auf eine Frau, die laut klagend am Wegrand saß. Die Heilige nahm die Unbekannte in die Arme, sprach beruhigend zu ihr, bis sie sich beruhigen und sprechen konnte.

Ihr Mann sei mit Nachbarn zu einer Jagd auf ein gefährliches Untier aufgebrochen. Sie hätten es wohl aufgespürt und bis in seine Höhle gejagt. Ihr Mann wollte in die Höhle vordringen und das verwundete Tier erlegen, doch niemand habe ihn begleiten wollen. So ging er allein, und kam nicht wieder. Man habe ihr dies erzählt, doch keiner der anderen wollte mit ihr zurück zur Höhle, um ihren Mann zu bergen. Denn sicher sei er doch tot.

Alleine sei sie da gegangen, doch vor dem finsteren Höhleneingang hätten Angst und Trauer um ihren Mann sie übermannt und sie sei geflohen, bis sie nicht mehr konnte. Die Heilige Clara sprach: "Es war nicht recht, dass die Gefährten deines Mannes ihn und dich allein ließen. Möge sein und dein Mut ihnen in Zukunft ein Vorbild sein. Wir beide aber wollen nun gemeinsam deinen Mann retten."

Zweifelnd führte die Frau die Heilige Clara zu der Höhle. Pechschwarze Dunkelheit war dort drinnen, ein fauler Geruch schlug heraus und hohle Geräusche waren in der Finsternis zu hören. "Oh weh, mein Armer Mann", klagte die Frau aufs Neue, "Ich kann dort nicht hinein. Dort herrschen Furcht und Grauen."

Da fasste die Heilige Clara die Hände der Frau, kniete mit ihr nieder und betete mit ihr. Und in der warmen Berührung der Heiligen fand die Frau Ruhe, und die Angst verließ sie. Tapfer ging sie voran in die unbekannte Schwärze. Nur der blasse Schein einer kleinen Kerze leuchtete den Frauen den Weg. Schließlich fanden sie den Mann der Frau, und dicht bei ihm den toten Leib eines alten Bären, dem ein Speer im Herzen steckte. Der Mann aber atmete noch schwach. Die beiden Frauen verbanden seine Wunden, pflegten ihn und brachten ihn glücklich ins Leben zurück.

Oft schickt uns das Leben in unbekannte Gefahren, oder will unseren Mut mit Trauer lähmen. Doch die Heilige Clara steht uns bei. Sie gibt uns die Kraft, die Angst vor dem Unbekannten zu besiegen, Gefahren zu trotzen, und die Trauer zu überwinden.

Der wundersam bereitete Acker

Zu rezitieren oder zur Inspiration einer Predigt am grünen Pilgerschrein (Aspekte: Aufblühende Pflanzen, Leben).

Die Heilige Clara kam in ein Dorf, in dem viele Menschen Hunger litten. Kaum Vorrat war in den Kornspeichern, und die bestellten Felder trugen wenig Frucht. Der Heiligen Clara griff das Elend der Menschen nach dem Herzen, besonders das der Kinder. Sie wies auf ein großes, trockenes Stück Brachland vor dem Dorf, auf dem nur karge Disteln und anderes Unkraut wuchsen.

"Wenn ihr dieses Land dort bestellt, könnt ihr mehr ernten und eure Speicher wären besser gefüllt." "Dieses Land taugt nichts", gab der Dorfschulze zurück, "Wenn es regnet, wächst dort nur Unkraut. Jetzt ist es trocken und alles verdorrt."

Doch die Heilige Clara begab sich auf das Stück Land und kniete nieder zum Gebet. Dann begann sie, das Unkraut auszureißen und Steine aufzulesen. Die Leute schauten mitleidig. Sie erkannten den guten Willen der Heiligen, konnten jedoch nicht glauben, dass das Land Früchte tragen sollte.

Die Heilige Clara aber arbeitete unermüdlich weiter, ihre Arbeit nur für ihre Gebete unterbrechend. Am folgenden Tag boten ihr zwei der Dorfbewohner Hilfe an. Nach dem gemeinsamen Gebet machten sich an die Arbeit. Am nächsten Tag kamen mehr Helfer, und am folgenden Tag noch mehr, bis das ganze Dorf mit half. Sie reinigten das Brachland von Unkraut und Steinen und gruben es um. An dem Ort aber, an dem die Heilige Clara stets zum Gebet niederkniete, entdeckten sie eine kleine Quelle. Mit ihr bewässerten sie die ausgedörrte Erde.

Ein fruchtbarer Acker war bereitet. Eilig säten die Bauern Getreide und pflanzten, was sie konnten. Die Saat ging rasch auf, alles reifte und versprach reiche Ernte.

"Seht", sagte die Heilige Clara, als sie sich von den Menschen verabschiedete, "Das habt ihr mit eurer Kraft und eurem Vertrauen vollbracht. So wie eure Samen auf diesem neuen Acker aufgegangen sind und Frucht tragen, so ist auch der Glaube in euch aufgegangen und trägt Frucht." Da lobten und priesen die Menschen die Heilige Clara.

Jeder von uns trägt in sich einen Keim und zugleich auch die Kraft, diesen Keim bei anderen zum Wachsen und Blühen zu bringen. Die Heilige Clara ermutigt uns, auf diese Kräfte zu vertrauen und sie zum Wohl anderer zu nutzen.

Das Wunder der siechen Bettelpilger

Zu rezitieren oder als Inspiration für eine Predigt am goldenen Pilgerschrein am Hospital.

Es begab sich, dass drei sieche Männer in der abgerissenen Kleidung niederster Bettler in die Streitlande pilgerten. Jeder der drei war böse gezeichnet von einem Ausschlag, den kein Arzt zu heilen vermochte. Eitrige Beulen wuchsen auf ihrer Haut und platzten auf, eine widerliche Flüssigkeit und fauligen Gestank verbreitend. Selbst ihre Gesichter waren solcherart verunstaltet. Verbände und Binden konnten die eiternden, wunden Stellen nur notdürftig schützen. Wer sie sah, musste sich mit Schaudern abwenden.

Allein der feste Glaube an die Barmherzigkeit der Heiligen Clara hielt die drei aufrecht. So kamen sie an die geheiligte Kapelle bei Neu-Ostringen, um die Gnade und Hilfe der Heiligen zu erflehen. Keinen Gottesdienst versäumten sie, kein Gebet ließen sie ungesprochen.

Großes Mitgefühl erregten die drei und ihre schreckliche Krankheit. Die Heilkundigen des Hospitals boten auf, was sie konnten, um zu helfen. Tag für Tag säuberten sie die geschundenen Körper, legten heilende Kräuter und neue Verbände auf, und zahllose Gebete wurden in diesen Tagen an die Heilige gerichtet.

Am dritten Morgen fand die Dämmerung die drei siechen Bettelpilger vor der Kapelle der Heiligen. Die ganze Nacht hatten sie betend im Staub gelegen. Als die Priester die Kapelle öffneten, da brach der erste Strahl der Morgensonne über die Hügel und hüllte das Heiligtum und die drei Bettler ein. Geblendet schlossen alle die Augen. Und als sie sie wieder öffneten, da standen dort drei stolze Ritter in prächtigen Gewändern und glänzenden Rüstungen. Reste der Verbände hingen noch an ihren Körpern, doch keine Spur von Ausschlag war mehr zu sehen.

Gleich darauf strömte das Pilgervolk herbei, um das Wunder der Heilung zu sehen, und alle lobten und priesen die Heilige Clara und ihre Macht. Die drei Ritter jedoch dienten von nun an der Heiligen, schützten ihre Pilger und ehrten ihren Namen mit vielen tapferen Taten.

Wer in tiefem Glauben zur Heiligen Clara kommt und ihrer Hilfe bedarf, dem wird sie ihre helfende Hand reichen. Wer jedoch die Hilfe der Heiligen erlangt hat, der mag ihr sein Leben widmen und treu ihr dienen.

Die Bekehrung des lüsternen Junkers

Zu rezitieren oder zur Inspiration einer Predigt am violetten Pilgerschrein (Aspekte: Schönheit).

So kam die Heilige Clara auf ihrer Wanderung in das Land des lüsternen Junkers Kunze. Tugendhaftigkeit galt diesem nichts, und keinen Respekt kannte er vor dem weiblichen Geschlecht. Mit süßen Versprechungen verlockte er die Frauen, oder raubte sie gewaltsam. Nichts berührte sein Herz, und nichts als Spott hatte er für die Tränen jener, die Opfer seiner Lüsternheit geworden waren.

Viele jener armen Frauen wurden von der Heiligen Clara gepflegt und überwanden ihre Seelenpein dank der Warmherzigkeit der Heiligen. Eines Tages jedoch stand Junker Kunze selbst vor der Heiligen und wollte sie besitzen, wie er jede junge Frau in seinem Land besitzen wollte.

"Lasst mich ein Gebet sprechen", sagte die schöne Maid, "Dann will ich mich euch zeigen, wie ich bin." Gierig erklärte sich der Junker einverstanden. Die Heilige Clara kniete nieder und betete. Als sie sich wieder erhob, öffnete sie ihr schimmerndes Haar, löste die Schnürung ihres Kleides, und stand alsbald entblößt vor dem lüsternen Junker. Doch wie ein heller Glanz umgab es sie. Geblendet stand der Junker vor ihr, ohne ihre weiblichen Reize wahrzunehmen, und sein Körper versagte ihm den Dienst.

Da fiel er auf die Knie und in den Staub zu ihren Füßen, beklagte laut seine Fehler, weinte und war durch nichts zu beruhigen, denn wie einen finsteren Schatten sah er sein frevelhaftes Leben im Glanz der Heiligen.

"Steht auf, Junker", sprach die Heilige Clara zu ihm, "Helft den Menschen, die bisher unter euch leiden mussten, und eure Seele wird gereinigt sein."

Da widmete sich der Junker von Stund an ganz dem Dienst an den Armen, Kranken und Schwachen. Die Menschen jedoch lobten und priesen die Heilige, deren Schönheit und Reinheit eine schlimme Geißel von ihnen genommen hatte.


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Autoren: -- DutchVanLeuwen 2014-08-02 16:09:59