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LarpWiki: RickS./Bastelanleitungen/DreibeinAusHolz

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Dreibein aus Holz

Vorwort

"Was essen wir eigentlich auf Con?"
Diese oder eine ähnliche Frage dürften sich die meisten Spieler schon einmal gestellt haben.
Es gibt enorm viel, was man auch mit einfachen Mitteln bzw. über dem Feuer kochen kann.
In der Kochecke und der RezepteSammlung wurde dazu schon vieles zusammengetragen.

Nun haben Töpfe, Pfannen und Grillroste leider das Problem, dass sie direkt auf den Holzscheiten nicht funktionieren.
Die wohl einfachste (und gleichzeitig eine sehr ambientige) Lösung hierfür ist ein Dreibein, an dem Töpfe und Grillrost über dem Feuer aufgehangen werden können.

Was brauche ich eigentlich?

Dreibeine gibt es aus Metall inzwischen recht günstig zu kaufen, und sogar schmiedeeiserne Varianten sind verfügbar und das Material für eine hölzerne Variante gibt es relativ günstig im Baumarkt zu kaufen.
Was also wählen?

  • Schwenkgrill
    • Diese Grillvariante kommt idR. in Form eines verzinkten Dreibeins aus Stahlrohren daher.

    • Das üblicherweise moderne Design ist meist wenig ambientig und sollte entsprechend modifiziert werden.

  • Schmiedeeisernes Dreibein (z.B vom Mittelaltermarkt)
    • diese Dreibeine sehen üblicherweise schon sehr ambientig aus,

    • ist meist recht klein dimensioniert und kann daher nur mit kleinen Töpfen und Feuerschalen kombiniert werden

    • durch die kleine Größe und taugen die meisten Varianten nur zur Verpflegung bis ca. 4 Personen (je nach Modell)

    • meist vergleichsweise teuer

  • hölzernes Dreibein
    • sieht sehr ambientig aus.

    • ist vergleichsweise güstig zu realisieren

    • sperriger, als kleine Metallvarianten

    • kann nahezu beliebig erweitert werden. (Modulbauweise zur Anpassung an unterschiedliche Bedürfnisse möglich)

Aufgrund der Vielseitigkeit beschreibe ich hier den Bau eines hölzernen Dreibeins.

Achtung

"Da binde ich einfach drei Äste zusammen. Was ist daran so kompliziert?"
Das stimmt natürlich im Grundsatz, aber was soll unser Dreibein später eigentlich können?

  • Stabilität

    • unser Dreibein sollte am Ende stabil genug sein, einen schweren Topf zu halten (Töpfe bis 10 Liter, also 12-14kg sind keine Seltenheit) und auch mit kräftigem rühren (nochmal ~5-6kg) kein Problem haben.

  • Standfestigkeit

    • unser Dreibein sollte auch mit einem schwankenden Topf und kräftigen Rührbewegungen fest auf der Erde stehen, ohne um zu kippen

  • Dauerhaftigkeit

    • unser Dreibein sollte Wind und Wetter, harten Con-Einsatz, viele Fahrten in vollgeladenen Autos und natürlich das Lagerfeuer darunter etliche Jahre unbeschadet überstehen - möglichst ohne Reparaturen oder Nachbesserungen

  • Einfachheit

    • raus aus dem Auto, hinstellen, fertig - so sollte das Handling der Kochstelle aussehen. Niemand will erst viel Zeit mit dem Knüpfen von Seilen und/oder Ketten verbringen.

    • Zudem sollte unser Dreibein das Kochen erleichtern - also einfach und ergonomisch in der Anwendung sein.

    • Zusätzlich sollte das Packmaß möglichst klein ausfallen und kein Platz verschwendet werden.

  • Erweiterbarkeit

    • Die Gruppe wird größer, also sollte auch die Kochstelle wachsen können.

    • Für eine Con haben nicht alle Zeit? Man braucht nicht immer ALLES mit zu nehmen.

Das alles zusammen ist mit ein paar zusammengebundenen Ästen nicht zu schaffen. Natürlich kann ein Dreibein (z.B. für Barbarencharaktere) durchaus rustikal aussehen, aber um ein langlebiges und tolles Dreibein zu erhalten müssen auch Äste bearbeitet werden, ehe sie alle obigen Kriterien erfüllen.

Material

Wir werden folgendes verbrauchen:

  • 3 Holzstangen (am besten Kiefer oder Lärche); Durchmesser ca. 30-40mm (ich verwende 35mm Kiefer), 2,0-2,5m lang (ich verwende 2,5m) auch unter dem Begriff "Rundstab" erhältlich)

  • glatte Holzdübel; Durchmesser 8mm; Länge ca. 2-6cm (ich verwende eine 1m-Dübelstange und schneide entsprechend des Bedarfs ab)

  • Kette (am besten Schmiedeeisen) mit großen Kettengliedern (damit die Haken später gut hindurch passen); ca. 2m lang

  • Seil; ca. 2,0-2,5m lang; Durchmesser 5-8mm (ich verwende 6mm (Kunst-)Hanfseil)

  • Leinölfirnis (ca. 200ml) + Pinsel + Lappen

  • (min.)2 Haken (am besten Schmiedeeisen)

  • Leim (ich verwende D3/D4-Leim in einer 100ml-Tube)

  • Schleifpapier; 1 Blatt; P120

  • 3 (bzw. 6) Drahtstifte (Nägel); Länge ca. 30mm; Durchm. ca. 1mm

Wir brauchen folgendes Werkzeug:

  • Akkuschrauber

  • Bohrer (Durchmesser 8mm)

  • Hammer

  • Schleifklotz

Los geht's

Zunächst bohren wir Löcher in die Stangen. Diese sollten vom oberen Ende ca. 25cm entfernt sein. Falls ihr (wie ich auch) eine lange Dübelstange habt, könnt ihr das Loch einfach durch bohren. Andernfalls solltet ihr zunächst ein Loch bohren, das so tief ist, dass euer Dübel noch mindestens 1-1,5cm heraus schaut, wenn ihr ihn später hinein hämmert. (Bei einer Dübellänge von 3,0cm wäre das eine Lochtiefe von 1,5-2,0cm.)
taucht nun die Dübel mit einer Seite ein wenig in den Leim. Dieser verteilt sich durch das Einschlagen selbstständig im Loch. Fixiert den Dübel zusätzlich in Querrichtung mit einem Drahtstift. Schlagt diesen dafür einfach seitlich so in die Stange, dass der Nagel auch den Dübel durchdringt. Damit müsst ihr auch nicht warten, bis der Leim ausgehärtet ist, um weiter zu basteln.
Leim, der aus dem Loch quillt solltet ihr schnell und gründlich abwischen, denn dieser hinterlässt sonst hässliche Flecken auf dem Holz.
So erhalten wir eine Art Knebel an jeder Stange, über die das Seil, das später die drei Stangen verbinden wird nicht rutschen kann. So bleibt das Seil später an seinem Platz und muss nicht jedes mal neu geknüpft werden. Außerdem wird der Stand des Dreibeins dadurch massiv verbessert, da die Verbindung bei allen Stangen höhenmäßig fixiert bleibt. So bleibt das Dreibein auch dann stehen, wenn es mal nicht völlig gleichmäßig aufgestellt wird.

Bevor wir nun die Stangen aneinander knüpfen sollten wir das Holz noch vor Feuchtigkeit und Schädlingen schützen und dafür sorgen, dass sich niemand einen Splitter zieht.
Um schmerzhafte Holzsplitter zu vermeiden, runden wir die Ecken mit dem Schleifpapier ab, dass sich auch die Ecken angenehm greifen lassen.

Wasser kann dazu führen, dass sich das Holz verzieht und auf Lange Sicht sogar zu Pilz- und Fäulnisbefall führen. Auch bietet eine vom Wasser vorgeschädigte Holzoberfläche Schädlingen wie z.B. Holzwürmern ideale Bedingungen.

  • {i} Verwendet bitte niemals ein Dreibein, das von Schädlingen befallen, bzw. "morsch" ist!

    • Das Holz verliert dadurch drastisch an Stabilität und kann zerbrechen, was während des Kochprozesses zu Verbrennungen, Verbrühungen und Gefahr durch herabfallende Teile führen kann.

Um das Holz vor Wasser zu schützen, hat sich ein Mittel bewährt, das schon im Frühmittelalter nachgewiesen wurde, und das es bis heute in nahezu unveränderter Form im Baumarkt zu kaufen gibt: Leinölfirnis.
Dabei handelt es sich im Prinzip um eingekochtes Öl aus Leinsamen.
Dieses ist beim Auftragen flüssig - zieht also gut ins Holz ein - wird später aber innerhalb weniger Stunden an der Luft hart und bleibt so lange im Holz gebunden, hinterlässt keine Fettflecken mehr und kann nicht einfach durch Wasser ausgewaschen werden.
Den Firnis tragen wir mit einem Pinsel reichlich auf. Insbesondere die Schnittkanten (Anfang und Ende der Stangen) saugen meist sehr stark und müssen mehrmals bestrichen werden.
Sind die Stangen dann komplett "eingeschmiert" - weisen also keine trockenen (nicht glänzenden) Stellen mehr auf, lassen wir den Firnis ca. 30min ins Holz einziehen. Dabei ist kein weiteres Nachstreichen mehr erforderlich.
Nach 30min ist die Holzoberfläche mit Firnis gesättigt, und wir können das Überschuss abwischen. Dafür eignen sich sowohl Stofflappen, als auch Küchentücher.

  • /!\ ACHTUNG!

    • Leinölfirnis gibt Flecken, die nicht mehr entfernbar sind auf Teppichen und Textilien! Verwendet also alte Klamotten, die dreckig werden dürfen und arbeitet im Freien.

      Auch können sich Firnislappen selbst entzünden! Das kann vermieden werden, wenn ihr die Lappen gut belüftet und ausgebreitet aufhängt, bis der Firnis komplett durchgehärtet ist (~3-5Tage) oder werft sie in einen Eimer mit Wasser.
      /!\ Werft Firnislappen niemals zusammengeknüllt in die Mülltonne! Dies Kann einen Brand auslösen! /!\


Nach der Behandlung mit Leinölfirnis könnt ihr zwar theoretisch gleich weiterbauen - werdet dabei aber vermutlich schnell fettige Finger bekommen.
Stattdessen hat sich bewährt, die Stangen nach der Behandlung über Nacht liegen zu lassen. So hat der Firnis genug Zeit um aus zu härten, und ihr könnt am nächsten Tag ohne Fettfinger weiter basteln.

Als nächstes wird alles zusammengeknüpft.

  • Foto folgt

Als Anfangsknoten bietet sich der sog. "Mastwurf" an. Dafür werden zwei Schlaufen gegenläufig übereinander gelegt. Schiebt diesen Knoten so über die Stange, dass der zu Beginn eingesetzte Dübel zwischen den beiden Schlaufen liegt. So kann die Stange später nicht mehr aus dem Knoten rutschen.
Dieser erste Knoten sollte ungefähr in der Mitte des Seiles sein und über die mittlere Stange geschoben werden, so dass am Ende auf beiden Seiten ähnlich viel Seil herunter hängt.

Wiederholt das mit allen drei Stangen. Haltet dabei die Abstände zwischen den Stangen möglichst gering - so, dass die Stangen am Ende unmittelbar nebeneinander liegen, ohne Seilschlaufen dazwischen.
vor der letzten Stange fädelt das Seil durch das erste Glied eurer Kette. So ist auch diese schon jetzt gut fixiert.

  • Foto folgt

Legt nun die Stangen so aufeinander:

  • Foto folgt

Jetzt wickelt ihr das Seil handfest (nicht zu locker und nicht zu fest) um die Verbindungsstelle. Führt das Seil bei den ersten beiden Windungen jeweils zwischen jeder Stange einmal durch das erste Kettenglied. So ist die Kette endgültig fixiert und kann später auch schwere Lasten aufnehmen.
Den Rest des Seils wickelt ihr einfach weiter gegenläufig um die Verbindungsstelle, bis ihr am Ende eine Schleife knotet.

  • Foto folgt

Nun wird das Dreibein zum ersten mal aufgestellt.
Achtet dabei darauf, ob sich die Stangen ohne großen Kraftaufwand aufstellen lassen. Braucht ihr viel Kraft, habt ihr zu stramm gewickelt; wackelt das Dreibein, habt ihr zu lose gewickelt.
Dank der Schleife könnt ihr hier noch ausprobieren.
Je nach Geschmack kann die Schleife im Endgültigen Zustand durch einen festen Knoten ersetzt werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass echte Hanfseile sich bei Kontakt mit Wasser (z.B. Regen) dehnen können und ihr dann nach knüpfen müsst. Kunsthanf hat dieses Problem üblicherweise nicht.

Euer Dreibein sollte sich jetzt mühelos zusammenklappen und aufstellen lassen, ohne dass sich der Knoten nennenswert verschiebt und in der Mitte sollte eure (stabile) Kette baumeln, an der später euer Topf hängen wird.
Ein Dreibein nach dieser Bauweise ist extrem stabil (Meines hält meine ~100kg Lebendgewicht problemlos) und sollte auch mit einem großen und schweren Topf kein Problem haben. Dank dieser "übertriebenen" Stabilität können später auch Querbalken verwendet werden, um die Kochstelle zu vergrößern, ohne die Sicherheit zu gefährden.

  • Foto folgt

Erweiterung und Modulbauweise

Mit solch einem Dreibein lassen sich bereits etliche Leute verpflegen. (Ich habe mit einem einzelnen Dreibein schon für 10 Leute gekocht.)
Allerdings kann es notwendig sein, die Kochstelle noch zu erweitern - sei es aus Komfortgründen, aus Bedarf aufgrund der Gruppengröße oder für spezielle Gerichte, die z.B. besondere Halter oder mehrere Töpfe benötigen.
Es kann also sinnvoll sein, die Kochstelle modular auf zu bauen, um nicht jedes mal alles mitschleppen zu müssen, aber bei Bedarf auch große Projekte zu realisieren.
Ein solches Dreibein funktioniert alleine sehr gut und die Benutzung ist weitgehend selbsterklärend.
Will man jedoch "mehr", so kann man ein weiteres Dreibein dazu stellen, und beide mit einem Querbalken verbinden.

  • Foto folgt

So erhält man bis zu drei voll nutzbare Kochstellen (entsprechend viele Feuerschalen vorausgesetzt).
So lassen sich auch problemlos größere Gruppen verpflegen. (Ich selbst habe mit diesem System bereits für 17 Leute gekocht - dafür allerdings "nur" 2 Feuerschalen gebraucht. Es ginge also noch deutlich mehr.)
Natürlich lässt sich dieses System mit je einem weiteren Dreibein und einem weiteren Querbalken praktisch beliebig groß bauen. Allerdings empfehle ich nicht mehr als drei Querbalken (also vier Dreibeine) gleichzeitig an einer Kochstelle zu verwenden, da die Gefahr des Stolperns (und damit der potentielle Zusammenbruch des Systems) enorm ansteigt.

Wie also sollte ein solcher Querbalken genau aussehen?

Querbalken

Bewährt hat sich für mich ein Kantholz mit quadratischem Querschnitt (5x5cm ~ 6x6cm; Länge ~2,0-2,5m).
Dieser Balken wurde ebenso, wie die Dreibeine mit Leinölfirnis behandelt.
Eine der Länge nach aufgespannte Kette erleichtert die spätere Handhabung enorm und ist daher zu empfehlen.

  • Foto folgt

Da Nägel im sog. "Hirnholz" - also der Schnittkante am Anfang und am Ende des Balkens - nicht gut halten und die Kettenglieder natürlich leicht über einen Nagelkopf rutschen würden, verwende ich stattdessen sog. "U-Haken" - also im weitesten Sinne Nägel in Form eines U, die an beiden Enden eine Spitze besitzen und die Kette so fest umschlossen halten.
Es kann (je nach Härte des verwendeten Holzes) durchaus nötig sein, mehrere solcher Haken auf jeder Seite zu verwenden.
Zusätzlich empfehle ich euch, die Kette mindestens an drei Punkten durch Seilstücke mit dem Balken zu fixieren, da so die Belastung auf die Haken drastisch reduziert und die Kette geschont wird.

  • {i} Die Kräfte, die auf eine horizontal gespannte Kette wirken, wenn man mittig ein Gewicht anbringt (z.B. Topf) sind um ein vielfaches höher als das Gewicht des Topfes selbst. Hier können schnell 100kg und mehr an Belastung auf die Kette wirken. Je kürzer das beanspruchte Kettenstück zwischen den Aufhängungen ist, umso kleiner werden die auftretenden Kräfte, wobei sie stets größer bleiben, als das Gewicht des Topfes selbst. Optimal ist, wenn die mittlere Aufhängung direkt in die Aufhängung des mittleren Topfes greift.

Diesen Balken könnt ihr dann einfach zwischen die Dreibeine legen, da diese oben eine "Krone" aus den überstehenden Enden der Stangen besitzen.
Wer es besonders sicher haben will, kann auch hier noch ein Stück Seil zur Fixierung verwenden. Wirklich notwendig ist dies allerdings nicht.

weitere Anbauten

hier folgen noch:

  • Ablage
  • Aufhängung für Kochwerkzeuge
  • etc.

Zum Schluss noch ein paar

Tipps:

  • An der Kette könnt ihr natürlich auch eine "Ofensäge" befestigen - also einen Mechanismus, der euch das unkomplizierte verstellen der Topfhöhe erlaubt.

  • Mit zwei Haken könnt ihr eine ähnliche Funktion auch improvisieren: Foto folgt

  • die Kette sollte nicht direkt ins Feuer hängen, da das Ausglühen die Stabilität beeinträchtigen kann.
  • nach einem Regenguss sollte die Kette leicht eingefettet werden, um Rost zu vermeiden.
  • kontrolliert nach der Con euer Seil auf Beschädigungen! Manchmal verkohlt das Seil, wenn zu arg gefeuert wird. Ist das Seil beschädigt, solltet ihr es ersetzen.
  • Lasst das Dreibein nicht über dem Feuer stehen, wenn ihr nicht kocht. Die Hitze beansprucht Holz und Seil enorm.
  • Ein Pfannenknecht (kleines, metallenes Dreibein speziell für Pfannen) ist eine sinnvolle Ergänzung, da sich Pfannen nicht sinnvoll an dem großen Dreibein fixieren lassen.


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