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LarpWiki: Rituale Vorbereiten

Rituale vorbereiten und durchführen

Im LARP trifft man gewöhnlich zwei Formen der Magie an: Spruchmagie und Ritualmagie. Während Spruchmagie in den punktebasierenden Regelwerken meist recht gut abgedeckt ist, betritt man mit Ritualmagie recht schnell das Reich des Unbekannten. Gewöhnlich geben Regelwerke gerade mal vor, wie stark der Effekt des Rituals eines Magiers sein kann und ziehen dabei die jeweils existierende Spruchmagie als Vergleichswert heran. Das ist auch schon mal ein durchaus nicht zu vernachlässigendes Gebiet für die Anwendung von Ritualen im LARP. Das Erzeugen eines als Zauberspruch existierenden Effekts durch jemanden, der diesen Zauberspruch nicht direkt wirken kann oder will. Meist geben die Regelwerke noch eine Minimaldauer vor, die nötig ist, um ein Ritual einer bestimmten Machtstufe durchzuführen. In welchem Maß andere Effekte durch Rituale erzeugt werden können, geben die Regelwerke in die Hände der SL, die damit nicht selten ihre liebe Not hat, weil auch hier gilt, dass die Spieler auf Ideen kommen, die niemand vorhersehen kann. Und dann gibt es in manchen Regelwerken noch eine Hybridform, nämlich in das System der Spruchmagie eingebundene Zauber, die zwangsweise als Ritual durchgeführt werden müssen. Damit will man meist bewirken, dass besonders mächtige Effekte (z.B. Wiederbelebungen) nicht mit einem Fingerschnippen erledigt werden oder man gibt der SL Zeit für Vorbereitungen (z.B. Beschwörungen). Nur wie das Ritual aussehen soll, wird trotzdem nicht beschrieben.

Früher oder später kommt man als Magier im LARP an den Punkt, an dem man sich mit Ritualmagie beschäftigen sollte, und sei es nur, um sich eine Begründung zurechtzulegen, warum man keine Rituale wirkt.

Wenn man selbst Rituale wirken will, steht man vor der Frage: Wie mache ich das eigentlich? Auf diese Frage will ich später eingehen, weil man vor dem Wie ein paar andere Dinge klären sollte.

Was ist ein Ritual eigentlich?

Ich definiere ein Ritual wie folgt: Ein Ritual ist eine Handlung, die durch geplante strukturierte Mittel einen Effekt erzielen soll.

Was will ich bewirken?

Für den Einsteiger in die Ritualmagie bieten sich einfache Zauber an, die man möglicherweise sogar selbst als Spruchzauber beherrscht. Diese Vorgehensweise bietet mehrere Vorteile. Man selbst, die Mitspieler und die SL verfügt über einen Rahmen, was das Verhältnis aus Macht und Aufwand angeht. Man bleibt komplett im Rahmen des jeweiligen Regelwerkes und hat somit keine Akzeptanzprobleme und es macht auch in der Spiellogik Sinn, da solche einfachen, kurzen Rituale eine hervorragende Möglichkeit sind, Lehrlinge in die Grundlagen der Magie einzuführen.

Wie mächtig soll der Effekt sein?

Solange man im Regelwerk bestehende Zaubersprüche emulieren will, ist das ganz einfach, weil es ja im Regelwerk steht. Je weiter man sich von dieser Basis entfernt, um so mehr ist der gesunde Menschenverstand gefragt. Natürlich soll ein graubärtiger alter Meister mehr bewirken können als ein Lehrling, der noch grün hinter den Ohren ist. Dennoch ist es für das Zusammenspiel mit den anderen Spielern wichtig, sich hier selbst zu beschränken. Contage, Punkte und Hintergrundgeschichte sind kein Argument dafür, eine LARP-Veranstaltung per Ritual dominieren zu wollen. Wenn ein Ritual etwas bewirken soll, was ein anderer, dafür geeigneter Charakter nicht schaffen kann, dann ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass man die Grenze überschritten hat.

Hier einfach mal ein Beispiel, um das Prinzip zu verdeutlichen: Ein Magier, der ein Ritual durchführt, dessen Effekt mehr Gegner ausschaltet als ein Krieger mit vergleichbarer Erfahrung (sei es in Contagen, Punkten, oder einfach nur Darstellung) im selben Zeitraum besiegen kann, (mit adäquater Ausrüstung und inklusive Heilung) der übertreibt.

Dabei ist es unerheblich, ob das Regelwerk oder die SL das erlaubt. Es führt zum einen direkt zu Frust bei den Mitspielern und zum anderen löst es eine Rüstungsspirale aus, weil die SL dann stärkere Gegner schickt, die Nichtmagier aufrüsten (müssen?) und die andern Magier auch etwas bewirken wollen. Kurz gesagt; es verdirbt den anderen Spielern (und auch einem selbst) den Spaß.

Welcher Art ist der Effekt?

Gewöhnlich wird ein Magier durch die Regelwerke nicht eingeschränkt, was er durch Rituale bewirken kann. Trotzdem sollte man sich ein paar Gedanken machen, ob das Ritual, das man durchführen will, zur eigenen Rolle passt. Auch hier gilt es, sich selbst zu beschränken. Ein Kampfmagier, der die volle Palette der Kampfmagie als Spruchzauber beherrscht und sonstige Magie, bei der man nicht unter Zeitdruck steht, per Ritual durchführt, betreibt gelinde gesagt Punkteoptimierung. Ähnlich unpassend ist es für einen magischen Heiler, der, weil es gerade nötig ist, per Ritual ein Dimensionstor öffnet, um einen Dämonen zu beschwören. Es spricht natürlich nichts dagegen, dass ein erfahrener Magier Effekte auf Lehrlingsniveau aus praktisch allen Magiebereichen per Ritual erzeugt. Aber egal wie viele Contage der Charakter auch hat, es ist im LARP einfach nicht angebracht, alles zu können.

Auf welcher Magietheorie baut das Ritual auf?

Diese Frage hat sowohl Einfluss auf den Effekt, als auch auf die Vorbereitung und Durchführung. Ich will hier jetzt nicht darauf eingehen, welche Magietheorien es gibt und was man dabei alles beachten sollte. Vielmehr geht es darum, wie ein Ritual auszusehen hat, dass es zum Charakter passt. Ich werde ab jetzt auf verschieden Zauberer eingehen, da es bei Ritualen noch weit mehr als bei Spruchmagie darauf ankommt, dass das, was man tut, auch zum Charakter passt.

Magier nehme ich als Beispiel für den akademisch geschulten Zauberer, der Magie auf wissenschaftliche Weise wirkt.

Schamanen wirken ihre Rituale über die Anrufung von Geistern, was sich natürlich sowohl auf die Effekte als auch die Art der Durchführung auswirkt.

Druiden nehme ich jetzt mal als Beispiel für die verschiedenen Mystiker. Sie sind irgendwo zwischen Magier und Priester angesiedelt. Zusätzlich haben Druiden einen gewissen intuitiven Einschlag und ähneln in manchen Aspekten ihrer Rituale daher auch den Hexen und Schamanen. Das gilt zwar nicht für alle Mystiker, aber das lasse ich für unsere Zwecke einfach mal außer Acht.

Priester sind Diener einer Gottheit, und sofern sie regeltechnisch wie Zauberer angelegt sind, können sie natürlich auch Rituale durchführen. Fürs LARP bietet sich der Ansatz an, dass die Spruchmagie eines Priester darauf beruht, dass sein Gott ihm ein gewisses Maß an Kraft zur freien Verfügung überlässt. Rituale von Priestern sind dann die Fälle, in denen der Priester um ein direktes Eingreifen seiner Gottheit bittet. Das kann in Form eines Gottesdienstes erfolgen, kann aber auch völlig andere Formen, wie z. B. eine Einzelzeremonie in Klausur annehmen.

Hexen nehme ich als typisches Beispiel für intuitive Magie. Ich verwende für die Hexen absichtlich die weibliche Form, da diese Art der Magie sowohl im Klischee als auch im LARP meist von Frauen ausgeübt wird. Ihre Rituale haben gewisse Gemeinsamkeiten mit Schamanen. Sie rufen jedoch gewöhnlich keine Geister an, sondern mehr oder weniger personifizierte Naturkräfte. Ein Variante der Hexe könnte auch Dämonen anrufen. Das entspräche dann dem christlich geprägten Bild der Hexe. Auch dem Voodoo ähnliche Rituale fallen in diese Kategorie. Äußerlich und in der Verwendung der Komponenten kann ein Hexenritual jedoch auch sehr an ein Magierritual erinnern. Man kann sich sogar Hexen vorstellen, die eine Hybridform aus Hexe und Magier darstellen. Im Klischee wird diese Figur meist als männlicher Hexenmeister dargestellt.

Wie bereitet man das Ritual vor?

Da die Dauer des Rituals irgendwo zwischen ein paar Minuten und mehreren Stunden liegen kann, ist der Aufwand natürlich auch sehr variabel. Das sollte aber keine Entschuldigung sein, schludrig zu arbeiten, weil das ja eh nur was Kleines für 15 Minuten ist oder schlecht vorbereitet zu sein, weil das ja so viel Aufwand ist, 2 Stunden vorzubereiten. Ziel ist es, eine Show für die Mitspieler, die SL und nicht zuletzt für sich selbst vorzubereiten, mit der man glaubwürdig darstellen kann, dass durch sie etwas Außergewöhnliches bewirkt wird.

Um glaubwürdig zu sein, muss ein Ritual wiederholbar sein, sonst ist es nämlich schon per Definition kein Ritual. All die oben genannten Überlegungen sollten in Ruhe, am besten mehrfach, durchdacht worden sein. Was auch enorm hilft, sind Ritualgegenstände. Es spricht zwar nichts dagegen, ein Ritual nur mit Worten und Gesten durchzuführen, allerdings macht man sich damit das Leben unnötig schwer. Zu den Gegenständen gehört im Prinzip auch die Kleidung. Es wirkt zum einen sehr gut, wenn man zeremoniell aussehende Kleidung trägt, zum anderen gibt es einem selbst auch Sicherheit bei der Durchführung. Zu guter Letzt sollte man das Ritual proben wie ein Theaterstück. Man kann sich das alles noch so schön überlegen, wenn man das nicht daheim, am besten vor dem Spiegel und vielleicht auch ein paar anderen LARPern probt, wird der erste reale Einsatz während eines LARPs ein Reinfall.

Magier

Für den Magier bietet es sich an, den Ritualtext vorzubereiten und in ein Buch zu schreiben. Das Buch kann auch noch Zeichnungen enthalten, wie der Ritualplatz beschaffen sein soll, wohin welche Komponente gestellt werden soll, und wie der Magier sich während des Rituals bewegt. Was gut passt, sind Kristalle, Kerzen und alles, was einem sonst noch einfällt, was im Studierzimmer eines Magiers so rumliegen könnte. Dazu kommen verschieden Zeichen und Symbole, die man auf den Boden zeichnet. Wie das genau aussieht, ist von Fall zu Fall verschieden. Sicher ist aber, um so mehr, desto besser. Die Ritualrobe ist fast schon ein Muss, ein Kleidungsstück, das nur bei Ritualen getragen wird. Die Verwendung einer Fremdsprache kann hilfreich sein(wobei Englisch in diesem Zusammenhang nicht wirklich als Fremdsprache zählt). Das gibt dem Ganzen einen mystischen Anklang und hilft dabei, ein wenig flexibel zu bleiben, was den Effekt angeht, weil man als Magier sonst irgendwann mit Tausenden von Seiten rumläuft und trotzdem nie zum Zug kommt, weil man nie was dabei hat, was wirklich 100-prozentig passt.

Schamanen

Rituale eines Schamanen sind nicht so strikt geregelt wie bei einem Magier, aber ein aufmerksamer Beobachter sollte wiedererkennen können, was der Schamane da macht, wenn er das gleiche Ritual zum wiederholten Male sieht. Dafür hat ein Schamane kaum Möglichkeiten, Merkhilfen zu verwenden. Glücklicherweise muss ein Schamane nicht unbedingt verständlichen Text von sich geben, wenn er ein Ritual durchführt. Da man sich bei schamanistischen Ritualen häufig viel bewegt, sollte man etwas Kondition mitbringen. Ein klassisches Beispiel ist z. B. der Indianermedizinmann, der zwei Stunden ums Lagerfeuer springt und dabei einen, mehr oder minder verständlichen, Singsang von sich gibt. Hilfsmittel für Schamanen ist, alles was Krach macht, z.B. Trommel und Rasseln. Die können auch von jemand anderen benutzt werden. So bindet man gleich noch ein paar andere Spieler mit ein. Wenn das Ganze dann nach einem möglichst wilden Tanz aussieht, bietet es sich an, genau das zu tun. Eine feste Schrittfolge gibt dem Ritual trotz aller Wildheit Struktur und bildet so den roten Faden, an dem man sich durchs Ritual hangeln kann. Talismane sind ein Muss für den Schamanen und Körperbemalung oder Masken bieten sich geradezu an. Opfer für die Geister sollten auch nicht fehlen. Das kann von Obst über ein paar eigene Blutstropfen über Opfertiere (oder gar Menschenopfer) praktisch alles sein. Sehr gut wirken gute Stofftiere (keine rosa Plüschhasen, es sollte nicht lächerlich wirken), die man entsprechend präpariert. Da kann möglicherweise auch das Totemtier des Schamanen dabei sein, wenn er um Rat bittet, dann hat die SL gleich was, was sie verwenden kann. Generell wird der Schamane etwas weniger Material verwenden, dafür aber deutlich mehr Bewegung in die Sache bringen.

Druiden

Druiden sollten bei der Vorbereitung irgendwo zwischen Magiern und Priestern liegen. Allerdings verbietet sich für Druiden die Verwendung von Aufzeichnungen. Je nach Auslegung kann das druidische Ritual sehr starke religiöse Züge annehmen. Wobei der Druide sich dann durchaus auf mehr als eine Gottheit beziehen kann. Das erfordert dann zwar eine Menge Vorbereitung, erlaubt dem Druiden aber eine große Flexibilität. Druidische Zeremonien sind häufig mit Opfern verbunden. Perfekt wäre die verzierte Metallschüssel, die im See versenkt wird. Blutopfer sind sogar häufiger als bei Schamanen. Der Ablauf des Rituals sollte ruhig und gesetzt sein. Es stört überhaupt nicht, wenn dabei mal für ein paar Minuten recht wenig geschieht. Das ist bei druidischen Ritualen sogar eine exzellente Möglichkeit, den Spannungsbogen aufzubauen. Der Abschluss kann dann aber unter Umständen durchaus heftig werden. Komponenten benötigt man recht wenige. Die Komponenten, die Verwendung finden, sind aufgabenspezifisch und sollten dafür um so aufwändiger sein.

Priester

Egal, ob es ein Gottesdienst ist oder nicht, der Priester benötigt ein oder mehrere Gebete. Die sollte ein vernünftiger Priester so gut auswendig können, als ob er sie regelmäßig beten würde. Zusätzlich können Texte aus heiligen Schriften verwendet werden. Ein großer Vorteil des Priesters ist der Umstand, dass er seinen Gott um etwas bittet. Daher kann das Ritual eher allgemein gehalten sein und es schadet überhaupt nicht, wenn die eigentliche Bitte improvisiert klingt. Im Prinzip öffnet das Ritual nur eine direkte Verbindung zur Gottheit. Was dann geschieht, liegt im Ermessen der Gottheit (also der Spielleitung). Dessen sollte sich der Spieler des Priesters immer bewusst sein und sich eher ein bestimmtes Ziel vornehmen als einen konkreten Effekt. Ob und wie die Gottheit der Bitte entspricht, sollte nie völlig sicher sein. Als Nebeneffekt kann das Ritual auch noch der Unterweisung des Priesters dienen. Das sollte vor allem dann der Fall sein, wenn der Priester Probleme auf seinen Gott abwälzen will, die sich auch anderweitig lösen lassen. Die benötigten Komponenten sind abhängig von der konkreten Gottheit. Zwei Dinge dürften aber auf alle Priester zutreffen: Ein Altar und zeremonielle Bekleidung. Wie beides beschaffen ist, ist wiederum eine Frage des Glaubens, aber ein mit einem Tuch abgedeckter Tisch ist ein typisches Beispiel. Darauf kann man auch die paar rituellen Gegenstände ablegen, die man möglicherweise verwendet. Sehr schön wirkt ein Halter für ein heiliges Buch oder Schriftrollen. Das funktioniert besonders gut, da sich Priester gewöhnlich nicht besonders viel umherbewegen. Ob und welche Opfer dargebracht werden, hängt von der Gottheit ab, aber zumindest ein symbolisches Opfer sollte der Priester schon bringen, wenn er seinen obersten Chef stört. Priester haben noch eine Option, die sich anderen Ritualisten kaum bietet: Sie können relativ einfach andere Teilnehmer in ihr Ritual einbinden. Es wirkt sehr schön, wenn man vor dem Ritual einem Fremden kurz erklärt, was er zu tun hat. Den Part dieser Helfer sollte man natürlich auch vorbereiten. Dazu ist es notwendig zu wissen, wie die Gottheit auf diese anderen Teilnehmer reagiert. Hier sollte man zwischen Anhängern der eigenen Gottheit, anderer Götter des gleichen Pantheon, der eigenen Gottheit ähnlichen Göttern, Atheisten, oder gar Anhängern von Gottheiten, die Gegner der eigenen Gottheit, sind unterscheiden.

Hexen

Gut klingende Texte sind für Hexen praktisch genau so wichtig wie für Magier. Genau wie diese können sie diese Texte aus Büchern ablesen, was zwar eine Menge Arbeit in der Vorbereitung macht, die Durchführung aber erleichtert. Generell gilt für sie alles, was auch für Magier gilt. Davon abweichend verwenden Hexen häufig alchemistische Praktiken während ihrer Rituale. Ein Kessel ist das perfekte Werkzeug. Komponenten sollten überwiegen aus der belebten Natur kommen und andere Komponenten sollten einfach vom Gefühl her mehr nach Hexe aussehen als nach wissenschaftlicher Apparatur. Fremdsprachen passen bei Hexen nicht so gut, allerdings können ihre Texte auch etwas allgemeiner gehalten sein als die Texte eines Magiers. Eines der Klischees der Hexenmagie sind Reime. Das wäre sozusagen die Perfektion des Hexenrituals. Das läuft dann praktisch auf ein mehrseitiges Gedicht raus. Der Aufwand ist enorm, aber eine Hexe, die über den Kessel gebeugt 1 Stunde gereimten Text von sich gibt, während sie Kräuter und sonstige Zutaten in den Kessel wirft, braucht sich keine Sorgen mehr zu machen, dass die Darstellung nicht gut genug ist. Ein weiterer interessanter Aspekt der Hexenmagie ist die Rückkopplung. Häufig wird davon ausgegangen, dass die Magie einer Hexe immer auf sie selbst zurückfällt. Das Ritual sollte also immer auch eine Wirkung auf die Hexe haben, oder sie muss besondere Schutzmaßnahmen ergreifen, um sich vor dieser Rückkopplung zu schützen.

Wie läuft das Ritual ab?

Da das Ritual eine feste Struktur haben soll, ist es am besten, wenn man es in mehrere Teile zerlegt.

Eine übliche Einteilung wäre

  • Den Platz und Zeitpunkt wählen
  • Den Platz reinigen
  • Die Vorbereitung
  • Die Einleitung
  • Der Hauptteil
  • Den Abschluss
  • Das Aufräumen

Den Platz und Zeitpunkt wählen

Das umfasst mehrere Dinge. Der Platz sollte zum Ritual passen. Ein Feuerelementar beschwört man nicht bei Regen an einem Seeufer und eine Mondgöttin mit Naturaspekten ruft man nicht Mittags auf dem Burghof an. Der Platz sollte für die Komponenten geeignet sein. Das umfasst so Punkte wie Größe, Ebenheit, Bodenbeschaffenheit. Dazu gehört auch Brandgefahr oder Beschädigungsrisiko. Ich kenne einen Sportplatz, in den seit ein paar Jahren ein Pentagramm eingebrannt ist. Das sollte man auf alle Fälle vermeiden. Da ein Ritual eine Weile dauert, sollte der Ort halbwegs ruhig sein. Wenn er direkt im Spielerlager liegt, läuft garantiert jemand im ungünstigsten Augenblick mitten durchs Ritual. Sowohl aus In-Time- wie auch Out-Time Gründen sollte man jeden, der das Ritual sehen kann, auch selbst sehen können. Wenn man das Ritual vor den anderen Spielern nicht verheimlichen will oder muss, dann sollte man dafür Sorge tragen, dass alle Mitspieler wissen, was man da macht. Sonst ist man recht schnell das Ziel einer Meute, die den bösen Obermagier, der die ganze Nacht die Monster schickt, lynchen will. Außerdem sollte der Platz das ganze Ritual über geeignet sein. Wer sein Ritual aufbaut, während sich die Gewitterwolken zusammenbrauen, braucht sich nicht wundern, wenn im mitten im Ritual die Windböen die Ritualkerzen auspusten. Und dann sollte man noch ein paar spieltechnisch wichtige Aspekte berücksichtigen. Das Umfeld des Platzes sollte kampfgeeignet sein, auch wenn man nicht mit einem Kampf rechnet. Im LARP kann innerhalb von 2 Stunden eine Menge passieren und es führt nur zu unnötigem Stress, wenn jemand das Ritual stören will und die Aktion aus Sicherheitsgründen mehr ausdiskutiert als ausgespielt wird. Gleichzeitig sollte er auch so gelegen sein, dass eventuell vorbeikommende Nicht-LARPer keinen falschen Eindruck bekommen, bzw. dass man sie abfangen und ihnen erklären kann, was man da macht. Andernfalls kann es schon mal vorkommen, dass man in die Satanismus-Ecke geschoben wird und das Ritual von der Polizei unterbrochen wird.

Den Platz reinigen

Damit meine ich die physische Reinigung des Platzes. Man kann den Platz mit einem Besen fegen, oder alles tote Laub beiseite schaffen, oder, was auch immer beim Ritual stören könnte, entfernen.

Die Vorbereitung

Ein Magier zieht seine Linien und malt Symbole auf den Boden. Er sortiert seine Texte, baut seine Komponenten auf und legt alles bereit, was er braucht. Priester bauen ihren Altar auf, Hexen heizen den Kessel. Man erledigt einfach alles, was man zum Durchführen des Rituals braucht. Dazu kommt noch die rituelle Reinigung des Ritualisten, die schon den Übergang zum eigentlichen Ritual darstellt. Das können Waschungen sein. Ein Schamane bemalt sich, oder reibt sich mit Kunstblut ein, um sich dann im Staub zu wälzen. Gebete für gutes Gelingen wirken bei Magiern fast besser als bei Priestern, da von Magiern nicht erwartet wird, dass sie gläubig sind. Das ist auch der Zeitpunkt, um eventuelle rituelle Kleidung anzulegen. Schamanen und Hexen können meinetwegen ihre Rituale auch nackt durchführen. Zu den Charakteren würde es gut passen, ob es gut zum LARP passt, ist eine andere Frage.

Bei langen Ritualen darf man zwei Dinge auf keinen Fall vergessen: Erstens, man geht auf die Toilette. Es gibt kaum etwas Störenderes während eines Rituals als Harndrang. Zweitens sollte man sich etwas zu trinken bereitstellen. Die wenigsten Menschen sind es gewohnt, für längere Zeit zu sprechen ohn,e einen trockenen Mund und einen rauen Hals zu bekommen. Dafür sollte man ins Ritual mindestens alle 15 Minuten eine Möglichkeit einbauen. Das kann z.B. mit dem Umblättern des Buches kombiniert werden. Der Priester trinkt aus dem Opferkelch oder die Hexe probiert eine Komponente, bevor sie in den Kessel geschüttet wird.

Die Einleitung

Dabei findet die magische Vorbereitung des Rituals statt. Kerzen werden angezündet, Priester segnen den Ort, während die Gemeinde ein erstes Gebet aufsagt, man umrundet den Ritualplatz mehrfach; Geister, Götter oder magische Kräfte werden angerufen. Die vorhandene Magie wird überprüft. Der Ritualist pegelt sich selbst auf den Ort und das Ziel seins Rituals ein. Das sollte so 5 bis 15 Minuten dauern. Danach sollte man aufgewärmt sein und kann loslegen.

Der Hauptteil

Jetzt kommt die Vorbereitung zum Tragen. Nach Art des Ritualisten/Rituals mehr oder weniger Text und Bewegung, verschiedene Handlungen, die zum Ritual gehören. Möglicherweise auch Pausen. Wenn geplant, finden Opferungen statt. Hier kann man praktisch keine allgemeinen Tipps geben, weil der genaue Ablauf sowohl vom Ritualisten, seiner Magietheorie als auch dem Zweck des Rituals abhängt.

Der Abschluss

Hier kommen Dankesformeln und Ähnliches. Ganz wichtig ist eine arkane Reinigung ähnlich der Einleitung. Im Prinzip ein spirituelles Aufräumen des Ritualplatzes, mit dem man die Unordnung, die man durch das Ritual erzeugt hat, wieder beseitigt.

Aufräumen

Die benutzte Ausrüstung einsammeln und so verstauen, dass man sie bei Bedarf wieder verwenden kann. Dazu gehört auch das Reinigen von verschmutzter Ausrüstung, das Ersetzen von Verbrauchsmaterial und eine erneute Reinigung des eigenen Körpers.

So, und jetzt noch ein paar Überlegungen, die zur Glaubwürdigkeit des Ritualisten beitragen

Rituale werden niemals (auch nicht, wenn die Sl das will, oder die Welt sonst untergeht) improvisiert. Nie, nie, nie. Ein Ritual kann auch in einem Zauberpatzer enden und selbst, wenn die SL das Ritual gelingen lassen will, so ist der gesunde Menschenverstand des Ritualisten gefragt.

Es gibt niemanden, der alles kann. Je stärker der Effekt, um so enger sollte man das Feld ziehen. Wenn man kein vorbereites Ritual für einen bestimmten Effekt hat, dann kann man es eben nicht durchführen. Intuitive Ritualisten wie Schamanen und Hexen können vielleicht während eines LARPs ein bestehendes Ritual so modifizieren, dass es passt. Das muss aber nicht der Fall sein. Priester sind eher durch ihren Glauben als durch das eigentliche Ritual eingeschränkt. Die Wirkung ist aber ähnlich. Was man nicht kann, macht man auch nicht. Es gibt auch noch andere Spieler. Vielleicht gibt es ja einen, der das kann, und im Zweifelsfall gibt es immer einen "Alleskönner", der sich freiwillig lächerlich macht.

Fremde Thesen müssen überprüft und überarbeitet werden. Man kann jederzeit mit einer Anleitung arbeiten. Aber nur in Ausnahmefällen sollte man das unmodifiziert übernehmen. Selbst von Akademiemagier zu Akademiemagier muss das nicht 100-prozentig passen. Bei den intuitiven Zauberern geht das vielleicht eher, aber was dem Totem Wolf gefällt, muss dem Totem Bär noch lange nicht gefallen.

Rituale dauern. Ein Ritualist lässt sich nicht hetzen. Wenn die Zeit nicht reicht, um ein Ritual korrekt durchzuführen, dann lässt man es bleiben. Ein Ritualpatzer ist so ziemlich das Übelste, was einem Zauberer passieren kann, und Zeitdruck ist fast noch ein besseres Mittel als Improvisation, um ein Ritual fehlschlagen zu lassen.

Gemeinschaftsrituale sollten auch gemeinsam ausgearbeitet werden. Wenn man das oben Geschriebene beachtet, wird eines klar: Ein Ritual mit Fremden durchzuführen, kann einfach nur schief gehen. Selbst, wenn sich die Ritualisten kennen, müssen sie ihre Rituale nach dem gleichen Prinzip aufbauen, um Erfolg zu haben.

Magier unter sich können nach ausreichender Planung sehr gut zusammenwirken und dabei sogar die Brücke verschiedener Spezialisierung überbrücken, da sie eher die Art der Magieausübung vereint als die Wirkung, die sie erzielen wollen. Mit entsprechender Vorbereitung kann man sich auch eine Zusammenarbeit mit Hexen und magisch dominierten Druiden vorstellen.

Schamanen mit verschiedenen Totems können eigentlich recht gut zusammenarbeiten. Es sollte nur aus einem Grund geschehen, der die Totems dazu veranlasst, ihre möglicherweise bestehenden Zwistigkeiten beiseite zu legen. Mit anderen Ritualisten wird es sehr schwer, eine gemeinsame Basis zu finden. Zu sehr unterscheiden sich Durchführung und Theorie der Rituale.

Druiden können je nach Auslegung mit Priestern oder Magiern und Hexen ganz vernünftig zusammenarbeiten. Man sollte dann aber entscheiden, ob der Charakter mehr Priester, oder mehr Zauberer ist, sonst wird es unglaubwürdig.

Priester können gewöhnlich nur mit anderen Priestern ihres Gottes zusammenarbeiten. Davon gibt es aber ein paar Ausnahmen. In einem Pantheon können Priester verschiedener Götter durchaus gemeinsam arbeiten. Ein Beispiel wäre eine Totenzeremonie für einen Glaubenskrieger des Kriegsgottes. Die wird von einem Priester des Totengottes gemeinsam mit einem Priester des Kriegsgottes durchgeführt. Wenn es in dem Pantheon Druiden gibt, können die möglicherweise auch mit den Priestern zusammenarbeiten und mit etwas Auge Zudrücken können auch zwei Priester verschiedener Gottheiten, die sich sehr ähneln, zusammenarbeiten. Da kann man argumentieren, dass die Gottheit in verschiedenen Ländern nur verschieden genannt wird. Damit betritt man aber schon einen sehr schwammigen Bereich.

Hexen untereinander sind relativ einfach. Die können die Texte dann einfach gemeinsam sprechen oder, was sich meist besser anhört, im Wechsel. Vor allem bei Hexen mit verschiedenen Stimmlagen kommt das schon fast an eine Gesangsdarbietung ran. Mit etwas Mühe kann man auch entsprechende Druiden und manche Magier mit Hexen kombinieren.

Eine Zusammenarbeit verschiedener Arten von Ritualisten kann aber auch wie ein ineinandergreifendes Räderwerk funktionieren.

Einfach mal ein Beispiel aus dem 08/15 LARP-Senario des bösen Oberlich, der nur besiegt werden kann, wenn jemand in seine Kammer eindringt und dort mal aufräumt.

Die Spieler werden von Welle um Welle aus Untoten bedrängt und die Krieger kommen einfach nicht gegen die Unmengen an Zombies und sonstigem Gesocks an, ohne die restlichen Charaktere schutzlos zurückzulassen. Wenn wir jetzt unser 5 Ritualisten zur Hand haben, die sich auf eine solche Situation vorbereitet haben, könnte das ungefähr so aussehen: Der Priester schnappt sich alle, die nicht zur Verteidigung gebraucht werden und hält mit denen gemeinsam einen Gottesdienst ab. Damit weiht er zuerst mal den Ort des Geschehens, was zumindest die Massenware wie Skelette und Zombies erst mal fernhält. Wenn er gut drauf ist und sein Gott in die Richtung angehaucht ist, kann er meinetwegen auch die Waffen der Krieger segnen. Da unser Oberlich das "Ober" nicht nur zum Spaß trägt, braucht es auch dauernde Gebete vom Priester und einer Handvoll Gläubiger, damit der Schutz nicht zusammenbricht. Die können in ihre Gebet gleich noch Bitten einfließen lassen, dass die Aktionen der anderen Ritualisten gelingen. Vielleicht erweicht das ja das Herz der jetzt gleich furchtbar gestressten Magie-SL. Wenn der Priester ein Ritual abhalten würde, um den Gott zu bitten, den Lich direkt zu vernichten, wäre die Antwort ein: "Ihr habt da 30 Männer mit Blech am Leib und Waffen in der Hand, das schafft ihr ja wohl ohne mich."

Da die Krieger sich durch alle möglichen Gegner durchkämpfen müssen, werden sie wohl kaum von besonders vielen ernst zu nehmenden Zauberern begeleitet werden. Ein paar der Gegner sind aber mit gewöhnlichen Mitteln nicht so einfach abzuwehren. Also ruft der Schamane über sein Totem die Geister an, den Kriegern beizustehen. Die sind zwar nicht unbedingt begeistert, sich mit Gespenstern und Banshees anzulegen, aber mit der Argumentation, denen Frieden bringen zu wollen, lassen sich ein paar Geister überreden, die Krieger vor diesen Wesen zu beschützen. Damit die Geister wissen, auf wen sie aufpassen müssen, bekommen die Krieger ein paar Streifen Farbe ins Gesicht und einen Talisman um den Hals.

Unsere Hexe ist im Prinzip eine magische Kräuterfrau und deshalb auf jegliche Art der Heilung spezialisiert. Die braut ein Gesöff, das die Krieger z. B. vor Ghulen oder dem Leichengift der Zombies schützen soll. Mit ein bisschen Knoblauch als improvisierte Komponente und den passenden Zaubersprüchen kann man sich vielleicht auch die Vampire vom Leib halten. Das ist der Vorschlag der Spielerin der Hexe, und wenn die Durchführung gut aussieht, dann kann die Magie-SL damit auch ganz gut leben.

Da so ein Lich seine Kammer wohl auch magisch sichert, brauchen die Krieger irgend etwas, um das auszuschalten. Das ist die Aufgabe des Magiers. Als typischer Akademieangestellter ist er durchaus dazu in der Lage, richtig fette Antimagie in einen seiner Lieblingsbergkristalle zu binden. Das Teil bekommt der Abenteurer mit, der vor den Kriegern in die Kammer eindringen wird, um die Fallen auszuschalten.

Bleibt noch unser Druide. Der hat jetzt mehrere Optionen. Möglicherweise passt die Situation gar nicht zu seinem Hintergrund und er verzichtet auf ein Ritual. Er könnte die beim Priester erwähnte Segnung der Krieger durchführen, als so ein Art Vorbeter am Gottesdienst des Priesters mitwirken oder die Hexe beim Brauen unterstützen. Prinzipiell könnte er auch selbst ein Gebräu herstellen, um die Krieger zu stärken. Miraculix lässt grüßen. Das könnte was in Richtung Berserkertum oder so sein, weil das die Kampfkraft stärkt und gegen Magie unempfindlich macht. Damit geht er halt das Risiko von Wechselwirkungen mit dem Trank der Hexe ein. Manche Druiden sind auch in Richtung Anrufung der Elemente ausgelegt. Dann könnte er z.B. ein Elementar beschwören, das mit den Kriegern mitläuft und die Grabkammer mit Gewalt öffnet. Als Alternative kann das auch ein Erdstoß sein, der die Zombie-Horde zum richtigen Zeitpunkt von den Füßen reißt, um den Kriegern das Ausbrechen aus dem improvisierten Tempel zu erleichtern.

Wenn die das gut machen, liefern die 5 Ritualisten ein Show ab, die noch keiner der anderen Spieler auf LARP gesehen hat. Gleichzeitig sind die Nichtkämpfer beschäftigt. Als Betende, Helfer zum Aufbau der Rituale oder nur Zuschauer. Die Krieger können sich ein wenig ausruhen, bevor es in die Endschlacht geht und kommen mit deutlich weniger Adrenalin im Blut in Aktion. Und die SL hat Zeit, darauf zu reagieren. Die Gespenster und Banshees werden größtenteils in Zombies umgeschminkt, weil die jetzt nichts mehr bewirken und da reichen ein oder zwei, um das zu zeigen. Gleiches gilt für die Vampire, die jetzt zu Todesrittern werden. Damit bekommen die Hexe und der Schamane ihr positives Feedback, ohne dass die Krieger plötzlich keine Gegner mehr haben. Ähnlich läuft die Aktion mit dem Fallenknacker ab, der von dem Bergkristall vielleicht vor ein oder zwei magischen Fallen geschützt wird, während er die Tür zur Kammer des Oberlich knackt. Wenn die Tür auf ist, können sich die Krieger mit den Todesrittern und Mumien beschäftigen, die da drin sind und dann war es das. Der Oberlich-NSC kann mit ein paar Zaubern um sich werfen, die durch das Berserkertum einiger Krieger nur bedingt wirken und wird schließlich niedergemäht.

Das ist jetzt sicherlich alles sehr positiv dargestellt und so glatt wird es wohl nie laufen. Aber es zeigt, wie Ritualisten Hand in Hand arbeiten können, ohne ihren Hintergrund zu verbiegen, dabei etwas Sichtbares bewirken und die anderen Spieler trotzdem nicht in Statisten verwandeln. Die Rituale sind allesamt so geartet, dass man schon mal auf die Idee kommen konnte, sie vorzubereiten, weil es genug Situationen gibt, in denen man den Einzeleffekt brauchen kann.


Ritualbeispiel

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