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LarpWiki: Ausrüstung/Gewandung/Tipps/RitterUm1350

Gewandungstipps Ritter 1340-1370

Vorwort:

Zuallererst ein Disclaimer:

Diese Aufstellung stellt keine historisch korrekte Aufschlüsselung der kompletten Ausrüstung eines Ritters zu dieser Zeit dar.

Es ist alleine eine Zusammenfassung, was ein Charakter für Ausrüstung besitzen sollte, falls sich der Spieler mit diesem an einem Vorbild dieses Zeitraumes anlehnen will.

Diese Aufstellung ist aus mehreren Sekundärquellen zusammengestellt und befähigt, eine historisch angelehnte(!) Ausrüstung zusammenzustellen. Wer sich genauer am Vorbild orientieren möchte, dem sei nahegelegt, sich eine Vorbildfigur auszusuchen und über diese möglichst genaue Nachforschungen zu erstellen.

Warum diese Aufstellung?

Ich versuche momentan meinen Rittercharakter mehr und mehr auf einen manierlichen 2. Hälfte-14.-Jahrundert-Look zu trimmen. Ich werden öfter in Foren und auch persönlich gefragt, wie so eine Ausrüstung auszusehen hat, da sich offenbar einige Interessierte für diesen Anlehnungszeitraum im Dunstkreis der Gewandungsliebhaber tummeln. Entsprechend habe ich mir gedacht, dass es sinnvoll sein könnte, mein Wissen hier zu sammeln und mit weiterer kompetenter Hilfe zu einem guten, recht allgemeingültigen Leitfaden auszubauen.

Entsprechend wünsche ich viel Freude beim Durchstöbern und Zusammenstellen!

Die Gewandung:

Die Gewandung des Menschen des 14. Jahrhunderts steht in einem starken Wandel. Zu Anfang des Jahrhunderts besteht die Kleidung des Mannes und der Frau noch ganz in der Tradition des Hochmittelalters aus der körperunbetonten, knöchellangen Cotte mit darüber getragener Surcotte. Verschiedene Wetterkleidungsstücke, sowie Gugel und Hüte komplettieren das Ganze. Mit der Zeit wird die Kleidung jedoch immer kürzer und körperbetonter geschnitten, was u.a. der während und nach den Pestwellen aufkommenden Einstellung, sein Leben möglichst zu genießen, zugeschrieben wird.

Die Cotte des Mannes wird körperbetonter geschnitten und kürzer, die Damenbekleidung wird ebenfalls körperbetonter und bekommt ein anfangs dezentes, jedoch später freizügigeres Dekolleté.

Die Unterbekleidung

Die Unterbekleidung des Mannes besteht aus Bruche und Leibhemd. Die Bruche wird jedoch kürzer und enger anliegend.

Zu dieser Zeit kam das taillierte Unterwams als zusätzliches Unterbekleidungsstück auf; wenn es getragen wird, werden die Beinlinge daran befestigt (Schnittmuster s.u. bei Pourpoint). Das Unterwams kann ruhig farbig gehalten sein, vorn wird es mit einer Nestelschnur verschlossen; hat es Ärmel, können diese mit Knöpfen oder einer Nestelschnur verschlossen sein.

Wird kein Wams getragen, werden die Beinlinge noch an der Bruche befestigt. Die Befestigung erfolgt bei beiden Tragarten nicht mehr, wie davor üblich, an einem Zipfel vorne, sondern an einem breiten Stück seitlich der Hüfte; es handelt sich dabei um sogenannte hohe Beinlinge. Die Beinlinge weisen fast immer Fußteile mit Ledersohle auf (die ich nebenbei nur wärmstens empfehlen kann. Die Füße bleiben in MA-Schuhen weitaus länger trocken und warm als ohne, außerdem kann man drinnen mit gewandeten Füßen rumlaufen, ohne mit genagelten Sohlen den Boden zu zerkratzen! Nebenbei sehen die einfach nur fesch aus).

Die Beinlinge werden unterm Knie mit kleinen Ledergürteln gehalten, diese sollten möglichst beschlagen sein, um den Stand anzuzeigen.

Die Überbekleidung

Über Bruche, Beinlingen, Leibhemd und Unterwams wird die sogenannte Cotardie (auch Cothardie oder Cotte hardie) getragen. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Cotta, jedoch ist die Cotardie nur ca. knielang, tailliert und hat ca. 6 oder mehr Geren, die jedoch nur von den Knien bis knapp zur Taille reichen, um einen möglichst großen Faltenwurf zu erreichen. Ebenfalls ist die Cotardie vorne offen und mit halbkugelförmigen Metall- oder Stoffknöpfen zu schließen. Für adlige Charaktere empfehlen sich Metallknöpfe (Zinn, Messing oder sogar Gold). Die Ärmel sind eng anliegend und weisen an der Unterseite vom Handgelenk bis zum Ellenbogen einen Schlitz auf, der ebenfalls mit Knöpfen geschlossen wird.

Über der Cotardie wird je nach Wetterlage eine Surcotte getragen. Diese weist den gleichen Schnitt wie die Cotardie auf, jedoch sind die Ärmel nur halblang und können sog. Löffelfortsätze, kontrastiert gefüttert, aufweisen. Statt der Löffelfortsätze können auch Tippets, wie hier zu sehen, getragen werden. Dabei handelt es sich um lange Stoffbänder, bestickt und/oder gezaddelt, diese können bis zum Boden reichen. Sie können an den Oberarmen zu Cotardie, Surcotte ohne Löffelärmel und Pourpoint (s.u.) getragen werden.

An warmen Tagen kann man die Cotardie auch weg lassen und die Surcotte direkt über dem Unterwams tragen. Dieses sollte dann aber idealer Weise Ärmel haben.

Eine Gugel ist zu dieser Zeit Pflicht, diese kann ruhig mehrfarbig sein, ebenfalls sollte sie gezaddelt sein. Der Gugelzipfel (Liripipe) sollte dabei möglichst über den Hintern reichen, oder noch länger sein. Am Ende kann ein kleines Glöckchen angebracht sein.

Neben der Cotardie kommt in dieser Zeit eine neue Modeerscheinung zu Tage: Das Pourpoint. Aus dem Gambeson entstanden, wurde es um 1350 zu einem zivilen Kleidungsstück, bestand möglichst aus hochwertigem Stoff, also Damast oder Brokat. Da Brokat heutzutage beinahe unerschwinglich ist, reicht schöner Jacquard oder Damast aus. Das Pourpoint ist äußerst tailliert geschnitten und an der Brust ausgepolstert. Vorne wird es mit Metallknöpfen geschlossen. Die Ärmel werden wie bei der Cotardie geschlossen. Einfachere, auch ungepolsterte Varianten aus Wollstoff als Alltagskleidung sind auch möglich. Es wird immer mit der Gugel getragen! Wenn man ein Pourpoint trägt, ist das Unterwams nicht nötig. Auf der Innenseite des Pourpoints können Nestelschnüre festgenäht sein, an denen man die Beinlinge befestigt.

  • Gleiches gilt für den kurzen Gambeson im Pourpoint-Schnitt: Es kann Nestellöcher für Beinlinge und Diechlinge aufweisen, dürfte Bequemer sein, als noch ein Unterwams darunter zu tragen.

Beispiel

Wetterkleidung

Als Wettergewand eignet sich sowohl die Garnache, der Vollkreismantel (Heuke) als auch der Gardecorps.

Futter

Für alle genannten Kleidungsstücke ausser Bruche, Hemd und Beinlingen ist ein Leinenfutter obligatorisch. Das Wettergewand sollte mit Pelz (oder auch Webpelz) gefüttert sein, bei anderen Überkleidern kann dies auch der Fall sein. Man sollte sich nur überlegen, das dieses Gewand dann sehr warm wird und nicht unbedingt das Pourpoint mit Pelz füttern, ausser man will es nur im Winter tragen.

Kopfbedeckungen

Typischer Hut dieser Zeit ist der Robin-Hood-ähnliche Jagdhut, mit Federn und Zinnabzeichen geschmückt. Real waren Hüte während dieser Zeit unter sehr modischen Leuten relativ unbeliebt, wovon ich aber aufgrund des Larpalltags Abstand nehme, da leider die meisten Larper ungeachtet des [BlöderHutCredo Blöder Hut Credos] ohne Kopfbedeckungen herumlaufen. Ebenfalls geeignet sind die meisten Hüte aus dem Codex Manesse. Die Bundhaube sollte möglichst eng anliegend sein.

Auch etwas spätere Hüte um 1380 passen meiner Meinung nach noch zum Konzept, diese sind eher zylinderförmig mit umgeschlagener und eingeschnittener Krempe. Diese können zusätzlich oder statt den Zinnabzeichen mit edelsteinbesetzten Broschen geschmückt sein. Stickereien auf jeder Art Hut sind nebenbei immer eine gute Sache.

Accessoirs

Der Gürtel um 1350 ist nicht allzu lang, gerade so, dass er um die Hüfte reicht und ein kurzes Stück herunter hängt. Der Gürtel sollte beschlagen und optional punziert sein. Ortbleche sind ebenfalls Pflicht.

Knieriemen sind ebenfalls Pflicht, möglichst noch beschlagen.

Der Almosenbeutel kommt stark aus der Mode, kann jedoch noch getragen werden, stattdessen kommt langsam aber sicher die Nierentasche, wie wir sie aus dem 15. Jahrhundert kennen, in Mode. Am Gürtel befindet sich auf jeden Fall ein Dolch, dieser kann zwischen den Schlaufen der Nierentasche getragen werden. Ein Essmesser und ggf. ein Esspfriem sind ebenfalls gut.

Die Kleidung kann und sollte bestickt sein. Florale Rankenmuster und Rautenmuster(ggf. mit Kreisen oder anderen Symbolen, z.B. Lilien oder Kreuzen in den Rauten) sind dabei vorherrschend. Besticken kann man:

  • Die Krempe des Jagdhutes,
  • Die einzelnen Zaddeln der Gewandung (so gesehen im Alexanderroman)
  • komplette Kleidungsstücke, z.B. Wappenröcke (dann am besten im o.g. Rautenmuster)

Ich persönlich habe auch die Innenseiten der Löffelärmel meiner Surcotte bestickt, auch wenn ich keine Ahnung habe, ob dies historisch korrekt ist.

Die Stoffe sollten möglichst bunt sein, es wird aus zeitgenössichen Quellen z.B. von rot-grün geschachtem Stoff berichtet. Ebenfalls kann breit gestreifter Stoff oder sogar Schottenkaro verwendet werden. Schottenkaro (Plaid) ist jedoch nur in Mi-Parti-Gewändern mit einem einfarbigen oder gestreiften Stoff zu benutzen. bei Wollstoffen ist die Fischgradbindung auch schon bekannt und benutzt.

Die Bruche kann, als besonderheit des Zeitraums, auch aus roter Seide bestehen.

Schuhe

Modern sind zu dieser Zeit Halbschuhe ohne Schaft. Diese können, sofern mehr drinnen als draußen verwendet, in verschiedenen Mustern durchbrochen sein, ebenfalls kann die Spitze relativ lang sein, da man sich in diesen Schuhen nicht großartig bewegen musste.

Ansonsten wurden gerne sog. Lersen verwendet. Dabei hanedlt es sich um hüfthohe Reitstiefel, die einen ähnlichen Schnitt wie Beinlinge aufweisen und am Wams festgenestelt werden; mehrere Schnallen und Riemen führen zu einem festen Sitz am Bein.

Ebenfalls waren auch halbhohe Lederstiefel im Gebrauch, diese können eine mäßig lange Spitze aufweisen und sind mit Schnallen oder Riemen zu verschließen.

Unter den Schuhen können bei Regenwetter Trippen getragen werden. Diese bestehen aus einem oder zwei Teilen und können, sofern die Schuhe eine entsprechende Spitze haben, ebenfalls vorne spitz zulaufen (Sie sollten jedoch nicht zu spitz sein, sonst könnte das Laufen problematisch werden ;) ).

Rüstung

Die Rüstung ist im 14. Jarhundert, genau wie die Zivilkleidung, einem starken Wandel unterworfen; das Kettenhemd wird durch zusätzliche Rüstungsteile verstärkt und bis in die 20er Jahre des 15. Jahrhunderts bildet sich immer mehr der volle Plattenpanzer heraus. Zwischen diesem Endergebnis, das im 15. Jahrhundert weiter perfektioniert wird, stehen mehrere Zwischenschritte. Die Rüstung eines Ritters um 1350 stellt eben so einen dar.

Schicht 1

Die unterste Schicht der Rüstung besteht aus Bruche, Beinlingen und Leibhemd.

Schicht 2

Zuerst kommt der Beinschutz. Dieser besteht idealer Weise aus Kettenbeinlingen, unterm Knie mit Riemen gehalten. Da diese jedoch für den Fußkampf recht unpraktisch sein sollen, können sie getrost weggelassen werden. An die Oberschenkel kommen PolsterDiechlinge. Diese können statt an einem Gürtel auch alternativ am o.g. Wams befestigt werden, ich habe damit recht gute Erfahrungen gemacht. Auf die Knie werden stählerne Kniebuckel geschnallt, diese können auch mit (farbigem) Leder bezogen sein. An die Schienbeine kommen möglichst anatomisch geformte Beinschienen, diese können aus Stahl oder auch mit Stahlstreifen beschlagenem Leder bestehen. Ab 1360 kommen beschlagene Diechlinge auf Bild, Kettenbeinlinge können, müssen aber nichtmehr getragen werden. Zu beschlagenen Diechlingen passen bereits geschlossene Beinröhren.

Zwischen ca. 1360 und 1380 sind in Deutschland auch eine Abart der beschlagenen Beinschienen in Mode; dabei wird eine Beinschiene bestehend aus 3 Lamellen die auf 2 Lederbänder aufgenietet sind, über einem Kettenstrumpf getragen. Dazu passen am besten beschlagene Diechlinge.

Schicht 3

An den Oberkörper kommt ein langärmliger, oberschenkellanger Gambeson, dieser ist möglichst leicht tailliert geschnitten und vorn offen, mit Knöpfen, Schnallen oder Nesteln geschlossen. Darüber wird ein langärmeliges Kettenhemd getragen, dies ist möglichst etwas kürzer als der Gambeson. Über dem Kettenhemd wird ein Plattenrock getragen, dies kann der untaillierte Wisby-Coat of Plates sein, oder besser eine leicht taillierte Variante.

Ab ca. 1360 ist der Gambeson kürzer als das Kettenhemd, das nur bis auf die Mitte der Diechlinge reicht. Der Gambeson weißt den Schnitt des Pourpointes auf. Bild

Das Pourpouint kann Nestellöcher für Beinlinge und Diechlinge aufweisen, so erspart man sich, ein Unterwams zu tragen, was im Sommer weitaus angenehmer sein dürfte.Beispiel

Zu dem Pourpoint sollte auf jeden Fall eine taillierte Variante des Plattenrocks, bzw. ein Lentner, der taillierte Nachfolger des Plattenrocks, getragen werden!

Ab 1370 kann statt dem Lentner oder Plattenrock eine frühe Brigantine oder eine einfache Brustplatte getragen werden.

An den Armen können stählerne oder beschlagene lederne Unteramschienen, an den Ellenbogen Buckel getragen werden. Ist jedoch bei langärmeligen Kettenhemden nicht zwingend erforderlich! Gerade in Deutschland war diese Armpanzerung nicht sehr weit verbreitet. Wenn o.g. Panzerung getragen wird, kann der Oberarm optional noch mit einer einfachen Oberarmschiene aus beschlagenem Leder gepanzert sein, wenn die Unterarmschiene ebenfalls daraus besteht. Sofern nur Unterarmschienen getragen werden, wird das Kettenhemd darüber(!) getragen, die Buckel jedoch überm Kettenhemd.

Eine deutsche Besonderheit ist zu dieser Zeit eine Armpanzerung, die stark Jackchains ähnelt. Diese wird aber ausschließlich über den Ärmeln des Ringpanzers getragen! Hier ein Beispiel von Rudolf IV. von Baden (1348).

Ebefalls ein schönes Beispiel ist das Grabmal Gottfreids von Arnsberg von 1371 im Dom zu Köln. Hier werden zu den "Proto-Jackchains" beschlagene Armschienen getragen.

An die Hände kommen gefingerte Kettenhandschuhe, oder sogenannte Wisby-Handschuhe. Ab 1370 können Stundenglashandschuhe getragen werden. In Deutschland sind sogar bis weit in die 1370er Jahre Kettenfäustlinge verbreitet!

Ab den 1360er Jahren kommen auch volle Arm-und Beinzeuge auf, diese sind jedoch einfacher gehalten als ihre Pendants aus dem 15. Jh.

Parallel zu dieser Fortentwicklung in Europa bleibt eine deutsche Zwischenlösung bestehen, bei der zu Kettenstrümpfen einfachste Beinschienen betragn werden, wie hier ebenfalls bei Gottfried v. Arnsberg zu sehen:

Schicht 4

Diese Schicht kann komplett weggelassen werden, das Tragen des "blanken Harnischs" war um 1350, gerade in Dutschland recht weit verbreitet. Wer das nicht möchte, hat die Auswahl zwischen verschiedenen Kleidungsstücken, die über dem Panzer getragen wurden:

  • Wappenrock Möglichst edel, kann aus Seide, Samt oder auch Damast bestehen, Hauptsache prozig. Der Wappenrock ist, falls der :Plattenrock tailliert ist bzw. ein Lentner getragen wird, ebenfalls tailliert geschnitten, an den Seiten jedoch nur per :Schnürung geschlossen. Ebenfalls kann er Scheinärmel haben. Zaddeln sind auch sehr passend. Wird ein untaillierter :Plattenrock getragen, fällt der Wappenrock ab der Hüfte breit aus, um einen rockartigen Faltenwurf zu erzeugen.
  • :Bild(1346)

  • Deutsche Wappenröcke und Panzer

  • Englischer Wappenröcke mit Scheinärmeln

  • Englischer Wappenrock mit Zaddelärmelchen

  • Deutscher Wappenrock aus Brokat, 1371

  • Jupon und Steppwams Ab ca. 1365 (so genau weiß das keiner, wichtig ist nur: die darunter getragene Rüstung MUSS tailliert sein!) kann ein Jupon oder andersartiges Steppwams über dem Panzer getragen werden.
  • Das Jupon kann entweder 2-Lagig und ungesteppt sein; Aussenseite kann Wollstoff bis Goldbrokat sein. Ausserdem kann es ::auch wie ein Gambeson aus mehreren Lagen Leinen bestehen und abgesteppt sein. Das Joupon ist nie heraldsich verziert, das bedeutet, es trägt nicht das Wappen, wie ein Wappenrock. Die Wappenfarben können jedoch eingearbeitet sein (z.B. Mi-Parti, oder die Hauptfarbe des Wappens, muss aber nicht sein!).
  • Beispiel für ein einfaches Joupon

  • Joupon von Chartres, 1375(?)

  • Joupon von Chartres, Seitenansicht

Ab ca. 1380 kann die Brustplatte, sofern man eine trägt, auch übder dem Joupon getragen werden. Beispiel:

Der Helm

Als Helm eignet sich auschließlich die Beckenhaube. Diese besitzt ein abnehmbares Nasal oder ein flaches Klappvisier (Affenschnauze) oder ab 1370 ein Hundsgugelvisier. Die Beckenhaube hat in jedem Fall einen Kettenkragen, der an einem Lederstreien festgenäht ist, welcher wiederum mit Kloben und einer (Leder)Schnur am Rand des Helms befestigt ist. Der Kettenkragen kann auch mit einem (zuweilen abgesteppten) Überzug versehen sein, dieser kann auch aus edlem Stoff bestehen.

Der Helm ist mit einer gugelförmigen (ohne Zipfel versteht sich) Polsterung versehen, die im Helm festgenäht ist, damit sie nicht verrutscht. Die Polsterung kann im Bereich des Kragens auch schön farblich gestaltet sein, so dass bunter Stoff unter dem Kettenkragen hervor schaut. Eine Helmzier wird nicht angebracht.

Historisch passend wäre, seltener für die Schlacht und später mehr im Turnier benutzt, der Kübelhelm. Dieser wird ausschließlich über der Beckenhaube getragen und ist entsprechend groß. Dieser sollte wiederum unbedingt mit einer Helmzier versehen sein. Real wurde der Kübelhelm nur beim ersten Lanzenangriff getragen und danach abgenommen. Damit er nicht verloren ging, wurde er mit einer Rüstkette am Brustpanzer (sowohl Plattenrock als auch Lentner und Brigantine) befestigt und nach dem Abnehmen nach hinten über die Schulter gehängt. Das Joupon von Chartres (s.o.) weißt extra für diese Rüstkette ein Loch auf der Brust auf.

Rüstketten

Optional ist die Befestigung von sog. Rüstketten an der Brust des Plattenrocks und Lentners. Vier dieser Ketten waren am Plattenrock und Lentner befestigt und reichten zu Schwert, Schild, Dolch und Kübelhelm, damit diese Dinge während der Schlacht nicht verloren gehen konnten, sie waren eine Eigenheit der deutschen Rüstung und sonst kaum verbreitet. An den frühen Brigantinen lassen sich, wenn überhaupt, nur eine Rüstkette zum Kübelhelm finden (s.o.).

  • Zu empfehlen ist nur eine aus optischen Gründen zum Dolch, alles andere ist in höchstem Maße unpraktisch.

Rüstketten, überm Wappenrock getragen

Bewaffnung

Primärbewaffnung ist das einhändige Schwert, dazu wird der klassische Dreiecksschild getragen, dieser sollte jedoch nicht länger als 80 cm. sein. Handpavesen, ob mit oder ohne Mittelgrad, tauchen zwar erst ab den 1380er Jahren auf, sind jedoch mMn. in der Larplandschaft so selten, dass sie problemlos benutzt werden können.

Statt dem Schwert kann auch ein Streitkolben geführt werden. Zweitbewaffnung ist das Lange Schwert (im Larp meist Anderthalbhänder genannt).

Fernwaffen sind nur auf der Jagd zu verwenden.

Seltener wurden auch kurze Rabenschnäbel zum Schild oder auch kurze Stangenwaffen ohne Schild verwendet.

Schnittmuster

Cotardie

BildGesucht

Für die Surcotte wird das gleiche Schnittmuster benutzt, nur werden die Ärmel nach folgendem Schnittmuster genäht:

http://farm4.static.flickr.com/3253/3007705351_a5b2c22ac8_o.jpg

Beinlinge mit Fußteil

BildGesucht

Steppwams bzw. Pourpoint

Pourpoint Schnittmuster, beide können benutzt werden. Das Wams, welches unter der Cotardie und über dem Leibhemd getragen wird, hat den gleichen Schnitt, wie das obere Pourpoint, Ärmel sind dabei optional; es sollte aus zwei Lagen festem Leinen bestehen und Nestellöcher für die Beinlinge und ggf. Diechlinge aufweisen. Es wird mit einer Nestelschnur verschlossen.

Pourpoint Schnittmuster II- Schöne Seite mit guten Beispielbildern realer Tragweise des Pourpoints und gute Nähanleitung.

Beispielbilder

* Gunther von Schwarzburg, 1349. Man beachte den Wappenrock und das beschlagene Arm-und Beinzeug

GregorH. mit Ergänzungen von SaschaP


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