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LarpWiki: InteraktiveWunden

Interaktive Wunden

Wer als Heiler keine Lust hat, mit seinen Instrumenten immer nur in der Luft oder auf der Kleidung herumzufuhrwerken, kann sich "interaktive" Wunden basteln. Diese Wundattrappen kann man platzsparend zusammenrollen und so immer mit sich rumtragen.

Eine einfache Schnittwunde in einem Stück "Haut" so groß wie ein Taschenbuch eignet sich gut als einfacher Einstieg, den man einfach selber basteln und auch mit einfachen Mitteln gut im Larp behandeln kann.

Herstellung

Für die hier vorgestellte Version braucht man nur roten und hautfarbenen Stoff, transparentes Latex, Klebstoff und weißen Waffenschaumstoff. Für den roten Stoff wurde hier ein rotes Biberbettlaken und für den hautfarbenen Stoff Jersey benutzt, aber andere Stoffarten sollten es auch tun.
Die "Knochen" sind aus weißen Waffenschaumstoff geschnitzt und auf den roten Stoff geklebt; ein etwas zusammengeknüllter roter Stoffstreifen gibt, seitlich an den Knochen geklebt, einen halbwegs akzeptablen Muskel ab. Da die Farben so schon stimmen, braucht das Ganze nur transparent gelatext zu werden und sieht schon ganz nett aus.
Für die Haut wurde hautfarbener Stoff auf roten Stoff geklebt (ich hab dazu Latex benutzt, aber irgendein Kleber tuts sicherlich auch. Sprühkleber geht vermutlich ganz gut, dann verschiebt sich nix beim Einpinseln)und dann die hautfarbene Seite gelatext. Perfektionisten latexen die rote Seite auch noch. Die rote Stoffunterlage kann man auch weglassen, dann wird die Hautschicht eben etwas dünner. Wer wie ich die Unterseite der "Haut" rot haben möchte, kann sie auch rot latexen. Als Alternative zu Stoff kann man auch Latexmilch auf einer glatten Unterlage aushärten lassen und so eine Latex-Platte erhalten, die man verarbeiten kann, ebenso kann man helles Leder oder Wachstuch verwenden.
Jetzt noch einen Schnitt in die "Haut" machen, auf die Wundinnenseite legen und die Ränder mit einem Tuch verdecken.

Ich empfehle, das Tuch, das die Wundränder verdeckt, an der Wunde festzukleben, dann kann man die Wunde mit einem Handgriff auf dem Patienten platzieren und muss nicht erst groß drapieren.

Eine bebilderte Anleitung zum Bau einer einfachen interaktiven Wunde gibt es hier im "Ring der Heiler"-Forum.

Einkaufstip: Da es manchmal relativ schwierig sein kann, einen wirklich passenden hautfarbenen Stoff zu finden (roter Stoff hingegen ist eher problemlos und z.B. auch bei Ikea zu kriegen), ist es ein guter Tipp nach so genanntem Trikot-Stoff für Trikot-Puppen zu suchen, den bekommt man bereits in hautfarben in entsprechenden Geschäften für Puppenherstellung oder auch Bastelgeschäften. Trikot-Stoff ist meist ein Interlock-Jersey und relativ dick, eventuell hat man auch Glück und bekommt hautfarbenen Interlock oder den dünneren (Single-)Jersey im Stoffgeschäft. Trikot-Stoff wird u.a. von der schweizerischen Firma Glorex angeboten, fragt im Bastelgeschäft danach, mit Glorex können die meisten etwas anfangen, beachtet aber, dass dieser eventuell nicht ganz so günstig ist.

Ein Schnitt mit dem Skalpell:

http://larpwiki.de/uploads/Wunde1.jpg
Verdeckt man mit dem Unterarm die Öffnung, die noch nicht IT aufgeschnitten ist, und drückt den Einschnitt beim "Schneiden" mit dem Skalpell etwas auseinander, sieht das Schneiden verblüffend realistisch aus.

Blick auf den Brustkorb zum Richten gebrochener Rippen:

http://larpwiki.de/uploads/Hanount_Wunde6.jpg
Ohne rotes Latex und Topcoat erkennt man mehr.
Der gelbliche Teil der gebrochenen Rippe ist drehbar und mit einer Musterbeutelklammer befestigt. Um diese zu verdecken, einen Streifen Schaumstoff (möglichst so lang wie die ganze Rippe) oben auf die Rippe kleben; auf dem Bild ist der Streifen zu kurz und deutlich sichbar. Dann drüberlatexen, möglichst nicht so dick wie ich, sonst wirds zu gelblich (wie unschwer zu erkennen)
So sehen die Rippen ohne "Haut" drüber aus
Und so ohne Haut und ohne Farbe

Im Knochen steckende Pfeilspitze:

http://larpwiki.de/uploads/Wunde3.jpg
Ohne Haut drüber und einen Schritt weiter bearbeitet, mit rotem Latex und Topcoat

Hier sieht man die Stoffknüllmuskeln. Vorm Latexen einfach eine Kerbe in den Knochen schneiden, die Pfeilspitze kann man vor der Behandlung reinstecken und dann wunderbar heraus "meißeln".

Das Finish

Damit die Wunden nicht so sauber aussehen, empfehle ich

  • die Wunden innen mit Topcoat zu bestreichen, dann glänzen sie feucht, vorher rot gelatext sieht alles nass und blutig aus, ist in Wirklichkeit aber trocken und färbt nicht ab.
  • oder etwas Kunstblut in den Wunden zu verteilen, hierbei aber darauf achten, dass man dem "Patienten" nicht die Kleidung damit beschmiert. Wenn man die Wunden am Rand mit Tape oder ähnlichem versiegelt, kann man relativ sicher eine dünne Schicht Kunstblut zwischen die Gewebeschichten füllen.
  • um die Einschnitte herum kann man auch die "Haut"schicht etwas blutig gestalten, wenn man mag.

Zwischen Haut und Knochen kann man auch gut noch eine Schicht Muskeln oder Gewebe geben ...

Verbranntes Gewebe

http://larpwiki.de/uploads/Hanount_Wunde7.jpg
Die verbrannten Haut-/Gewebestücke kann man gut aus einer rot grundierten Wunde rausschneiden. Auf eine Basis (Stoff, Moosgummi, getrocknete Latexpfütze [auf einen glatten Untergrund gegossen und abgezogen]) mit Taschentuchfetzen und rotem Latex rummanschen, bis sich eine schöne unebene Fläche ergibt. Trocknen lassen. Mit einem Schwämmchen vorsichtig auf die erhabenen Stellen schwarzes Latex auftupfen, aber nicht zuviel nehmen. Wieder trocknen lassen. Zum Schluss an einigen Stellen ein wenig ( ! ) Topcoat auftupfen.

Schädelverletzung

Kopfwunde.jpg
Kopfwunde für eine Operation an einem NSC, hier ohne Kunstblut.

Die möglichen Behandlungsschritte waren: geschlossene Wunde abtasten und darunterliegende Fraktur und eingedrungenen Fremdkörper erfühlen, Kopfhaut (Fell) aufschneiden, großen Holzsplitter in der Wunde entfernen, unter die Schädelränder gedrücktes Schädelfragment zur Wundöffnung dirigieren und entfernen. Als besondere Gemeinheit gab es noch ein kleines Holzfragment, das kaum erkennbar unter die Hirnhaut gerutscht war und wegen dem ganzen Kunstblut eher ertastet als gesehen werden musste.

Die Wunde besteht aus mehreren Schichten:

Zuoberst eine Schicht Kaninchenfell aus einem alten Pelzkragen, das auf der Unterseite mit Acrylfarbe rot angemalt ist. Damit die Chirurgen was zu Schnippeln haben, wird die zugenäht.
Darunter kommt dann der Schädel, der besteht aus einer 3mm starken PVC-Hartschaum-Platte (Gibt es unter der Marke "Hobbycolor" in jedem Baumarkt), die mit heißem Wasser erweicht und in einer Schüssel in Form gedrückt wurde. Aus der wurde mit einem Cuttermesser mittig ein Stück Knochen herausgeschnitten und einige Risse eingefügt, und das ganze letztendlich noch mit Acrylfarbe knochenfarbig angemalt.
Darunter kommt ein Stück transparente Folie als "Hirnhaut", ich habe jetzt eine elastische gummiartige Folie genommen, zwischen der in einer Verpackung ein Teil eingespannt war, Frischhaltefolie oder ähnliches geht aber vermutlich auch. Diese ist auch dünn mit Acrylfarbe eingepinselt, um sie etwas matter zu machen.
Dann kommt das "Gehirn", das ist an der dicksten Stelle etwa 2-3cm dick, mit einem Cutter aus Styropor ausgeschnitten und mit mehreren Schichten Holzleim überzogen, um eine glattere Oberfläche zu erzielen, und dann ebenfalls mit Acrylfarbe bemalt.
Zuunterst kommt dann nochmal eine runde Platte PVC-Hartschaum, um das ganze abzschließen und zu verhindern, dass einem bei einem Rempler mit der Nähnadel oder dem Skalpell in die Kophaut gepiekt wird.

Vor der OP sind die einzelnen Schichten nur locker aufeinandergelegt, so dass man dazwischen noch einen Schwapp Kunstblut geben kann, das gibt eine sehr schöne, glitschige Konsistenz und das blutige Fell sieht wirklich fies aus. Abschließend wird alles versiegelt, indem man den Rand der Bodenplatte mit Panzertape an das Fell klebt, und mit einem Verband an den Kopf gewickelt. Noch besser wäre hier wohl, den Verband direkt an das Fell zu nähen, das dürfte das Positionieren einfacher machen.
Nach dem Spiel sollte man die Wunde auseinandernehmen, das Kunstblut abwaschen und gut trocknen, dann kann man sie problemlos wiederverwenden, nur die "Hirnhaut"-Folie sollte eventuell durch eine frische ersetzt werden.

Weitere Ideen

Die einfachste Art einer Wunde wäre roter gelatexter Stoff, ggfs. mit Kunstblut oder Topcoat drauf unter gelatextem hautfarbenen Stoff mit Schlitz drin. Passt in die kleinste Gürteltasche und ist perfekt für Patientenversorgung außerhalb des Lazaretts, wenn man nicht viel Zeug dabei hat
Da kann man nun noch Kettenringe, Knochensplitter, Steinchen, Aststückchen, Laub o.ä. reinstreuen und bei der Behandlung mit einer Pinzette die Wunde säubern.

Wenn man Klettband oder Bänder annäht, kann man die Attrappen praktisch an Arm oder Bein befestigen und das Wegrutschen verhindern.

Pfeilspitzen können anstatt in Knochen auch wunderbar in Muskeln stecken.

Mit spitzen Nadeln kann man die "Haut" tatsächlich zunähen, das geht besonders gut mit gebogenen Polsternadeln, allerdings sollte man die Löcher ggfs. vor der ersten Benutzung vorstechen; der Stoff wird durchs Latex recht zäh. Oder man lässt einen Teil der Stoffkante ungelatext.

Um Muskeln darzustellen kann man auch kurze Stücke roter Wolle nehmen und die zu dickeren "Würsten" zusammenlegen. Hier sollte man dann allerdings ggf. mehrmals (und, um zu verhindern dass es dadurch zu weißlich/gelb wird, ggf. mit roter Farbe vermischt) drüber latexen, damit die Fäden nicht so gut einzeln zu erkennen sind. In jedem Fall ist bei Muskeln zu beachten, kein Gewebe zu nehmen, das seitlich ausfranst, das sieht nie gut aus.


Hana, ergänzt von ChristianSpalthoff