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LarpWiki: LarpWaffenBau

Larp Waffen Bau

Anmerkung: Dies ist keine ausführliche Anleitung zum Polsterwaffenbau sondern nur eine Stichwortsammlung zu einigen verwendeten Materialien und Techniken. Ausführliche Anleitungen finden sich bei den Links auf LarpWaffen.

Kernstab

Kernstäbe bestehen aus Wiki: GFK (glasfaserverstärktem Kunststoff), üblicherweise werden bei Kurzwaffen rechteckige Stäbe mit 10x12 mm, seltener auch 8x12 mm, verbaut. In Dolchen auch dünnere Stäbe. Langwaffen wie Kampfstäbe, Hellebarden, etc. enthalten i.d.R. einen GFK-Rundstab (14-20 mm Durchmesser).

Einige wenige Anbieter von Bastelmaterial bieten auch gebogene Kernstäbe aus GFK an. Diese sind aufgrund der aufwändigen Herstellung deutlich teurer (ca. 20 EUR). Man kann solche GekrümmteKernstäbe aber auch selber bauen. (Die Idee, gekrümmte Kernstäbe durch Aussägen aus einer GFK-Platte herzustellen, ist grober Unfug, da der so entstandene Kernstab sehr schnell durchbricht. Beim Aussägen aus der Platte werden die Fasern zwangsweise durchtrennt und somit das innere Gefüge zerstört.)

Beim Sägen von GFK-Stäben sollte ein Atemschutz getragen werden, da der Feinstaub lungengängig ist. Es empfiehlt sich, die Enden mit Kreppband abzukleben und dann erst zu sägen, dies verringert das Ausfasern der einzelnen Glasfasern. Beim Verarbeiten von GFK sollten unbedingt Handschuhe getragen werden, da abgebrochene Glasfasern sehr spitz sind und sich leicht Splitter bilden. Splitter wirken wie eine winzig feine Nadel, tun höllisch weh und müssen mit einer feinen Pinzette entfernt werden.

Schaumstoff

Die am weitesten verbreiteten Schaumstoffe im Larpbereich sind Plastazote und Evazote von Zotefoams. Beide wurden für die Stoßabsorption optimiert, sie finden u.a. in Protektoren im Sport und der Medizin Verwendung. Beide Sorten gibt es in unterschiedlichen Dichten, und demnach mit unterschiedlichen Energieabsorptionseigenschaften. Im Larpwaffenbau sind Dichten von 30 - 50 kg/m³ gebräuchlich. Handelsüblich sind Platten (1x2 m) mit einer Dicke von 3, 6, 10 mm. Es gibt auch 8er Platten, aber die sind seltener. Die Polsterung sollte an der Schlagkante mindestens 10 mm dick sein, an der Breitseite mindestens 6 mm.

Plastazote

Plastazote ist ein geschlossenzelliger, vernetzter Polyethylen-Schaumstoff.

Evazote

Evazote ein geschlossenzelliger, vernetzter Ethylen-Copolymer-Schaumstoff.

Rohrisolierung

Für Stäbe, die im Kern aus einem Rundstab bestehen, wird oft Rohrisolierung aus dem Baumarkt benutzt. Das funktioniert zwar, jedoch kann es passieren, dass die Rohrisolierung schon nach wenigen Einsätzen Defekte (dauerhaft eingedrückte Stellen) aufweist. Je nach geplanter Einsatzhäufigkeit bietet sich als Alternative an, Schaumstoffplatten (s.o.) um den Kernstab zu rollen.

Klebstoff

Pattex

Pattex ist ein universeller Kraftkleber. Da Pattex Lösungsmittel ausdünstet, darf er nur in gut gelüfteten Räumen verarbeitet werden.

Das beste Arbeitsergebnis erzielt man, wenn man den Schaumstoff mit Sandpapier zuerst leicht anraut und sich genau an die Anleitung auf der Dose hält, d.h. beide Klebeseiten vollständig, dünn und gleichmäßig mit Klebstoff bestreicht. Dann muss das Pattex antrocknen, d.h. wenn man drauffasst, sollte es kaum noch klebrig sein (je nach Temperatur ca. 5-12 min Trocknungszeit). AndrejPfeifferPerkuhn hat es mal so formuliert: "Wenn du denkst, das klebt im Leben nicht mehr, dann ist es genau richtig". Anschließend müssen die Teile passgenau aufeinander gelegt werden, nachträgliches Verschieben ist unmöglich! Dann mit möglichst viel Kraft die Teile zusammenpressen, je mehr Kraft (z.B. das eigene Körpergewicht) desto besser.

Kövulfix

Kövulfix ist ebenfalls ein universeller Kraftkleber, quasi die Profiversion von Pattex. Da es sich ebenfalls um einen Kontaktkleber handelt, gelten dieselben Verarbeitungsmethoden. Die Konsistenz ist etwas dünnflüssiger als bei Pattex Classic, die Klebwirkung dafür enorm stärker.

Latex

Latex ist ein Naturprodukt (Kautschuk). Der Schaumstoff wird mit Hilfe des Latex vor dem Eindringen von Feuchtigkeit geschützt. Latex unterliegt einem natürlichen Alterungsprozess, der durch verschiedene Faktoren beschleunigt werden kann. Hierzu zählt der sogenannte LatexKrebs.

Verarbeitungshinweise

  • enthält Ammoniak, das Einatmen ist gesundheitsschädlich
  • Gut lüften, nicht in geschlossenen Räumen verarbeiten
  • Latex lässt sich nicht aus Kleidung entfernen, alte Klamotten tragen
  • Latex lässt sich sehr gut von glatten Oberflächen (z.B. Fliesen) abziehen
  • kleinste Verunreinigungen (z.B. Schleifstaub in Pinsel oder Deckel der offenen Dose) können einen ganzen Liter Latex stark verfärben

Farbbeimischungen

Für Grundfarben ist Abtönfarbe aus dem Baumarkt (z.B. von Faust) geeignet. Einfach die benötigte Menge an Farbe der Latexmilch beimischen.

Für einen Metall-Look muss man bestimmte Farben verwenden, weil sich nicht alle mit Latex vertragen (manche Metallpigmente verursachen LatexKrebs). Die Pigmente vom Marketender sind unkritisch, Farben von Marabu und Games Workshop sind auch geeignet. Achtung, manche Metallfarben decken nur sehr schlecht und benötigen daher sehr viele Farbschichten (auf Grundierung achten).

Zum Verdünnen eignet sich ganz hervorragend Salmiakgeist aus dem Baumarkt. Alkohl ist als Verdünnung ungeeignet.Alkohol/Spiritus/Ethanol führt zu einer sofortigen Vernetzung des Flüssiglatex. Man kann geringe Mengen Wasser (kalkfrei) beimischen. Pulverpigmentfarben sollte man erst in Salmiakgeist oder Wasser auflösen und dann Latex hinzufügen. Rührt man Pigmentpulver direkt unter Latex, rührt man auch die zwischen den Pulverkörnen befindliche Luft unter, was auch zu einem vorschnellen Vernetzen des Latex führen kann.

Anstrich

Das Latex wird vorzugsweise mit einer Schaumstoffrolle auftragen. Ein Pinsel geht natürlich auch, aber mit einer Rolle wird der Anstrich gleichmäßiger. Die Farbschicht muss gut trocknen (Fönen verkürzt die Trocknungszeit), dann wird die nächste Schicht aufgetragen, usw. bis man 6-10 Schichten hat. Man kann zuerst Grundieren (z.B. 5-8 Schichten in Schwarz) und dann nur die letzten 1-2 Latexschichten mit Metallfarbe auftragen, das spart teure Metallicfarbe. Ggf. sollte man zwischendurch den Pinsel/die Rolle auswaschen, um angetrocknete Latexklumpen zu entfernen, oder gleich den Pinsel bzw. die Rolle komplett wechseln.

Tauchen

Anstatt jede Waffe einzeln anzustreichen, können Waffen auch im Tauchverfahren mit Latex beschichtet werden. Hierzu wird ein dünnes Rohr mit Latex gefüllt und der Rohling mehrmals eingetaucht (zwischendurch Latexschicht trocknen lassen, wieder tauchen, usw.). Der Latexverbrauch hierbei ist allerdings recht hoch, so dass sich diese Methode nur bei einer relativ großen Stückzahl an Waffen lohnt.

Schütten

Dies funktioniert ähnlich dem Tauchen. In der Keramik wird das auch heute noch als Glasierverfahren genutzt. Anstatt die Waffe in das Latex zu tauchen wird mit einem kleineren Gefäß Latex aus dem Hauptbehälter geschöpft und über die Waffe gegossen. Der überschüssige Rest läuft zurück in den Hauptbehälter. Bei stark verzierten Teilen vorher testen, da es zu Läufern kommen kann. Gibt aber keine sichtbaren Pinselstriche und der Latexverbrauch hält sich in Grenzen.

Sprühen

Diese Methode ergibt die beste Oberflächenqualität. Die meisten komerziell erhältlichen Waffen sind gesprüht. Hierbei sollte unbedingt eine Atemschutzmaske und Augenschutz getragen werden, damit der feine Latexnebel nicht eingeatmet wird!

Oberflächenversiegelung

"Coaten" ist "denglisch" für einen Lacküberzug aus flexiblem Polymerlack. Die Oberflächenversiegelung sorgt dafür, dass das Latex nicht kaputtgeht und länger hält. Ausserdem sorgt er gut für Glanz. In Verbindung mit Siliconspray spart man sich Talkum (wird nie wieder gebraucht) und gut ist. Waffenpflege wird somit "fast" überflüssig. Am häufigsten werden "Isoflex" und "Coetrans" verwendet. Auch Topcoat / Top-Coat von LARP-Armoury ist in Gebrauch.

Isoflex

Isoflex ist eine Grundierung (Primer) für PU-Anstriche (PU = Polyurethan-Lacke). Die Konsistenz von Isoflex ist in etwa wie Milch. Zur Lagerung von Isoflex reicht es, die Dose gut zu verschließen (hält bei mir seit ca. einem 3/4 Jahr so bei regelmäßiger Nutzung).

Coetrans

Coetrans ist eine Terassenbeschichtung auf PU-Basis, wird aber auch viel im Bootsbau eingesetzt und für Versiegelung im allgemeinen. Er läuft unter der Firmenbezeichnung "Coetrans" oder "Coelan Bootsbeschichtung" und kann in kleineren Gebinden aus Yachtbau Läden bezogen werden(Adressen in jeder "Yacht" Zeitung) oder von der nächstliegenden Coelan-Vertriebsstelle, deren Adresse man auf E-Mailanfrage über die Webseite erhält. Er ist teuer, aber schützt besser und sieht besser aus als Tapetenlack. Die Konsistenz von Coetrans ist in etwa wie dünner Honig.

Für Coetrans gibt es einen speziellen Verdünner (welcher aber nur wasserfreie Nitroverdünnung ist). Man sollte Coetrans aber nicht zu stark verdünnen, da es dann nicht mehr aushärtet und über Monate klebrig bleibt.

Die maximale Dehnung liegt laut Coelan Datenblatt bei 300%. Die Dehnbarkeit des fertigen Überzuges hängt von der Verarbeitung ab. Unverdünntes Coetrans ergibt hinterher einen relativ dehnbaren Überzug (jedoch weniger Dehnbar als Latex). Allerdings kann hierbei der Schutzlack-Überzug recht dick und insbesondere bei kälteren Temperaturen ziemlich hart werden, was man insbesondere bei der Zahl der Latex-Schichten berücksichtigen sollte, vor allem wenn man in Gebieten spielt, wo härtere Waffen misstrauisch beäugt werden. Verdünnt man das Coetrans vorher etwa 1:1 mit dem Verdünner, so erhält man wesentlich dünnere Lack-Schichten, allerdings auf Kosten der Überzug-Elastizität. Für normale Beanspruchung reicht es aber trotzdem allemal. Gleiches kann für den letzten Rest aus der Dose gelten, der schon x-mal mit Verdünner überschichtet wurde.

Zur Lagerung von Coetrans empfiehlt es sich die benötigte Menge zu entnehmen, den Lack dünn mit dem Verdünner zu überschichten und die Dose wieder verschließen. Die Haltbarkeit eines angebrochenen Gebindes von Coetrans kann man deutlich verlängern, indem man vor dem Wiederverschluss mit einem Fön etwa 5 Sekunden in die offene Dose bläst, damit verringert sich die Luftfeuchtigkeit in der Dose. Danach sofort den Deckel drauf.

Top-Coat

Manche Anwender glauben in diesem Produkt vorverdünntes Coetrans zu erkennen, nach Angaben des Alleinvertriebs handelt es sich jedoch um einen speziell auf den LARP-Waffenbau abgestimmten Flüssig-Kunststoff. Die detaillierte Zusammensetzung ist Betriebsgeheimnis. Von der Konsistenz her ist er mit Latexmilch zu vergleichen, obwohl man die Schichten leichter sehr dünn machen kann. Hat man den Top-Coat erstmal angebrochen, muss man die Dose fest zudrehen und auf den Kopf stellen. Laut Packungsaufschrift hält es sich dann nicht allzu lange (genaue Zeit kann ich bald angeben). Vom Preis her liegt Top-Coat gut beim doppelten von Isoflex. Es bleibt sehr flexibel und ist ansonsten relativ unauffällig (die Waffe glänzt nicht mehr oder weniger als vorher).

Vergleich

  • Alle 3 sind Lacke auf PU-Basis, welche Isocyanate enthalten, also nicht ganz gesund sind, solange sie aushärten.
  • Coetrans ist härter als Isoflex, ist dafür nach einem Tag aber klebfrei. Nach Herstellerangaben, Auskunft der Schatzkammer und Erfahrungen von Anwendern trocknet Isoflex innerhalb weniger Stunden bis einem Tag. Vereinzelten Berichten zufolge kann es bis zu einer Woche dauern, bis der Lack nicht mehr klebrig ist. Top-Coat ist innerhalb von einer Stunde getrocknet und klebt nach 1,5 Stunden gar nicht mehr.
  • Isoflex neigt nicht wie Coetrans zum reißen an belasteten Stellen, da Isoflex elastischer ist. Belastungstechnisch liegt Top-Coat etwa bei Isoflex (Fremderfahrung)
  • Lagertechnisch ist Isoflex unproblematischer, solange die Dose gut schließt, Coetrans neigt dazu schon mit dem Wasser der Luft auszuhärten.
  • Beschaffungsmäßig ist Coetrans leichter, da der Vertrieb in DE erfolgt. Isoflex bekommt man beim Marketender (Generalimporteur) oder bei der Schatzkammer. Top-Coat ist ausschließlich über LARP-Armoury zu beziehen.
  • Von den mechanischen Eigenschaften her bevorzugen einige Leute Isoflex. Es ist besser zu verarbeiten, leichter zu lagern, muss nicht verdünnt werden, bleibt elastischer, macht die Waffen nicht sehr viel härter. Mit Top Coat verhält es sich ähnlich, wobei die Lagerung problematischer ist.
  • Isoflex und Coetrans können bei zu dickem Auftrag gelblich werden. Zu Top-Coat gibt es keine Erfahrungen.

Section31 (ed.), Holger, RobertWaldhans, DennisStirnberg, BerndNeumann, PhilipS


Siehe auch LarpWaffenPflege, BezugsQuellenLarpwaffen und Bastelmaterialien

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