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Fotos für Dagewesene

Gelegentlich möchte ich mir Bildergalerien mit Con-Fotos ansehen, habe aber nach drei Bildern den Impuls, die Galerie wieder zu schließen. Nicht, weil die Bilder per se (etwa technisch) schlecht wären, aber weil sie schlicht und ergreifend langweilig sind.

In einem Tutorial zur Bildgestaltung habe ich mal den grandiosen Satz gelesen: "verwechsle nicht Bilder von interessanten Dingen mit interessanten Bildern!" Für viele LARP-Bilder muß man sogar noch einen Schritt früher ansetzen und mahnen: "verwechsle nicht Dinge, die Dich interessieren mit interessanten Dingen."

Da macht jetzt jemand auf einem Con Fotos von Dingen und Spielszenen, die ihm gerade in dem Moment interessant erscheinen. Ob diese Dinge später für jemanden interessant sind, der nicht dabei war, ist damit noch lange nicht gesagt.

Da die meisten in erster Linie spielen, entsteht das Foto hektisch, nebenbei, ohne große Konzentration. So entsteht von einer Szene, die vielleicht schon per se nur mäßig spannend ist, ein uninspiriertes Foto. Schlechte Winkel, weil man aus der zweiten Reihe knipst. Zu weite Ausschnitte, weil man nicht nah genug dran ist. Störende Motivelemente im Hinter- oder Vordergrund. Rücken- oder Seitenansichten. Gruppen, die gar nicht zu interagieren scheinen. Personen, die nichts spannendes tun aber auch keine gute Pose für ein Portrait einnehmen.

Eine Galerie voller solcher Bilder ist völlig uninteressant für Leute, die nicht dabei waren und selbst Teilnehmer der Veranstaltung blättern vermutlich die Galerie nur schnell durch, ob sie Bilder von sich oder ihrer Gruppe finden. Überhaupt scheint das höchste Lob für ein LARP-Foto zu lauten: "geil, da sind wir ja drauf!" Denkt man dieses Prinzip konsequent zu Ende, wären die spannendsten LARP-Fotos Totalen von der versammelten Spielerschaft bei der SL-Ansprache.

Manchmal merkt man auch den Kommentaren zu einem Bild an, wo der Hase im Pfeffer liegt. Da sieht man ein völlig ödes Foto einer Waldlichtung mit einer halb aufgebauten Deko und jemand kommentiert "Geil, der Ritualplatz. Da hat ja Freitag Nacht Tharala'aruviel den großen Watz beschworen. Das war toll!". Interessant ist hier nicht das Bild, sondern die Erinnerung, die es heraufbeschwört. Für Dritte ist das Bild völlig belanglos und nichtssagend.

Wenn ich diesen Gedankengang äußere, bekomme ich oft zu hören, daß eben niemand mit einer guten Kamera vor Ort war. Die Faktoren, die Bilder langweilig machen, haben aber fast überhaupt nichts mit der Kamera zu tun. Natürlich kann eine schlechte Abbildungsleistung beitragen, aber ein uninspirierter Bildaufbau wird auch mit einer Profikamera nicht besser.

Der Schlüssel ist eben einerseits sich ein wenig auf die Aufnahme zu konzentrieren und sich Gedanken um einen ansprechenden Bildaufbau zu machen. Mit etwas Übung geht das bald auch ohne einen mühseligen, bewußten Prozeß ganz gut. Andererseits sollte man versuchen, bei der Auswahl der Bilder vor dem Hochladen, jedes Bild nochmal mit einer gewissen Distanz zu betrachten und nicht slber in die Falle zu tappen, das Bild für interessant zu halten, weil man selber "dabei war".

Schaut man sich Bilder von Leuten wie Kelric, Nabil oder Boolk (und glücklicherweise einer wachsenden Anzahl weiterer Leute) an, so sind die in der Regel auch dann spannend, wenn man nicht auf den Veranstaltungen war und die Leute auf den Fotos nicht kennt. Weil diese Leute sich um einen spannenden Bildaufbau bemühen und interessante Szenen oder wenigstens Portraits mit einer gewissen Spannung ablichten (oder zumindest auswählen ;-) und die Kamera nicht nur "draufhalten".

Natürlich ist es auch völlig legitim, einfach Erinnerungsschnappschüsse für Dabeigewesene zu machen, aber schöner für Dritte ist es, wenn die Bilder an und für sich interessant sind und nicht nur Erinnerungen an Interessantes wecken.

Siehe auch: Photographieren