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LarpWiki: RollenErarbeiten

Rollen Erarbeiten

Der erste den Schritt, den man besonders gut zwischen den Spielen vorbereiten kann und sollte, ist die Rolle zu finden. Wichtig ist, seine Rolle so gut zu kennen, dass man nicht mehr groß überlegen muss, was sie in dieser Situation tut, sondern dass es für diese Rolle nur einen möglichen Weg gibt. Ich kenne das aus dem P&P sehr gut und habe es da auch als leichter empfunden. Da war bei vielen Aktionen meine Reaktion fast schon zwingend, weil der Charakter der Rolle diesen Weg vorgab. Beim LARP fiel es mir schwerer, da ich nicht mit einer Distanz meine Aktionen beschrieben habe, sondern sie direkt ausführen musste. In der ersten Zeit der Schauspielschule haben wir vor allem uns selbst in verschiedenen Situationen gespielt. Nach und nach haben wir uns immer mehr davon gelöst und uns mit anderen Figuren ausprobiert. Ich meine auch, dass im Entwickeln der Rolle ein Großteil der Probenzeit liegt. Ein Stück durchzustellen und Abläufe einzustudieren kann man erheblich schneller als in sechs Wochen, jedoch brauche ich für das Lebendigwerden der Rolle Zeit. Nach drei Wochen möchte ich schon mal einen Rahmen haben, in dem sie sich bewegt. Ich muss sie schon mal erlebt/gespürt/zum Leben erweckt haben. In der Endprobenwoche sollte der Prozess abgeschlossen sein, und ich sollte mich gut mit ihr auskennen - Sie sollte leben.

Dabei hilft mir:

Fangt nicht bei den Extremen an; ihr werdet zwangsläufig scheitern. Fangt bei euch an, findet erstmal heraus, was eure Stärken sind, was ihr gut könnt und spielt diese erstmal gut. Probiert euch dann nach und nach aus. Arbeitet mit anderen zusammen - das Feedback ist zur Überprüfung wichtig. Talent ist sehr hilfreich und wenn ihr nicht reich damit gesegnet seid, dann quält euch nicht. Bedient eure Stärken, das reicht vollkommen aus und ist tausendmal besser als ein anspruchsvoller, aber unglaubwürdiger Charakter. Wenn die anderen euch nicht glauben, ist nichts gewonnen.

Hintergrundwissen

Wie ist die Epoche oder das Fantasy-Szenario, in dem die Figur lebt, beschaffen? Welche geistige Haltung wird dort vertreten? Wie stehen die Wesen zu der Welt, die sie umgibt? Was denken, fürchten, ersehnen die Leute? Was muß ich für meinen Beruf bzw. meine Charakterklasse wissen? Was sind die grundlegendsten Fachbegriffe in meinem Beruf oder meiner Klasse?

Ich habe den Eindruck, dass diese Art der Vorbereitung im LARP schon recht weit verbreitet ist. Dabei kann das Arbeitsmaterial ganz unterschiedlich aussehen. Schaut Reportagen, seht stimmige Filme, lest Fantasyliteratur, historische Romane oder auch gerne Geschichtsbücher, konsultiert Nachschlagewerke, sammelt alles, was Euch nützlich erscheint - Ihr werdet nach und nach in den Hintergrund der Rolle eintauchen.

Was für einen Charakter habe ich

Hier legen wir Schauspieler besonders viel wert drauf. Was für Charaktereigenschaften habe ich? Bin ich leicht aufbrausend oder eher ruhig, wann werde ich traurig und wann aktiv? Was für Träume und Wünsche habe ich? Hierbei hilft es sehr, sich zu fragen, wer man selbst (also der Spieler selbst, also DU) in Wirklichkeit ist. Ich behaupte, dass ganz viele Menschen es nicht wirklich wissen. Wenn ich nur von mir ausgehe, dann habe ich mich durch die letzten Jahre, in denen ich mich immer wieder durch die Arbeit mit mir auseinandergesetzt habe, sehr viel besser kennengelernt; aber trotzdem habe ich immer noch keine eindeutige Antwort. Ich erahne, dass es sie auch nicht gibt, und ich ein Leben lang danach suchen darf. Für mich ist das aber auch einer der spannendsten Seiten der Schauspielerei: Viel über sich selbst zu erfahren. Denn wenn ich weiss, dass ich eher schüchtern, schreckhaft und harmoniebedürftig bin, dann wird es mir schwer fallen, einen arroganten, cholerischen Schwätzer zu spielen. Es geht schon, aber man macht sich das Leben nicht leicht damit, und für einen durchschnittlich talentierten Anfänger ist es zum Scheitern verurteilt. Es wird von meinen Mitspielern schlicht nicht geglaubt.

Körperlichkeit

Unseren Körper haben wir, und wir können ihn in der äußeren Form nicht wirklich verändern. Man kann sich ein Bein hochbinden, um ein abgeschlagenes zu simulieren, man kann sich einen Bauch umschnallen, um eben jenen dicker werden zu lassen u.s.w. - aber abgesehen von diesen äußerlichen Hilfsmitteln, sind wir erstmal in unserem eigenen Körper gefangen. Die Art und Weise jedoch, wie wir unseren Körper einsetzten, ist uns überlassen. Für die Figur stellen sich beispielsweise folgende Fragen: Wie aufrecht gehe ich? Wie geschmeidig bewege ich mich? Habe ich körperliche Gebrechen? Wie schnell bin ich? Habe ich hängende Schultern? Halte ich meinen Kopf leicht schief? Auch hierfür ist eine Selbstbeobachtung, wie so oft im Schauspiel, unerläßlich. Nur wenn ich weiss, wie ich persönlich mit meinem Körper umgehe, dann kann ich auch bewußt eine andere Körperlichkeit wählen. In der Regel würde ich jedoch schlicht von mir ausgehen und meiner Figur die selbe Körperlichkeit verpassen. Wenn man sich jedoch dazu entschließt, sich anders zu halten und zu bewegen, dann sollte man es auf jeden Fall zu Hause üben. Nehmt Euch einen Raum, in dem ihr ungestört seid, und probiert Euch aus. Wie fühlt sich was an, und welche Auswirkungen hat es auf mich und meine Figur? Macht Spaziergänge mit der Figur, wo ihr Euch unbeobachtet fühlt. Sehr oft strahlt dieses neue Körpergefühl auch auf den Charakter der Figur aus. Einfach ausprobieren und in sich reinhorchen.

Status

Eine schöne Erweiterung, um der Figur eine klarere, bewusst gesteuerte Form zu verleihen, ist die Statusarbeit. Status bedeutet soziales Niveau, und das ist nicht zwangsläufig an Macht oder Besitzt gekoppelt. Fürs Schauspiel unterscheiden wir zwei Status: den Hoch- und Tiefstatus. Es liegt keine Wertung im Status. Jeder Status ist eine Schutzhaltung: Der Hochstatus sagt: „Schlag mich nicht, du kriegst es doppelt zurück“, während der Tiefstatus ausdrückt: „Schlag mich nicht, es lohnt sich nicht“. Der Status einer Person verändert sich, je nach dem, mit wem es die Person zu tun hat, oder in welcher Situation sie sich befindet.

Der Hochstatus: Menschen im Hochstatus sind selbstsicher. Sie nehmen sich Raum. Ihr Körper ist offen und aufgerichtet. Sie schauen anderen in die Augen und halten den Blick. Ihre Fußspitzen sind weit auseinander. Sie sprechen langsam, sie nehmen sich in allem Zeit. Ihr Selbstvertrauen und Gelassenheit sind nicht zu überbieten.

Der Tiefstatus: Menschen im Tiefstatus sind unsicher. Sie machen sich klein. Ihr Körper ist verschlossen und kleingemacht. Sie schauen anderen nur ganz kurz in die Augen und können keine Blicke halten. Ihr Fußspitzen sind zusammen. Sie sprechen schnell, die wollen keine Zeit stehlen. Sie wollen nicht auffallen, also sprechen sie nicht zu laut. Sie machen viele Übersprungshandlungen. Sie wollen keine Last sein.

Das sind zwei Extremformen, die so rein nicht oft vorkommen, aber in jedem von uns stecken Ansätze von einem von beiden. Man passt sich automatisch dem Status der anderen an, d.h. beispielsweise, wenn zwei Hochstatus aufeinanderprallen, wird sich einer von beiden leicht unter den anderen einordnen. Das passiert in jeder Gruppe ständig, zig mal am Tag. Es ist sehr hilfreich, sich für seine Figur einen Grundstatus rauszusuchen. Ganz offensichtliches Beispiel: Der König im Hochstatus. Er regiert souverän über sein Volk, alle achten ihn, er hat die totale Kontrolle, alle springen auf sein Wort - also die größte anzunehmende Selbstsicherheit. Dieser Grundstatus kann natürlich erschüttert werden. Wenn der König vom Tod seiner geliebten Kinder erfährt und merkt, dass seine Frau mit seinem engsten Vertrauten durchgebrannt, sein Lieblingsschloß abgebrannt und seine Mutter verbannt ist, dann kann es leicht passieren, dass er sich als der kleinste Mensch auf Erden fühlt, und es für den Moment um seinen Hochstatus geschehen ist. Er wird ihn vielleicht wiedererlangen, aber ob er auch wieder die alte Höhe erreichen wird? Es kann dann leicht sein, daß ein Landstreicher, der sich frei und unabhängig fühlt, viel herumgekommen ist und viel über sich erfahren hat, einen viel höheren Status hat, wenn er auf diesen elenden König trifft. Status sagt viel über die Person aus. Sucht nicht die Extreme, sondern einen leichten Tiefstatus, oder einen mittleren Hochstatus. Auch hier gilt: probiert euch aus, am besten mit anderen und schaut, wie sich die Status zueinander verhalten.

Beziehung zu anderen Menschen

Für ein Theaterstück ist es sehr wichtig, sich bewusst zu machen, wie welche Person zu welcher in was für einem Verhältnis steht. Auch wenn wir im LARP das höchstens auf die Gruppe, mit der wir reisen, wirklich vorbereiten können, so ist es trotzdem hilfreich, sich über diesen Aspekt Gedanken zu machen. Ganz wichtig ist das Verhältnis zu den Eltern. Und auch wenn sie schon tot sind, so hatte man zumindest ein Verhältnis, das die Figur sehr geprägt hat. Daraus können sich Motivationen für die Figur ergeben. Wie viele Geschwister hatte man und wie war das Verhältnis? Welche Personen haben mich beeinflusst oder tun es noch immer? Wie stehe ich zu Autoritäten? Wie zu tiefer gestellten Personen? Alle diese Fragen werden die Rolle klarer und lebendiger heranrücken lassen. Entscheidungen werden dadurch offensichtlicher.

Sätze zurechtlegen

Sätze, die man sich für die Figur zurechtlegt, kann man auf zweierlei Weise verwenden.

Die 1. ist eine ganz praktische: Wenn ihr der Meinung seid, in der Spielwelt eine besondere Sprache verwenden zu müssen, dann ist uns diese oft nicht so vertraut wie unsere eigene. Begrüßungen, Danksagungen, Schimpfwörter, Flüche u.s.w. sollte man sich vor dem Spiel zurechtlegen und auch üben, damit wir sie im Spiel lockerer und natürlicher von der Zunge bekommen.

Die 2. Weise betrifft die Figur: Jeder Mensch drückt sich in einem gewissen Stil aus. Ich gebe mit diesem Text ein schönes Beispiel dafür ab. Jeder Mensch verwendet Standartphrasen, die er immer wieder als Füllsel oder Standartantwort gibt. Sucht solche Füllsel, die zu Eurer Figur passen. Am besten eine Sammlung von ca. 4 bis 5, die ihr je nach Situation ablassen könnt. Beispiele aus meinem Sprachgebrauch: „Da steckt man nicht drin“ „derbe“ „Fuck“ „Mir egal“...Wenn ihr allerdings anfangt, euch nur noch oder überwiegend mit diesen Sätzen auszutauschen, dann habt ihr was gehörig falsch gemacht. Findet typische Sätze für Eure Figur, aber planiert sie nicht damit zu.

Typische Haltung finden

Beim Finden einer Rolle ist es schon mal ein wichtiger Ansatz, wenn man eine typische Haltung für diese gefunden hat. Das kann eine wirkliche Körperhaltung, geistige Haltung, charakteristische Stimme, typische Bewegung oder häufig verwendete Phrase sein. Gerade bei Rollen, die mir nicht so liegen, hilft es, sich von etwas auszubewegen, das man schon hat. Wenn diese „typische Haltung“ stimmt, dann suche ich von da aus weiter. Wenn ich meine Figur verloren habe, gehe ich wieder zum sicheren Land zurück und versuche erneut neues Terrain zu finden. Gerade beim Improspielen wird es leicht passieren, daß man seine Figur verliert und man zu privat wird, dann kann es sehr hilfreich sein, sich eine „typische Haltung“ der Rolle wieder ins Gedächtnis zu rufen. Oder wenn man viele unterschiedliche Charaktere spielt und man sich erinnern muss, wie denn der einzelne jetzt unterwegs war, dann hilft diese Methode beim wiederfinden der gespielten Figur. Überlegt euch eure typische Grundhaltung auch bei Rollen, die ihr schon sicher gespielt habt - sie wird euch die Grundzüge eures Charakters klarer vor Augen führen.

Tier als Vorbild

Eine Idee aus dem Method Acting : Nehmt euch für euren Charakter ein Tier als Vorbild. Studiert die Körperhaltung, die Bewegungscharakteristiken, den Charakter eures Vorbildtieres. Versucht euch in die Seele des Tieres hineinzuversetzen, mit dem Tier zu denken und zu atmen. Probiert euch als das Tier aus. Versucht, die Bewegungen nachzuahmen, euch so zu bewegen wie das Wesen. Geht dahin, wo euch niemand sehen kann, und werdet extrem. Tut nicht nur so, sondern werdet das Tier. Schnüffelt, bellt, knurrt, kratzt, schabt, beißt, leckt... wie euer Muster. Danach lasst das Geschöpf Mensch werden (wer TMNT kennt, kann sich das gut vorstellen). Was bleibt noch übrig von dem Vorbild? Welche charakteristischen Bewegungen? Welches Temperament? Was für eine Köpergrundhaltung hat nun das Wesen? Je nach Figur, die ihr spielen wollt, solltet ihr euch erheblich oder eben weniger von der Vorlage wieder entfernen. Um klare Beispiele zu nennen: Ein im Wald lebender Einsiedler zeigt vielleicht noch viel mehr Wolf, als ein eitler Pfaffe seinen Pfau. Wenn ihr unsicher seid, ob es unglaubwürdig ist, fragt Freunde; vielleicht müßt ihr das Tier noch etwas mehr zurücknehmen. Probiert euch aus, es können ganz spannende Figuren entstehen. Wenn ihr das Geühl für das Geschöpf noch nicht halten könnt, versucht es wieder und wieder. Durch das Üben wid es euch immer leichter fallen.

Eine Kleine Anregung zum Thema "Tier werden": Es kann hilfreich sein, in 10% Schritten vorzugehen. Erst 10% Tier und 90% Mensch. Nach einer Weile 20% Tier und 80% Mensch - bis ihr 100% Tier erreicht habt. Dann in Zehnerschritten zurück bis auf zehn, vielleicht sogar auf fünf prozent oder weniger. Es geht nicht darum, ein Tier zu spielen, sondern einen Menschen, bei dem ab und zu etwas durchblitzt, das andere nicht zuordnen können, das aber in sich konsistent ist. Mit etwas Übung kann so ein "Tiercharakter" eine große Hilfe bei der Rollenfindung sein und hilft auch dabei im Spiel zu bleiben. HelgeBruhn 19.01.07

Kostüm

Ich habe oft den Eindruck, daß sich die Rollenarbeit der meisten Spieler fast nur auf die Ausarbeitung der Gewandung beschränkt. Es ist tatsächlich ein wichtiger Schritt, aber auch nur einer von vielen, wie es hoffentlich hier klar wurde. Ein Kostüm kann sehr helfen, ein Gefühl für die Rolle zu bekommen. In einem Anzug bewege ich mich ganz anderes, als in Baggy Pants und weitem Pulli. Die Schuhe spielen dabei einen ganz wichtigen Anteil. In Stiefeln geht es sich völlig anders als in Turnschuhen, und auch die Körperhaltung verändert sich. Spürt dem mal nach: Was für Gefühle stellen sich durch die Kleidung ein? Wie trage ich diese Gewandung? In der Regel wird man einen Königsmantel auch als solchen tragen, d.h. anders als einen Waldläufertarnumhang. Es gibt hier keine festen Gesetze, aber häufig zu beobachtendes Verhalten. Findet eure eigene Wahrheit. Ein am Boden zerstörter König wird sich in diesem Augenblick natürlich einen Dreck um seinen Mantel scheren - solche Widersprüche zwischen äußerem Erscheinungsbild und innerlicher Haltung sind reizvoll. Auch eine kleine Randnotiz zu Dreck: LarpDreck

KingKongo 16.01.07


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