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LarpWiki: Meinung/Charakterdarstellung/LarpKlischees/Diskussion

Zu dem Thema evtl. auch interessant: Stock_character (bzw. Typus_%28Literatur%29 ) --RalfHüls, 13.10.2006

Seltsam, dass bisher im Bezug auf Klichees fast nur die Rede davon ist, ob ein bestimmtes Erscheinungsbild zu einer bestimmten Rasse passt.

Ich halte den Punkt "klicheehaftes Verhalten" für mindestens genau so wichtig. Klichees helfen den Mitspielern, die Rolles eines Spielers zu identifizieren, bricht man daher zu viele Klichees auf einmal, muss man damit rechnen, dass man schwerer als das wahrgenommen wird, was man sich als Konzept überlegt hat. Beispiel: Spieler A kleidet sich mit Leder und Fell und trägt auf seinem Rücken eine große Doppelaxt. Am besten noch wildes Haar, ein par Muckis in den Armen und ein Tattoo auf Arm und/oder Gesicht. Damit erfüllt er das Aussehens-Klichee des Fantasybarbaren ziemlich gut. Beim Verhalten weicht er aber vom Klichee ab, indem er vor jedem Kampf erstmal fragt, ob man die Situation denn nicht friedlich lösen könne, diese Gemetzel seien immer so sinnlos. Als Mitspieler ergibt sich dann für mich ein Bild eines "Feingeistigen/Parzifistischen Barbaren", wie es Spieler A geplant hat. Spieler B nun spielt einen Ork, will aber etwas außergewöhnliches sein und entschließt sich, mit zu vielen Klichees zu brechen. Er wählt als Hautfarbe ein Rot und spricht mit Fistelstimme; damit bleibt man definitiv in Erinnerung. Auch er stellt sich hin und postuliert vor jedem Kampf eine friedliche Lösung, um mit dem Verhaltens-Klichee zu brechen. Im Endeffekt ist von seinem Charakterkonzept "außergewöhnlicher Ork" kaum etwas übriggeblieben, dass den Mitspielern vermittelt wird. B wird wahrscheinlich als "seltsames rotes Etwas mit Fistelstimme, das immer bei den Orks rumlief und sie zu bekehren versuchte" in Erinnerung bleiben. Zum Schluss würde ich gerne noch erwähnen, dass der Trend zu einer Einstellung, man müsse zumindest mit irgendeinem kleinen Klichee brechen, da der Charakter sonst langweilige Stangenware sei, nicht immer zu mehr Individualität geführt hat, sondern teilweise das direkte Gegenteil bewirkt hat. Man denke nur als die Horden von Kuschelorks und den 12518925ten "einzigen guten Drow" (wobei ich hier auch die Spielumstände auf diversen Großcons mit für diese Entwicklung verantwortlich mache das "Ich bin ein tragischer Held"-Syndrom besonders junger Spieler sicher nicht ganz irrelevant ist). Hier wurde aus dem Versuch, ein Klichee zu brechen ein neues Klichee. Also: Klichees sind nicht grundsätzlich etwas schlechtes, genausowenig wie Klichees zu brechen automatisch zu einem tollen individuellen Charakter führt. --OliverRichter,24.01.2007

  • Daß hier hauptsächlich vom Erscheinungsbild die Rede ist, liegt vermutlich daran, daß dieser Text aus einer Forumsdebatte entstand und sich diese Debatten gerne an diesem Punkt entzünden. Gegen CharakterTipps wie "benimm Dich zwergisch" kommt vermutlich in einem Forum weniger Widerspruch als gegen "Sei klein". --RalfHüls, 2007-01-25

Nunja, das Wort "Klischee" ist an dieser Stelle irgendwie ungünstig, weil es einen sehr negativen Beigeschmack hat ;). Ich finde ehrlich gesagt auch nicht, dass eine bestimmte Größe, Hautfarbe, Ohrform, eben all diese Äußerlichkeiten als "Klischees" zu bezeichnen sind. Die durchschnittliche deutsche Frau ist 1,68m groß - bediene ich deshalb ein Klischee, weil ich diese Größe habe? Mir liegt eine menschliche Eigenschaft zugrunde, die ich mir nicht aussuchen kann. Ebenso sollte es bei Fantasyrassen sein. Wer groß ist, hat eben Pech gehabt, und wenn er Zwerge noch so toll findet. Verhaltenstechnische "Klischees" sind da vielleicht schon eher zu brechen, wobei ich mich schon länger frage, warum der Exotik immer mehr Außergewöhnliches aufgedrückt werden muss, vor allem, weil von der "Norm" abweichendes RPG (doch, Norm ist einfach passender als Klischee ;)) immer mehr nach schlechtem Spiel als nach Absicht riecht. --Maegwin,25.01.2007

"Norm" finde ich noch unpassender. Eine Norm ist (zumindest nach einer Konnotation des Wortes) eine Richtlinie, die von einer normativen Instanz vorgegeben wird. Die Verfechter des Anything-Goes-LARP werden vermutlich eine "Richtlinie" noch vehementer ablehnen, als ein Klischee im Sinne einer durch Gewohnheit nur diffus festgelegten kollektiven Vorstellung. Dieses Lemma würde dadurch noch mehr den Eindruck erwecken, es ginge darum, irgendwem eine Norm vorzuschreiben. Es geht aber vielmehr darum, daß die Klischees nun mal existieren und man erfolgreicher sein dürfte, wenn man sich ihrer bedient. --RalfHüls,


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