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LarpWiki: Meinung/Spielstile/HighFantasyLowPower

Lowpower

Nur all zu oft wird unter High-Fantasy- auch High-Power-LARP verstanden und damit ist dann auch die Assoziation mit Powergaming nicht weit.
Das führt dann dazu, daß es zu solchen irrigen Assoziationen kommt wie "Cons auf denen mehr rumläuft als nur Menschen (und eventuell noch Elfen und Zwerge) sind High-Power-Cons" oder auch "Exoten-Spieler sind alles Powergamer".
Ich möchte hier versuchen etwas gegen besagte Vorurteile beizutragen, nicht zuletzt weil wir auf unseren Cons immer bemüht sind, farbenfrohen und mitunter recht exotischen Charakteren eine Chance zu geben ohne daß das gleich in Superhelden-Charaktere ausartet.
Vorweg sei natürlich nochmal gesagt, daß ein Charakter nie den Ramen des Settings sprengen soll aber das ist eine andere Geschichte.

Zusammenspiel

Generell ist es immer unser Ziel gewesen, daß auf dem selben Con ein frischgebackener Charakter problemlos zusammen mit einem uralten Charakter spielen kann. Das erreichen wir in der Regel dadurch, daß es trotz eines punktebasierten Systems bei uns keine Fertigkeiten gibt, die Charaktere unkaputtbar machen oder die umgekehrt einen Charakter zu einer Einmann-Armee machen.
Natürlich verfügt ein alter erfahrener Charakter über ein größeres Repertoire an Fähigkeiten oder Zaubern als ein junger aber er bleibt dennoch in gewissem Maße ein ganz normaler Sterblicher.

Phantastische Elemente

Exotische Rassen

Wie schon Eingangs erwähnt bin ich der Überzeugung, daß sich phantastische Elemente und ein moderater PowerLevel nicht zwangsweise ausschließen. Ich halte es dabei für wichtig, den Spielern einen Eindruck zu vermitteln wie wir uns exotische Rassen vorstellen (unser Regelwerk enthält daher auch einige eher seltene Rassen) um somit die Leute davon abzubringen all zu abwegige Ideen (und damit meine ich speziell sowas wie Exotenrassen als Vehikel für High-Power-Elemente) verwirklichen zu wollen. Daher halte ich es für wichtig, daß auch die exotischeren Rassen unserer Spielwelt trotzdem ganz normale Sterbliche bleiben.
Das bedeutet wiederum nicht, daß sie nur "Menschen mit anderem Aussehen" sind aber sie sind den Menschen eben nicht absolut gesehen überlegen. Sie haben eben nur andere Stärken und Schwächen als Menschen, was sie in einigen Bereichen vielleicht überlegen und in anderen halt unterlegen macht, doch selbst die Punkte in denen sie überlegen sind machen sie eben noch lange nicht übermächtig.

Magie

Magie wird gerne als eine Art 'Fantasy Barometer' betrachtet und in der Tat ist es ein klassisches phantastisches Element. Leider wird Magie sehr oft zur übermächtigen universellen Metafertigkeit. Genau das versuchen wir aber zu vermeiden, zum einen dadurch, daß Zauber den selben Einschränkungen unterliegen wie andere Fertigkeiten auch, nämlich, daß sie weder die absolute Unverwundbarkeit, noch die absolute Macht bedeuten, zum anderen dadurch, daß nicht jeder Zauber jedem zugänglich ist.
Diese Einstellung sorgt zwar mitunter für Unmut bei Spielern, die an freizügigeren Umgang mit dem Element Magie gewohnt sind aber auf der anderen Seite kann ich auch sagen, daß auch wenn auf unseren Cons Magie durchaus präsent ist sie doch nie das dominierende Element war.

Cineastisch vs Realistisch

Generell bin ich ein Freund cineastischer Szenen aber gerade hier muß man sehr darauf achten, daß man LARP nicht zu sehr mit einem Film vergleicht in dem es einen Helden (oder eine meist eher kleine Gruppe) gibt, die sich gegen alle Chancen geben unglaubliche Übermachten behaupten.
Auch das ist zwar ein beliebtes Thema im Genre Fantasy aber gerade als Orga sollte man sich immer vor Augen halten, daß wir unsere LARPs ja nicht nur für einzelne Spieler sondern für eine in der Regel eher größere Gruppe von Spielern veranstalten, die im Prinzip alle das selbe Recht auf Heldentum haben. Wie kriegt man das jetzt trotzdem unter einen Hut?
Die wichtigste Zielsetzung unserer Spielphilosophie ist, daß es wie bereits erwähnt im Laufe eines Charakterlebens zwar einen Zuwachs geben soll aber dieser darf eben nie so groß werden, daß der Neuling ganz im Schatten der Alten verschwindet.
Gerade Situationen wie z.B. Schlachten müssen aber nicht zwangsweise realistisch sein, denn sonst liegt nachher mindestens die Hälfte der Charaktere tot am Boden. Sie sollen primär schön aussehen.
Das bedeutet z.B. daß sich zwei Kämpfer durchaus im epischen Zweikampf messen können, der sich eine ganze Weile hinziehen kann und in dessen Verlauf beide einige derbe Treffer einstecken, die in der Realität mehr gewesen wären als nur eine Fleischwunde. Das bedeutet aber nicht, daß zwei Leute wildfuchtelnd ausfeinander losgehen und sich wie wildgewordene Rasenmäher aufführen, die nur versuchen möglichst schnell die 'Hitpoints' des Gegners wegzukloppen. Das bedeutet auch, daß ich nichts dagegen einzuwenden habe, wenn ein schwer verwundeter Streiter nach der Schlacht von den Heilern wieder zusammengeflickt wird und am Abend zur Feier des Sieges schon wieder fit genug ist um mitzufeiern auch wenn er realistischerweise noch drei Wochen das Bett hätte hüten müssen. Auf der anderen Seite habe ich etwas dagegen einzuwenden, daß er nachdem der Heiler im ein Stück Stoff um den Bauch gewickelt oder der Magier einen Zauber gesprochen hat sofort wieder aufspringt, um sich erneut in die Schlacht zu stürzen.

Das ist vielleicht nicht mehr extrem LowPower, aber ich denke ihr seht worauf ich hinaus will: Bunte Charaktere, heroische Szenen und ein phantastisches Ambiente werden nicht durch mächtige Fähigkeiten, Zauber oder generell übernatürliche Macht bewirkt, sondern am Ende durch eine glaubwürdige Darstellung.
Eine gelungene Optik und schönes Charakterspiel tragen tausendmal mehr zu einem phantastischen Ambiente bei als Charaktere, die mit einem Fingerschnippen Armeen zu Asche zerkrümeln oder Tote auferwecken können.

--von HolgerLange, 3.6.2005


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