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LarpWiki: Meinung/Spielstile/SymbolOderDarstellung

Larpmeinung: SymbolOderDarstellung

Es geht bei der Diskussion "Soll man seine Rolle nur symbolisieren oder auch darstellen?" nicht um gemäßigte oder extreme Ansichten zum Thema Darstellung. Es sind zwei grundverschiedene Ansätze:

1. Ich nenne es mal die Symbolisten. Hier herrscht die Ansicht vor: "Fantasy" bedeutet, dass alle Mitspieler Fantasie im Sinne von Vorstellungskraft einsetzen, um sich ihre Mitspieler, Umwelt und Requisiten "echt aussehend/echt wirkend" zu denken. Da geht es um das Spiel, die Handlung, nicht vorrangig um das (optische) Erleben der Spielwelt.
Spieler, die sich eher dieser Gruppe zuordnen, möchten alle Möglichkeiten haben, verzichten dafür aber teilweise auf visuelle Darstellung, sondern symbolisieren das Geschehen stattdessen (z.B. eine farbige Schärpe als Darstellung für Unsichtbarkeit oder der zwei Meter große Spieler, dessen Zwergenbart und Zwergenaxt neben der darstellenden auch eine symbolische Funktion haben "Ich bin ein Zwerg, also bin ich klein"). Darstellung ist auch dieser Gruppe wichtig, kann aber zugunsten der Handlung oder erweiterter Möglichkeiten eingeschränkt werden.

2. Dann gibt es die Fraktion der Augenmenschen, die möchte sozusagen "einen Film erleben". "Fantasy" bedeutet hier: Die eigene Fantasie anstrengen, um (u.a. durch Ausstattung und Requisiten) den Mitspielern schönes Ambiente und Spiel zu bieten. Hier geht es um das Erleben der Spielwelt - man muss sich nicht vorstellen, dass ein Elf schlank ist, er ist es einfach, ein Zwerg ist klein, ein Katzenviech behaart.
Spieler, die sich eher dieser Gruppe zuordnen, möchten die Fantasywelt vorrangig sehen und erleben, verzichten dafür dann auf nicht oder schlecht Darstellbares (etwa Fähigkeiten wie Fliegen oder Unsichtbarkeit). Dieser Spielergruppe ist das Spiel ebenfalls sehr wichtig, nur gehört eine optisch möglichst überzeugende Umwelt für sie untrennbar dazu. Alle Optionen offen zu haben, ist dafür weniger relevant.

Spieler aus Gruppe 1, die sich nicht vorstellen können, was Gruppe 2 an unpassender Darstellung stört, versuchen sich bitte (etwas übertrieben) den Film "Herr der Ringe" vorzustellen mit einem Gimli, der zwei Meter groß ist, Legolas mit beachtlichem Bierbauch und Vollbart, Arwen als stark übergewichtige, unattraktive Frau, alle Schauspieler in Jeans und T-Shirt und vor der Kulisse eines durchschnittlichen Larp-Geländes. Klar, die Handlung wäre die gleiche, aber das Flair wäre nicht dasselbe. Und eben dieses Flair ist Gruppe 2 wichtig.

Natürlich ist das verallgemeinernd, die meisten Larper werden sich zwischen den Extremen bewegen - aber das Schema dient auch nicht dazu, Larper in Schubladen einzuteilen, sondern verschiedene Ansichten deutlich zu machen und zu erläutern, warum bestimmte Leute keine übertriebenen Vorstellungen, sondern einfach eine andere Vorstellung vom Larp haben. Es haben aber beide ihre Berechtigung.
Das große Problem ist nun: Nur Gruppe 1 kann Gruppe 2 problemlos in ihr Spiel integrieren, umgekehrt nicht. Denn ein optisch hervorragend passender Charakter stört ja das Spiel nicht (die meisten Spieler sind durchschnittliche Schauspieler, sowohl die filmreif ausgestatteten als auch die, die es nicht sind!), ein 2-m-Zwerg stört für "Augenmenschen" aber sehr wohl das Flair.


Nount, 07.10.2009

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