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LarpMeinung: Militärische Strukturen spielen

Kürzlich sind mir bei der Teilnahme an ersten Bemühungen, einen neuen Kriegerorden aus der Taufe zu heben, genau diese Fragen untergekommen. Zwar haben wir ein kleines Tageslarp veranstaltet, um die Charaktere zusammenzubringen und einheitliches Auftreten und Taktik zu üben, aber es zeigten sich IMHO Probleme bei der Koordination.

Die Disziplin war mäßig, vor allem diejenigen unter uns, die IRL keine militärische Erfahrung haben, kamen mit Kommandostrukturen nicht klar bzw. kannten die Vorgehensweisen nicht. Es ist recht klar, daß für eine Wache, Söldnertruppe oder andere Armee auch im Larp eine gewisse Disziplin nötig ist, um überzeugend auftreten zu können.

Wenn man den üblichen Vorlagen glauben kann (bin selbst KDV), werden solche Dinge in echten Armeen durch extrem autoritäre Strukturen und Zwangsmaßnahmen vermittelt. Die Frage ist, wie man im (bzw. fürs) Larp militärisches Verhalten schulen kann. Zwar hatten die "Offiziere" auf unserem Larp Spaß daran, die Schleifer zu spielen, aber das haben die "Rekruten" natürlich auch eher als Unterhaltung empfunden. Die eigentlich notwendige Vermittlung von Kenntnissen hat darunter IMHO eher gelitten. In einer echten Armee ist der Rekrut der Situation ausgeliefert und kann daher mit Zwangsmitteln beeinflußt werden. Wenn man im Larp versucht, die Leute ernsthaft zu Schinden, dann werden sie den Spaß verlieren und nicht mehr mitmachen.

Man muß also einen Weg finden, militärische Strukturen mit zivilen Methoden zu vermitteln. Damit schienen die echten (Ex-)Soldaten in unserer Gruppe zumindest im ersten Anlauf ein Problem zu haben ;-)

--RalfHüls, 04.11.1999

  • Z.b so wie wir das bei den Beilsteinern und den Eichengrundern gemacht haben: Die meisten davon sind Exzivis, und man es wird OT immer und immer wieder klar gemacht: Das ganze ist nur solange gut, wie jeder Spass dran hat. Also mehr den "Drill" raus und mehr die "Laune" dran rein. Und sich als Gruppe darin zu verschwören, den anderen ein möglichst geniales Bild zu vermitteln. --RobertWaldhans, 15.01.2004

    Wir haben von 6. bis 9. Januar ein Militärausbildungscon mit Anfängern veranstaltet. Trotz extremen Drills kam der Spaß nicht zu kurz. Der Altersunterschied zwischen Newbie und Ausbilder betrug im Schnitt!!! aber auch mehr als 5 Jahre. Somit waren die Ausbilder wohl verantwortungsbewußt genug ihre "Macht" im Spiel nicht zu mißbrauchen... --BastianBrenner, 16.01.2005 Ein Problem das mir haufig auffaellt ist, dass man als fuehrer Fehlverhalten schlecht ahnden kann bzw. will obwohl die Rolle es eigentlich verlangen wuerde. Gerade wenn die Gruende des Fehlverhaltens OT liegen, ist eine Einbringung ins Spiel schwierig, denn man will einen ja nicht OT real anscheissen. Andererseits ist es schwer jemanden zu Ignorieren, der gerade mitten in eine Waffenuebung platzt....---ChristianK 22 dec. 2008


Thesen:

  • Indianer sollten gefälligst mal freiwillig auf den Häuptling hören
    • Da es im LARP, wie oben geschrieben, nicht klappt, Disziplin mit "realistischen" Zwangsmitteln zu erzwingen, ist jeder Einzelne gefragt, die Darstellung der Disziplin in der Gruppe freiwillig zu unterstützen. Dazu gehört es nun mal auch, daß man Kommandos akzeptiert, keine Kommandos selber in die Menge brüllt, wenn man nicht der Befehlshaber ist, sich also insgesammt einigermaßen Diszipliniert verhält. Wer einen einfachen Kriegsknecht spielt, sollte sich im Interesse des Gesamtbilds einfach auch dann mal etwas zurücknehmen, wenn ihm die Entscheidungen der Kommandanten blöd erscheinen.

    Untergebene, die eben nicht machen, was sie wollen, tragen mehr zur guten Darstellung von Disziplin bei, als ein keifender Oberst.

  • Es sollte mehr Indianer als Häuptlinge geben
  • Häuptlinge werden von Indianern gemacht, nicht von sich selber
    • InaKöpke : Als ziemlich sinnvoll hat sich bei uns ein eigenes kleines Ausbildungslarpi gezeigt. Dieses hatte meist recht wenig Plot, ging über 4-5 Tage und fand in ziemlicher Wildniss statt, bzw auf einem Pfadfinderplatz ohne irgendwelche festen Gebäude, kein Klo, kein Wasser, keine Küche. Das ist zwar hart, aber die meisten Leute lernten recht schnell, dass man für was Warmes zu Essen auch Feuerholz sammeln muss welches nicht vom Himmel fällt, und dass jemand eine Latrine graben muss etc. Sprich das ganz normale Lagerleben stand eigentlich im Vordergrund. Klar haben wir auch jede Menge normales Waffentraining alleine, je zwei gegeneinander oder mit ganzen Gruppen gegeneinander gemacht, aber der Hauptpunkt lag darin, dass jeder merkte, dass jeder daran beteiligt ist, das Lager am Laufen zu halten und aufeinander zu achten. Die Wache nachts hatte nicht nur den Plothintergrund und war auch keine reine Schikane, wenn mal nichts passiert sondern diente auch dazu, das Feuer die ganze Nacht am Brennen zu halten und die letzte Wache macht dann Kaffee und Frühstück überm Feuer. Da merkte man auch schnell dass die Aufgabe des Häuptlings auch recht stressig ist und durchaus ihre Berechtigung hat (und das wo doch der Hauptteil der Häuptlingsarbeit eher vor dem Con zu erledigen war). In der Zeit, als wir das regelmäßig einmal im Jahr hingekriegt haben, war der Zusammenhalt der Truppe erstaunlich gut, und das wirkte sich auf das Zusammenspiel auf den anderen Cons deutlich aus.


(Anonym:) Allerdings sind jene Entwicklungen schon im 16.Jh aufgekommen. Wenn sich also eine Gruppe an diesem Jahrhundert oder späteren orientiert, dann werden diese Aspekte wieder auftauchen. Gerade dann müssen die Spieler der Soldaten versuchen, rollengerechtes spiel zu liefern. Den es gilt ja im Prinzip der folgende Grundsatz; Ein wilder Haufen ist auf seine weise effektiv, eine geordnete Formation ebenfalls un zugleich besser zu steuern, geziehlter einzusetzen. Aber wenn eine geordnete Formation eben nicht geordnet ist, sonder nur halb, dann ist eine sie ineffektiv. Daher sollte das Motto sein "Ganz oder Gar-nicht!". Anbei sei noch bemerkt, das sich selbst ein Drill aus dem 18ten Jahrhundert in 1-2 Stunden einstudieren lässt, und bei diesen sind die meisten Handgriffe festgelegt. Ein paar Märsche und Manöver auf einem Tennisplatz-grossem Feld sind schon eingeschlossen, und funktionieren wenn die Leute mitmachen wie von selbst, denn der Durchschnitts-Larper ist ja nich blöd. Es kann durchaus reizvoll sein, eine straff organisierte Truppe darzustellen, denn es macht den Spielern Spass und den Zuschauern mindestens genauso. Das beste ist aber, das man normalerweise relativ selbstständig kämpft, aber in einer Formation ein wirkliches Gruppengefühl auftaucht. (In der brit. Armee trug jeder soldat die verantwortung für seinen rechten Nachbarn, was die Effektivität, das "WIR-Gefühl" und die Moral enorm stärkte.)


Siehe auch ../LeuteAnfuehren (DimoM), MilitärischeKommandos

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