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LarpWiki: Meinung/Sozialverhalten/SpielerIgnorieren

Andere Spieler Ignorieren

Oftmals wird, in LarpForen als Ultima Ratio der Spielersanktion das Ignorieren anderer Spieler vorgeschlagen. Gerne wird z.B. (von Befürwortern wie Kritikern) die Opferregel dahingehend interpretiert, daß sie dem Opfer einen Freibrief gebe, beliebige Aktionen völlig zu ignorieren. Auch "schlecht" dargestellte Aktionen im DKWDDK-Spiel oder bei Punkteregelwerken, die bestimmte Darstellungsformen für bestimmte Aktionen vorschreiben sind hier immer gerne genannt, ungenügend oder falsch ausgespielte Zauber oder Gefuchtel im Kampf. Und nicht zuletzt können auch persönliche OutTime-Differenzen es ratsam erscheinen lassen, den ein oder anderen Spieler einfach zu ignorieren.

Skeptiker malen hier oft das Menetekel einer sich gegenseitig aufschaukelnden Ignoranzorgie an die Wand und befürchten Dialoge, die aus dem mit zwei Tassen verfilmten Dialog von Mundstuhl stammen könnten. Irgendwann werde, so wird befürchtet, gar kein Spiel mehr stattfinden, weil alle sich gegenseitig ignorieren.

Sicher ist das Ignorieren von Spielaktionen eine eher schlechte Lösung, die wirklich nur dann gewählt werden sollte, wenn nichts mehr hilft. Ansonsten sollte man eine Aktion, mit der man aus den verscheidensten denkbaren Gründen nicht einverstanden ist, und deren Folgen man nicht so ausspielen will, wie es das Gegenüber vielleicht geplant hat, wenigstens mit einer Ersatzhandlung als Reaktion honorieren. Dabei kann man auch deutlich machen, warum oder zumindest daß die Aktion gescheitert ist ("You think you're some kind of Jedi, waving your hand around like that? I'm a Toydarian, mind tricks don't work on me. Only money."). Das alleine stößt den Anderen wahrscheinlich schon weniger vor den Kopf als stumpfes Ignorieren und kann zur Deeskalation beitragen.

Und selbst wenn man sich "Ignoriert", muß das ja nicht unbedingt heißen daß man sich, wenn man angespielt wird, umdreht und den Anderen stehen läßt und schon gar nicht, daß man den anderen brüsk abweist: "Mit Dir spiele ich nicht!".

Man spielt den Anderen nur eben nicht aktiv an, nimmt nicht an seinem Ende des Plots teil (das ist eh vermutlich oft gar nicht das Ende, daß einen selbst interessiert) und stellt sich ans andere Ende der Schlachtreihe. Dann merkt er nicht mal, daß man ihn ignoriert. Und man selbst bald auch nicht mehr.

Wenn man von demjenigen angespielt wird, antwortet man das Nötigste und nicht mehr.

Das ist wie bei einem Arschloch, das einem in der Firma als Arbeitskollege oder Kunde begegnet. Wer Berufstätig ist und in größeren Projekten arbeitet oder Kundenkontakt hat, lernt meist über kurz oder lang, leidlich konstruktiv auch mit Leuten zusammenarbeiten, die er für Arschlöcher hält.

Wenige Cons sind so klein, daß man mit jedem Teilnehmer spielen muß und die Gefahr, daß das gesamte Spiel unter der Situation leidet, ist vermutlich geringer, als wenn man den Konflikt im Spiel austrägt. Jedenfalls dürfte die negativen Auswirkungen des "Ignorierens" (wie so vieles) in den Netzdebatten oft überschätzt und die Notwendigkeit eines allumfassenden Miteinander auf einem Spiel überbewertet werden.

--RalfHüls, nach einem Dialog mit GregorLindner


Siehe auch Locker bleiben,Matthäus 7.3, LARPer sind doof