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LarpWiki: AmbienteSprech

Larpmeinung: Ambiente-Sprech

Ein umstrittenes Thema: Sollte man sich im Spiel bemühen, irgendwie "altmodisch" zu sprechen? In der Marktmittelalter-Szene hat sich eine pseudohistorische Markt-Sprache etabliert und ähnliche Tendenzen findet man auch im LARP. Manche empfinden es als ambientefördernd, Phrasen wie "Gehabt Euch wohl" und "Auf ein Wort" zu verwenden und andere mit "Ihr" anzureden, andere finden das zu aufgesetzt.

Zu vermeidende und zu bevorzugende Wörter

Kein Fall von AmbienteSprech und jedenfalls zu vermeiden sind "DoofeOTWörter". LarpSprech ist ebenfalls kein Ambiente-Sprech. Man kann außerdem versuchen, altmodische Begriffe zu gebrauchen, z.B. ohnehin statt sowieso/eh, obgleich statt obwohl oder nichtsdestoweniger statt trotzdem.

Benennt die Dinge aber direkt und versucht nicht geschwülstige Bilder dafür zu erfinden. Das einfache Volk sagt wohl eher „Titten“ und nicht die „prallen rosafarbenen Lebensäpfel der holden Maid“ oder ähnlichen Mist. Wir verbinden wohl zu oft, alte Sprache mit den Werken alter Dichter und da entstehen die Fehler. Schiller, Goethe und Kleist haben nicht Alltagssprache auf den Tisch gelegt, sondern in einer Kunstform geschrieben. Kein Mensch hat im Versmaß gesprochen, also sollten wir uns auch nicht darum bemühen.

Mir selbst gebricht es für und für an dem, daß ich, wann ich recht bedacht und mit Sorgfalt schreyben kann, mir wol eyn rechte Sprach' gelingen mag, wann ich aber frey heraus sprechen sollt', mir's nit recht von der Zungen will gleiten.

Ihr vs. Du

Das "Ihr" wird vielfach überstrapaziert. Das "Ihr" ist eine Ehrbekundung. "Ihr" ersetzt nicht "du", sondern "Sie". Gute Freunde, enge Verwandte oder Leute niederen Standes unter sich sollten beim "du" bleiben.

Für Untergebene (und nur für die) gibt's dann noch die dritte Person: "Heb' er sich hinfort!".

Es ist allemal eine Unsitte, jedwede andere in der dritten Person anzusprechen, obgleichs doch nur dem Herrn gegen seinen Diener gemäß wär'.

RL

-->

Larp

Sie (respektvoll)

=

Ihr

Sie (Untergebene)

=

er/sie

du

=

du

Das Ganze ist nicht wirklich "mittelalterlich", aber archaisch genug, um im LARP zu funktionieren.

Altmodische Grammatik

Man kann auch versuchen, die Grammatik etwas anzupassen und archaische Sprachkonstrukte wie

  • Konjunktiv ( Gäb's  denn hier wohl ein Bier, Herr Wirt?)

  • mehr Konjunktiv (Konjunktiv statt "würde": ich fände statt ich würde finden)

  • Genitivus Partitivus (Ich verlor eine große Menge  Geldes .; Hast du ein Glas des  Weines ?)

  • gebeugte Fremdwörter (Ich hielt einen Vortrag über die  Principiae  der Magie.)

  • Präteritum statt Perfekt (Ich erschlug ihn statt Ich habe ihn erschlagen)

in die normale Sprache einzustreuen. Zwar kann man nicht immer behaupten, irgendwas davon sei authentisch, aber ein bisschen Flair gibt es vielleicht trotzdem her (wenn man darauf achtet, dass vornehm/gebildet klingende Konstrukte gelehrten Charakteren vorbehalten sein sollten).

Wo's gerade in den Sinn kommt, sollte man archaische Formulierungen einstreuen. Das hemmt den Redefluß nicht und man kann's langsam trainieren. Im Falle großer Ansprachen vor Publikum oder lautem Ausrufen in der Menge kann man sich ja vorher ein Weniges zurechtlegen.

Auch angebracht ist oftmals die alte Form des Dativs. Früher wurde nämlich zur Dativ-Endung noch ein -e angehängt: Er wurde verletzt  im Kampfe .

Ebenso kann ein e in die konjugierten Verben eingefügt werden:

lesen

ich lese

du liesest

er lieset

usw.

rennen

ich renne

du rennest

er rennet

usw.

Inspiration kann man sich aus alten Büchern holen. Zum Beispiel Der abenteuerliche Simplicissimus.

http://imgs.xkcd.com/comics/period_speech.png

Betonung/Sprachmelodie

Auch wenn man altertümliche Floskeln benutzt, sollte man dennoch einen normalen Tonfall verwenden. Zu oft wirkt die ganze Sprache, das gesamte Sprechen nur noch aufgesetzt und gestelzt. Nur weil man sagt: „auf ein Wort“ statt „kann ich dich kurz mal sprechen“ heißt das noch lange nicht, das man es deswegen anders sagen muss. Zu oft verliert der Spieler durch eine andere Sprache seinen natürlichen, direkten Ton. Nur weil er meint, er spiele jetzt, begibt er sich in eine Künstlichkeit, die völlig fehl am Platz ist. Die Unterschiede sind für jeden spätestens dann zu erkennen, wenn die Spieler ins OT fallen und auf einmal wieder normal reden. Aber man kann doch auch die sperrigsten Floskel normal und ungekünstelt sagen. Warum sollte ein „Habt Dank“ anders klingen als ein einfaches „Danke“ in der realen Welt?

Mundart/Dialekte

Sind ebenso eine eher zweischneidige Angelegenheit: Zum einen gehen ja immer mehr Dialekte verloren, zum anderen gibt es den ein oder anderen, der zumindest auf den ersten Blick nicht zu jedem Charakter-Konzept (vgl. CharakterTipps) passen will, von den dann erst recht vorherrschenden Verständigungsproblemen zwischen Nord/Süd/West/Ost mal ganz abgesehen. Andererseits wirken natürliche Dialekte oft ungezwungener als mühsam geradebrechte und zurechtgebogene pseudo-historische Wort- und Satzkonstruktionen. Und in einigen Rollen passen Dialekte wunderbar hinein: De Altmärker zum Beispiel, de tun immer so komisch reden, wenn de des so derbst überziehst, könnst glat glooben, des is a Sachse, aba det is wat janz andres. Ick seh des bald wie des Berlineische. In so Rolle wie det Gesinde kann des recht ansprechend seen :-)

Deutsch als Fremdsprache

Vor allem, wenn man ein anderes Fantasyvolk spielt, kann es nett sein, wenn der Charakter die 'Menschensprache' nicht vollständig richtig beherrscht. Ein Goblin z.b. kennt dann z.B. zwar alle wichtigen Vokabeln, übernimmt aber eine erfundene Goblin-Grammatik, was dazu führt, dass er etwa keine Personalpronomina verwendet, Verben nicht konjugiert und nur den Nominativ kennt.
Solche Sprach-Eigenheiten sind aber mit Vorsicht zu genießen: Erstens kann es anderen Leuten schnell auf die Nerven gehen, zweitens ist es ansteckend, d.h. Gesprächspartner tendieren dazu, den Sprachrythmus zu übernehmen (sehr witzig, das ...). Und drittens wird man es nicht mehr los. Außerdem ist es eine wichtige Frage, ob ein Charakter in dieser Hinsicht lernfähig sein, also seine Sprachkenntnisse langsam verbessern sollte...
Manche empfinden es als extrem nervig und sehr platt, Verben nicht zu konjugieren. Als Alternative wäre es möglich, einfach nur im Präsens zu konjugieren. Es ist einfach völlig unplausibel, dass ein Charakter die schwierigsten Vokabeln beherrscht, nicht aber die einfachste Konjugation. Man kann ja Unregelmäßigkeiten außen vor lassen, z.B. lesen - ich lese, du lest, er lest ... Das ist nur ein wenig schwieriger als einfach alles im Infinitiv zu lassen. Aber es nimmt dem Ganzen einen Teil (oder sogar den gesamten) des Nervfaktors ...
Wahlweise kann man auch noch "veraltete" oder falsche Grammatik einbauen - wer sagt denn, dass der Charakter nicht aus veralteten oder falschen Quellen gelernt oder sie falsch verstanden hat?

Alternativbegriffe

Notiz, wird später ausgebaut:

RalfHüls, PatrickC, Einhard, KleinesGrünes, Nount, KingKongo


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