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LarpWiki: FrauenKrieger

Frauen als Krieger

Man hört manchmal bei FantasyLarps, dass Frauen als Krieger ja "unhistorisch" seien und somit Frauen gefälligst die Rollen der Kriegerbewunderer und der Heilerinnen übernehmen dürfen. Abgesehen davon, dass viele LARP-Settings nicht historisch sind, gab es auch in der Realität kämpfende Frauen. Es gibt wenig reale Vorbilder, aber welche Charaktere im LARP haben, bei Licht betrachtet, einen realistischen Hintergrund? Abgesehen von der sachlichen Diskussion über historische, kämpfende Frauen handelt es sich hier um eine Einstellungssache.

Gleichberechtigung ist für die meisten Frauen und Männer - ebenso wie moderne Hygiene - etwas, worauf sie im Larp nicht verzichten wollen. Zu eben dieser Gleichberechtigung gehört selbstverständlich auch, dass eine Frau jede beliebige Rolle spielen kann.

Auf der anderen Seite gibt es Spieler, die gewissen Rollen für Frauen grundsätzlich ablehnend gegenüber stehen. Für sie hängt es vom Spielhintergrund ab (der Vereinbarungssache ist), ob Spielerinnen z.B. einen weiblichen Ritter-Charakter im eigenen Land spielen dürfen. Wenn dies im Hintergrund nicht vorgesehen oder offen gelassen ist, muss eine Frau, die als Ritterin antritt, wo es das (bisher) nicht gibt, InTime mit dem resultierenden Widerstand zurechtkommen und ggf. damit rechnen, dass sich jemand OutTime dadurch gestört fühlt (Vgl. KontroverseWeiblicheRitter).

Natürlich steht es jedem Spieler frei, für seinen Charakterhintergrund zu definieren, dass er kämpfende Frauen nicht leiden kann (genau wie andere vielleicht keine Adlige, Magier, Katzenwesen oder Elfen mögen). Umstritten ist hierbei, welche Konsequenz sich daraus für den Spieler ergibt - diese Frage bezieht sich aber nicht nur auf Kriegerinnen, sondern auch auf alle anderen Arten von ungeliebten Charakteren. Man muss die Spielerin deswegen ja nicht gleich mobben. Selbst, wenn man kämpfende Frauen als Ausnahme sieht, kann man diese dennoch tolerieren und ohne weiteres mit ihnen spielen. Zu versuchen, diesen Frauen zu beweisen, dass sie nicht gut genug kämpfen für ihre Rolle, ist in etwa vergleichbar mit dem Versuch, einem Magier nachzuweisen, er könne gar nicht zaubern.

Eine Spielerin, die schon seit Jahren eine Kriegerin spielt, berichtet, dass sie noch nie dumm angemacht wurde, dass sie als Frau diese Rolle nicht spielen könne. Akzeptanzprobleme sind ihr fremd. Es gibt aber auch einen Bericht über eine Spielerin, die erfolgreich eine Söldnerin spielte und nach einem Charakterwechsel zum Ritter derartige Schwierigkeiten gehabt habe, dass Sie die Rolle schließlich aufgab.

Auf dem größten Teil der Fantasy-Cons wird es ähnlich sein: Weibliche Krieger sind vollauf akzeptiert, weibliche Ritter in einem bestimmten Umfeld (nicht überall) umstritten. Wer als Frau eine nicht-ritterliche Kämpferin spielen möchte, braucht sich daher definitiv keine Sorgen zu machen, nicht akzeptiert zu werden.

Mythologie

Es gibt mehrere Überlieferungen aus der Mythologie von kämpfenden Frauen. Oft, aber nicht immer, handelt es sich dabei um Herrscherinnen, die es ablehnten, "Frauenarbeit" zu verrichten. Wenn es in der Antike solche Erzählungen gab, dann kann für die Menschen damals die Vorstellung von kämpfenden Frauen nicht vollkommen absurd gewesen sein, so meine These.

  • Athene: Neben dem Kriegsgott Ares verehrten die Griechen Athene als Göttin der Kriegsstrategen. Sie war die einzige Göttin, die Rüstung und Waffen trug.
  • Amazonen (z.B. Homer: Ilias oder Heraklessage).
  • Hypsipyle und die Frauen von Lemnos (Argonautensage). Die Frauen von Lemnos vertrieben ihre Männer, die untreu waren. Da sie die Argonauten bei deren Ankunft fürchteten, traten sie ihnen in Waffen gegenüber.
  • Kamilla, Fürstin der Volsker (Vergil: Änäis). Kamilla kämpfte gegen Trojaner, die in Italien Fuß fassen wollten. Ihr zur Seite standen nicht nur männliche Soldaten, sondern auch "ein auserlesenes Gefolge von tapferen Jungfrauen", wie es Gustav Schwab schreibt.
  • Brynhild (Wölsungensage)

Historie

Aus dem 15. Jahrhundert sind nebst so Paradefiguren wie Johanna von Orleans auch noch viel mehr Frauen an Waffen bekannt, die allerdings keine Männerkleidung trugen:

  • Da jede Zunft einer Stadt eine feste Anzahl Kämpfende zu stellen hatte, darunter auch die Spinnerinnenzunft, die nur Frauen als Mitglieder hatte, mussten Frauen, die keinen Ersatz bezahlen konnten, selber an die Hellebarde.
  • Da ein Geschützmeister für Geschütz und Mannschaft pauschal bezahlt wurde, hatte dieser Interesse daran, dass das Geld in der Familie blieb, entsprechend findet man dann ganze Familien als Kanonenbesatzung.

Quellen:

Moderne

In vielen Ländern dienen Frauen im Militär an der Waffe: Amerika, Israel, seit ein paar Jahren auch in Deutschland. Es mag als eine "Errungenschaft" der Emanzipation und der daraus folgenden Gleichberechtigung gelten, dass auch Frauen Dienst an der Waffe leisten dürfen - fest steht, dass sie das genauso gut tun wie Männer. Wenn das heute gilt, warum soll es nicht auch in der Geschichte gegolten haben?

In modernen Larp-Genres (CyberpunkLarp, StarTrekLarp, StarWarsLive, uvm.) sind Frauen völlig gleichberechtigt.

Beispiele

Literatur

Credits: CarstenThurau, SeeGras, Einhard, Section31, AndrejPfeifferPerkuhn, InaKöpke, PatrickC


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