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Meinung: Das Dunkle Erbe

Larp stammt in vielen Punkten vom klassischen Pen&Paper Rollenspiel ab. In seinen Rahmenbedingungen unterscheiden sich die beiden jedoch oft sehr stark voneinander. Elemente des klassischen Rollenspiels wie:

  • Erfahrungspunkte/Charakterentwicklung,
  • Sonderfähigkeiten,
  • kompakte Charaktere, die ein möglichst breites Spektrum an Fähigkeiten besitzen
  • persönliche magische/heilige Artefakte
  • "NichtspielendeNSC"

lassen sich nur schwer ins Larp transportieren. In einer geschlossenen Spielwelt, wie bspw. den DSA-Cons, mag das noch funktionieren. Aber Larp folgt eigenen Gesetzmäßigkeiten, früher oder später wird der BauerGamer, der PowerGamer oder der normale Spieler mit einem eigentlich nicht darstellbaren Charakter zusammentreffen. Das Ergebnis ist meist, dass man sich nicht versteht, weil man auf unterschiedlichen Ebenen spielt. Im besten Fall ignoriert man sich, evtl. betrachtet man sich gegenseitig jeweils als Pappnase.

Oft kommen solche Differenzen in der unglücklichen Übernahme von Konzepten aus dem Tischrollenspiel. Ein großer Unterschied zum PnP und in gewisser Weise auch Ausgangspunkt vieler dieser Probleme ist die Charaktersichtweise die zu oft ins Larp übertragen wird:

Im PnP spielen wir meist einen klassischen Helden, der mit seinen 4 Freunden durch die Lande zieht und z.B. Gutes tut. Die Spielgruppe muss deshalb die meisten Fähigkeiten, die zur Lösung der Aufgabe nötig sind, auf sich vereinen. Machtniveau der Charaktere und der Aufgaben, die es zu bestehen gilt, kann der Meister wunderbar gegenseitig anpassen. Spezielle Ereignisse betreffen die Gruppe als Zentrum der Geschichte.

Im Larp sind diese Konzepte nur schwierig umzusetzen, weil meistens immer 50-100 Helden durch die Lande ziehen, und das jedes Mal neu und bunt zusammengewürfelt. Wenn jeder dieser Helden nur eine tolle Besonderheit (magische Waffe, Amulett, besondere Fähigkeit) sein eigen nennt, wird es schnell sehr inflationär. Und auch das Machtniveau ist durch die wechselnde Zusammenstellung der Charaktere nicht einfach linear steigend anpassbar.

Unter diesen Aspekten sollte ein Larpcharakter anders ausgerichtet sein, es sollte beim LARP sehr viel mehr im Vordergrund stehen, eine Person der Welt zu spielen, statt einen Helden. Natürlich mag man einen heldenhaften Charakter spielen aber die Situationen in denen sich die Welt um die eigenen Handlungen dreht sind im Larp meist sehr, sehr selten. Dazu gehört auch dass man im Larp besser einen Spezialisten statt eines Alleskönner darstellt. Hier gibt es 50 Mitspieler und es müssen nicht alle erdenklichen Fähigkeiten mit der eigenen Gruppe oder sogar dem eigenen Charakter abgedeckt sein.

Gerade weil LARP hier ganz anders funktioniert als PnP sollte man manche Konzepte daraus eben nicht einfach ins Liverollenspiel übernehmen

Ebenfalls selten funktioniert die Übertragung von Helden aus Romanen oder Filmen/Serien siehe RomanHelden. Wenn Aragorn in Bree düster in seiner Ecke sitzt, mag das für einen Film eine tolle Charaktereinführung sein: Die Geschichte wird sich auf ihn zu bewegen, denn er ist eine der Hauptpersonen. Im Larp würde der arme Aragorn wahrscheinlich am Ende der Veranstaltung immer noch genauso düster in seiner Ecke sitzen, weil ihn niemand angespielt hat und er eben nicht das Zentrum der Handlung darstellt. Auch hier gilt wieder, Larp gehorcht anderen Regeln als eine vorgegebene Geschichte. Viele auf den ersten Blick schöne Konzepte sind in ihrer Umsetzung dann eventuell doch nicht mehr die beste Lösung.

Noch schwieriger wird es dann bei Vorlagen aus Computerspielen oder Comics. Als Ideenlieferant sicher eine gute Idee, als Konzeptvorlage für einen Charakter eher nicht zu empfehlen.

--TilmannHolst, TobiasSeybold


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